Eine Dampflok will gut gewartet werden – sie dankt es mit einer jahrzehntelangen Laufzeit Foto: /Peter Stotz
Bei den Jubiläumsfahrten zum 125-jährigen Bestehen der Teckbahn herrschte große Begeisterung unter den Interessierten Besuchern. Kommunen fordern unterdessen einen zuverlässigen Bahnbetrieb.
Peter Stotz
16.09.2024 - 13:39 Uhr
Für Eisenbahnenthusiasten und Freunde solider historischer Technik kommt kaum etwas einer Fahrt mit einem Dampfzug gleich. Zum 125-jährigen Bestehen der Bahnlinie zwischen Kirchheim und Oberlenningen war am Sonntag ein mit einer Dampflok bespannter Zug auf der Teckbahn genannten Strecke unterwegs, und der Ansturm der Fahrgäste, darunter auffallend viele Familien mit kleinen Kindern, war enorm.
Bereits auf der Fahrt von Esslingen nach Kirchheim hatte der stilvoll in Uniform gekleidete Schaffner seine liebe Not, sich von Sitzbank zu Sitzbank durchzuquetschen und den Fahrgästen ihr Billett zu verkaufen. Die Sitzplätze in den etwa 70 Jahre alten Holzklasse-Waggons waren schon zu Beginn der Fahrt nach Oberlenningen besetzt, als sich die 1500 PS starke Schlepptender-Lokomotive der Baureihe 50 aus dem Jahr 1942 mit lautem Pfeifen langsam in Bewegung setzte. Der Zug nahm Fahrt auf, die sechs Waggons ruckelten, es schepperte und klapperte, die Kraft der Antriebsräder war förmlich zu spüren, und über allem lag die unverwechselbare Geruchsmischung aus Dampf und Rauch.
Bei der Einfahrt in den Bahnhof stehen zahlreiche Schaulustige bereit. Foto: Peter Stotz
Der Bau der Teckbahn geht zurück auf die Empörung Kirchheimer Industrieller im Jahr 1860 darüber, dass zwar Nürtingen, nicht jedoch Kirchheim und sein Hinterland per Eisenbahn erreicht werden konnten. Da die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen nicht über das nötige Geld verfügten, gründete sich eine private Gesellschaft zum Bau einer Bahnlinie von Unterboihingen nach Kirchheim. Im Jahr 1864 wurde der Betrieb aufgenommen.
Auf Betreiben des Oberlenninger Industriellen Carl Scheufelen und mit Unterstützung der Ortsvorstände von Kirchheim, Dettingen, Owen und Oberlenningen wurde im Jahr 1897 mit dem Bau einer Verlängerung der Bahn nach Oberlenningen begonnen. Am 28. September 1899 fand laut dem Einladungsschreiben, das im Geschichtshaus Owen zu sehen ist, „unter der Allerhöchsten Theilnahme des Königs“ die offizielle Eröffnungsfahrt statt.
Diese Lok fuhr am Sonntag zwischen Kirchheim und Lenningen. Foto: Stotz/Peter Stotz
Für die Fahrgäste im proppevollen Dampfzug könnte sich angesichts der vielen begeistert winkenden Menschen am Bahndamm, in Vorgärten und auf Balkonen, aber auch der Fotografen auf den Wiesen und den Äckern entlang der Strecke, ein vergleichbar königliches Gefühl eingestellt haben.
Kommunen fordern mehr Verlässlichkeit
Dies setzte sich an den Bahnhöfen fort. In Dettingen, Owen und Oberlenningen wurden der Zug und die Fahrgäste mit Blasmusik empfangen. In Dettingen zeigte der Geschichtsverein eine Ausstellung zur Geschichte der Bahnstrecke, am Bahnhof wurde bei einer Hocketse gefeiert. Ein Bahnhofsfest fand auch in Owen statt, das dortige Geschichtshaus präsentierte eine bahnhistorische Ausstellung. Beim Bahnhofsfest am Endbahnhof Oberlenningen begrüßte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht seine Amtskollegen Pascal Bader aus Kirchheim, Rainer Haussmann aus Dettingen und Verena Grötzinger aus Owen. „Wir feiern heute auch, um zu betonen, wie wichtig die Teckbahn für die Kommunen und die Bürgerinnen und Bürger ist“, sagte er. Mit Blick auf die Dampflok, die direkt neben dem Festzelt mit klackenden Ventilen vernehmlich schnaufte, sagte Schlecht, die Pünktlichkeit dieses Zugs könne als Vorbild für die Leistungen und die Zuverlässigkeit der Teckbahn der Gegenwart dienen.
„Die Teckbahn ist das Rückgrat für den ÖPV im gesamten Bereich der Teck. Sie vernetzt Verkehrswege und lässt die Alb und das Biosphärengebiet näher rücken. Aber sie hat ein verheerendes Image. Das muss besser werden. Die Teckbahn muss zuverlässig fahren“, forderte Schlecht namens der Kommunen im Tal. Der Dampfzug tat dies, zumindest an diesem Tag.