Teekultur in der Waiblinger Stadtbücherei Erinnerungen an die Pfefferminzmetropole

Von Annette Clauß 

Die Waiblinger Ortschaft Hegnach war einst „Pfefferminzmetropole“: Mit der dort angebauten Pfefferminze wurde ganz Deutschland versorgt. Eine Ausstellung in der Waiblinger Stadtbücherei stellt nun Tee in all seinen Varianten in den Mittelpunkt und bietet ein Programm mit Tee-Bewirtungen und Vorträgen.

Der pulverförmige Matcha-Tee wird mit einem Bambusbesen aufgeschäumt. Foto: Gottfried Stoppel
Der pulverförmige Matcha-Tee wird mit einem Bambusbesen aufgeschäumt. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Assam oder Darjeeling – bei diesen Ortsnamen denkt jeder sofort an Tee. Doch wer weiß schon, dass die Waiblinger Ortschaft Hegnach ebenfalls ein wichtiges Anbaugebiet war? Geerntet wurde in der „Pfefferminzmetropole“ allerdings weder schwarzer noch grüner Tee, sondern die schmackhafte Hegnacher Pfefferminze. Die Idee, das Kraut im großen Stil anzupflanzen, war aus der Not geboren: Die Minze, die auf Feldern angebaut und in mühsamer Handarbeit vom Stängel gezupft wurde, verschaffte Familien ein zusätzliches Einkommen. Mitte der 1950er-Jahre reichte die in Hegnach erzeugte Menge an Pfefferminztee aus, um den deutschen Bedarf zu decken.

Noch mehr Wissenswertes, zum Beispiel über den Erfinder des Teebeutels, zeigt nun in der Waiblinger Stadtbücherei die von Sonja Spandl und Carola Gross mit Unterstützung des örtlichen Teeladens zusammengestellte Ausstellung „Tee – Kultur, die uns verbindet“, die im Rahmen der Interkulturellen Wochen läuft. Bis 16. November können Besucher im Foyer sehen, wie der Titel zustande gekommen ist: Dort steht ein Hochzeitsservice aus China neben Tassen und Kannen aus Südamerika, der Türkei und Indien, Bambus-Teetassen aus Myanmar neben einem Samowar und Teebehältern aus Birkenrinde, wie sie in Russland gängig sind.

Leihgaben aus aller Welt

Etliche der ausgestellten Stücke gehören Menschen, die in Waiblingen eine zweite Heimat gefunden haben und die die Exponate dank Vermittlung der Integrationsbeauftragten Ute Ortolf als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben.

Bei einer Tasse Tee ins Gespräch kommen und Vorurteile abbauen – auch das sei ein Ziel der Ausstellung, sagt der Oberbürgermeister und Kaffeetrinker Andreas Hesky im Hinblick auf die Tee-Bewirtungen, die geplant sind. Die türkische Frauengruppe El Ele verwöhnt am 12. Oktober von 10 bis 13 Uhr die Gäste mit Tee und Gebäck, am 26. Oktober steht Indien im Mittelpunkt und am 9. November wird in der Bücherei russischer Tee ausgeschenkt. Während die Erwachsenen Teetrinken, können sich Kinder ab sechs Jahren am 9. November bei einer Teatime der anderen Art mit dem Getränk auseinandersetzen: Die Kunstschule bietet von 10 bis 12 Uhr einen Kurs an, in dem mit Schwarz- und Kräutertees gemalt wird.

Vortrag über Arzneitees

Die globale, aber auch lokale Geschichte des Tees nimmt die Archivarin Tanja Wolf am 5. Oktober von 11 Uhr an unter die Lupe. Sie schildert, wie aus einem Luxusgut ein Alltagsbegleiter wurde. Der Waiblinger Apotheker Eleftherios Vasiliadis lädt zu einem Exkurs in die Welt der Arzneitees: Am 25. Oktober verrät er zwischen 17 und 18.30 Uhr, welche Heilkräfte in diesen besonderen Tees stecken – ein Umtrunk gehört ebenfalls dazu. Am 23. Oktober steht bei „Thommis Tea Time“ eine Mischung aus Literatur, Musik, Quiz und Unterhaltung auf dem Programm. Thommi Baake, seines Zeichens Teekünstler, tischt von 17 Uhr an Flunkergeschichten rund um den Tee auf und schenkt ihn auch aus – alles für vier Euro.

Bei der Ausstellungseröffnung am Mittwoch hat der Sternekoch Bernd Bachofer ebenfalls Tee serviert. Allerdings nicht in flüssiger Form in der Tasse, sondern hübsch arrangiert im Dessert-Schälchen. Matcha-Tee-Kissen: Mascarpone, umhüllt von einem dünnen Mantel aus Schokolade mit Matcha-Tee. Für ihn „der einzig wahre Tee“ , sagt Bachofer und verrät, wie er die Hülle aus Tee und Schokolade hergestellt hat: „Mit einer Lackierpistole aus dem Baumarkt.“