Die Vogelgrippe verbreitet sich aktuell wieder, im Alb-Donau-Kreis müssen 15.000 Tiere wegen eines Ausbruchs getötet werden. Wie ein Stuttgarter Geflügelbetrieb die Lage einschätzt.
Bei Patrick Haag vom Tegerhof in Stuttgart-Degerloch rufen aktuell Menschen an, weil sie sich Sorgen um ihre Weihnachtsgans machen. Der Grund: Die Vogelgrippe breitet sich wieder in Deutschland aus – auch in Baden-Württemberg. In einem Betrieb im Alb-Donau-Kreis müssen 15.000 Tiere wegen eines Ausbruchs getötet werden, der Betrieb ist gesperrt. Die Vogelgrippe ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die bei vielen Vogel- und Geflügelarten tödlich verläuft. Für Menschen ist sie nicht gefährlich.
Auf dem Tegerhof, der zahlreiche Gänse hält, beruhigt man die Kunden: „Dass sich die Vogelgrippe gegen Ende des Jahres ausbreitet, ist ein jährlich wiederkehrendes Ereignis“, sagt Patrick Haag, der den Hof gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich leitet. Große Sorgen machen sich die beiden momentan nicht. Das Risiko sei nicht extrem erhöht im Vergleich zu den letzten Jahren. „Wir beobachten das natürlich und verfolgen die Situation, aber es ist noch nicht so, dass wir deshalb unruhig schlafen“, sagt Patrick Haag. In der Region Stuttgart sind bislang noch keine Ausbrüche der Vogelgrippe bekannt.
Haag: Virus steht noch nicht vor der Haustür
Wie blickt Patrick Haag auf die Situation im Alb-Donau-Kreis? „Wenn man es im Betrieb hat, ist das natürlich eine Katastrophe“, sagt er. Man müsse die Lage beobachten. Wenn die Fälle sich häufen und näher rücken, müsse man aufpassen und die Hygienemaßnahmen hochfahren. „Es ist aber im Moment noch nicht soweit, dass wir sagen, man müsse alle Register ziehen und das Virus würde schon vor der Haustür stehen.“
Die Gänse von Patrick und Friedrich Haag werden im Freien gehalten. Das soll erst einmal so bleiben. Derzeit gilt keine Stallpflicht für Geflügel in der Region Stuttgart. Um zu verhindern, dass andere Vögel angelockt werden, achte der Hof darauf, dass kein Futter oder Wasser auf der Weide sei, sondern nur im Stall, erklärt Friedrich Haag.
Tegerhof für den Fall einer Stallpflicht vorbereitet
Falls eine Stallpflicht kommen sollte, ist der Hof vorbereitet. Vor ein paar Jahren habe man einen großen Stall gebaut, damit die Tiere genug Platz haben, falls sie nicht mehr nach draußen dürften. „Aber seit wir Gänse haben, ist es noch nie vorgekommen, dass wir aufstallen mussten“, so Friedrich Haag.
Vor dem Ausbruch im Alb-Donau-Kreis hatte das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Verdacht auf eine Infektion mit dem Vogelgrippevirus bei eingesandten Kranichproben aus mehreren Bundesländern bestätigt. Auch Geflügelbetriebe in verschiedenen Regionen Deutschlands sind betroffen. Die Ausbreitung unter Kranichen hat in Deutschland laut dem Insitut ein bisher nicht gekanntes Ausmaß angenommen.
Das FLI warnt vor einer großflächigen Ausbreitung der Infektionen und hat in seiner aktuellen Risikoeinschätzung das Risiko für weitere Ausbrüche in Geflügelhaltungen und Fälle bei Wildvögeln auf „hoch“ gesetzt.