Im Esslinger Kulturausschuss stellte Juliette Bartke, die bei der Stadt Esslingen die Teilhabe-Strategie verantwortet, die Projekte vor, die bereits angestoßen oder vorbereitet worden sind: „Die Maßnahmen sollen bis 2031 Barrieren abbauen und die Menschen in Esslingen niederschwellig an das Kulturangebot heranführen“. Gemeinsam mit einer Steuerungsgruppe ist sie für die Umsetzung der Maßnahmen der Esslinger Teilhabestrategie Kultur (ETK) verantwortlich. Die Gruppe besteht aus städtischen und freien Akteurinnen und Akteuren aus den Bereichen Kultur, Soziales und Bildung.
Bürgermeister Bayraktar: Kultur aktiv mitgestalten
„Die Strategie ist ein wichtiger Baustein für unser Ziel, die Teilhabe am kulturellen Leben in Esslingen zu stärken“, sagte Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar in der Sitzung. „Das bedeutet nicht nur den Zugang zu kulturellen Angeboten, sondern auch die Möglichkeit zur aktiven Mitgestaltung. Wir wollen, dass alle Bürger Esslingens die Chance haben, sich kulturell zu beteiligen und zu entfalten“.
Die künftige Nutzung des Bahnwärterhauses als Labor für kreative Menschen in der Stadt ist dabei ein wichtiger Baustein. „Das historische Bahnwärterhaus soll ein Kultur-Ort für alle kreativen Menschen in der Stadt Esslingen werden“, sagt Alexa Heyder. Von dem Ensemble verspricht sich die Chefin des Kulturamts Synergien. Mit der Galerie, dem interkulturellen Stadtacker für Vielfalt und der erfolgreichen Pop-up-Gastronomie des Fuenfbisneun im Merkelpark soll das Labor breite Schichten für die Kultur gewinnen.
Das malerische Haus neben der Bahnstrecke wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Früher lebten dort Familien von Arbeitern und Angestellten der Bundesbahn. Seit den 1980er Jahren wurde das Bahnwärterhaus als Raum für künstlerische Ausstellungen, vor allem für Nachwuchskünstlerinnen und -künstler, genutzt. Inzwischen fristet das Haus einen Dornröschenschlaf. Größere Veranstaltungen sind in dem Gebäude nicht möglich, da sich nur 30 Personen gleichzeitig in den zwei Stockwerken des historischen Baus aufhalten dürfen. Für Ateliers, Workshops, Musik-Sessions, Theaterproben oder Gesprächskreise bietet das Haus mit zwei Arbeitsräumen pro Stockwerk aber gute Möglichkeiten. Die Fläche vor dem Gebäude soll künftig autofrei sein. Auch dieser Platz kann bei schönem Wetter für kulturelle Projekte oder auch für Begegnungsangebote genutzt werden.
Derzeit entwickelt die Stadt ein neues Konzept, das die künftigen Nutzerinnen und Nutzer mitgestalten sollen. Mit dem Rücklauf der ersten Online-Umfrage, die bis 30. Juni lief, ist Alexa Heyder rundum zufrieden. Derzeit werden die Ergebnisse ausgewertet. Nach ihren Worten wird es noch mehrere Befragungen geben, um das Projekt auf eine möglichst breite Basis zu stellen.
In das Konzept für das Kreativ-Labor sollen sich auch Kulturschaffende und Initiativen einbringen. Geplant ist ein spartenübergreifendes Projekt, das Jung und Alt Möglichkeiten zum künstlerischen Arbeiten bieten soll. Der Verwaltung ist daran gelegen, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Teilhabe am kulturellen Leben in der Stadt gewinnen.
Angebote für kulturferne Gruppen machen
Im letzten Kulturausschuss gab es von vielen Seiten Lob für die Teilhabestrategie der Stadt. Die Pläne zum Kreativ-Labor im Bahnwärterhaus stießen auf großes Interesse und Neugier. Gespannt ist Marco Bertazzoni (Grüne), wie sich die Pläne für das Bahnwärterhaus entwickeln. Dass damit auch das Areal jenseits der Gleise und am Neckar weiter belebt werden soll, begrüßt er. Ulrike Gräter (SPD) findet es „klasse, was im Bahnwärterhaus passieren soll“. Da das Gebäude jenseits der Stadt an den Bahngleisen liegt, könne man „Krach machen ohne Ende“.
Für Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) bietet die Teilhabestrategie die Chance, auch jene Menschen zu erreichen, die kulturferner sind. Es bringe nichts, „die Kulturaffinen mit immer neuen Angeboten zu bedienen.“ Tobias Hardt (Linke) lobte die Teilhabestrategie insgesamt. Ihm ist wichtig, „dass die Kultur verstärkt in die Stadtteile zieht.“ Die Backhaus Beats im Stadtteil Zell seien da ein guter Anfang.
Kinder und Jugendliche möglichst früh an die Kultur heranzuführen, ist den Kommunalpolitikern wichtig. „Es sei ein Problem, wenn die Kinder noch nie in der Galerie Villa Merkel waren“, sagte Bürgermeister Bayraktar. Lob von vielen Seiten im Ausschuss gab es für den Kulturrucksack als Einstieg; das ist ein kulturpädagogisches Angebot zum Kennenlernen von Kultureinrichtungen für Esslinger Schülerinnen und Schüler der Grundschulen, der weiterführenden Schulen sowie der Sozialpädagogischen Bildungszentren. Der Kulturrucksack bietet spannende Veranstaltungen mit aktiver Vor- und Nachbereitung in den Sparten Musik, Medien, Ausstellung und Theater.
Die Esslinger Teilhabestrategie
Projekte
Sichtbar wird die Umsetzung der Teilhabestrategie durch zahlreiche Projekte, die in Esslingen angestoßen wurden. Zu den Erfolgsgeschichten zählen die mobile Bühne „Kulturarche“, die seit 2021 immer wieder im Einsatz ist – zuletzt erneut bei „Pliensauvorstadt live“, und die Kulturkontaktbörse.
Bildung
Der „Esslinger Kulturrucksack“ für Schülerinnen und Schüler wurde ausgeweitet, der „Esslinger Kulturpass“ neu gestaltet und die Kommunikation im Stadtraum verstärkt. Des Weiteren werden unterschiedliche Akteurinnen und Akteure geschult und die kulturelle Bildung an Schulen wird verstärkt.
Umsetzung
Von den 21 Projekten aus den drei Handlungsfeldern Angebote, Kommunikation und Organisation konnten die meisten realisiert werden. 15 von 21 Projekten sind in der Umsetzung, davon umfassen einige fortlaufende Angebote. Die Kommunikation im Stadtraum wurde ebenfalls verstärkt.