Bei einem mutmaßlichen Anschlag im Zentrum von Tel Aviv am Donnerstagabend gab es mindestens zwei Tote sowie mehrere Verletzte. Ein Attentäter habe auf Besucher einer Kneipe geschossen.

Bei einem Anschlag im Zentrum der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv sind am Donnerstagabend nach Angaben von Sanitätern mindestens zwei Menschen getötet worden. Rund zehn weitere Menschen erlitten den Angaben zufolge Schussverletzungen, einer schwebte in Lebensgefahr. Ein Attentäter habe auf Besucher einer Kneipe auf der belebten Dizengoff-Straße geschossen, teilte die Polizei mit.

Hunderte von Sicherheitskräften suchten noch Stunden nach dem Anschlag intensiv nach dem Täter. Das israelische Fernsehen berichtete, man gehe davon aus, dass es sich um einen Palästinenser aus dem besetzten Westjordanland handele. Der Tatverdächtige sei schwarz gekleidet und habe einen blauen Rucksack auf dem Rücken getragen.

Anwohner sollen Häuser nicht verlassen

Die Polizei rief die Anwohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Nach Medienberichten durchkämmten die Sicherheitskräfte die Gebäude im Umkreis. Das Fernsehen berichtete, die öffentlichen Verkehrsmittel im gesamten Stadtzentrum seien komplett gestoppt worden. Im Herzen der Mittelmeerstadt waren immer wieder Sirenen zu hören, ein Polizeihubschrauber kreiste über der Umgebung.

Im nahegelegenen Ichilov-Krankenhaus wurden nach Angaben des Leiters Ronni Gamzu vier Schwerverletzte notoperiert. „Sie haben Schussverletzungen in der Brust, im Bauch, am Kopf und im Gesicht“, sagte er Reportern.

US-Botschafter Tom Nides schrieb bei Twitter, er sei „entsetzt, einen weiteren feigen Terroranschlag auf unschuldige Zivilisten zu sehen, diesmal in Tel Aviv“. Er forderte: „Dies muss aufhören!“

Ein führendes Mitglied der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Palästinenserorganisation Hamas, Muschir al-Masri, begrüßte den Anschlag. Er beweise, „wie tief der Widerstand in das israelische Sicherheitssystem eindringen“ könne. Ein Hamas-Sprecher sagte, es handele sich um die Fortsetzung der jüngsten Anschlagsserie.

Land befürchtet weitere Gewaltakte

In den vergangenen zwei Wochen waren in Israel bei einer Anschlagsserie elf Menschen getötet worden. Bei zwei der drei Attentate waren die Angreifer israelische Araber mit Verbindungen zum IS. Bei dem vorerst letzten Anschlag vor gut einer Woche war der Attentäter ein Palästinenser.

Das Land befürchtet weitere Gewaltakte während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der am Samstag begonnen hat. Die Anschläge markierten die blutigste Woche in Israel seit 16 Jahren.

In Tel Aviv ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen gekommen. Auf der Dizengoff-Straße hatte bereits im Januar 2016 ein israelischer Araber bereits zwei Menschen erschossen. Im Juni 2016 erschossen zwei Palästinenser im Sarona-Park im Zentrum Tel Avivs vier Israelis und verletzten mehrere weitere.