Polizeistatistik und Anwohnergefühle kollidieren in Gablenberg. Eine neue Initiative fordert Tempo 30 und begründet dies mit gefährlichen Verkehrssituationen sowie Studienergebnissen.

Obwohl die Polizei der Gablenberger Hauptstraße eine unauffällige Unfallbilanz attestiert und dort hauptsächlich Parkrempler registriert, fühlen sich Anwohner im Abschnitt zwischen Schmalzmarkt und Wagenburgstraße wiederholt unsicher und setzen sich für Tempo 30 ein. Jetzt haben sie die „Bürgerinitiative Verkehrsberuhigung Gablenberg“ gegründet und fordern einmal mehr die Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Stadtteil – aktuell gelten auf den Hauptverkehrsachsen durch Stuttgart-Ost 40 Kilometer pro Stunde.

 

„Hintergrund sind wiederkehrende gefährliche Situationen für Fußgängerinnen und Fußgänger“, sagt Björn Klein, Sprecher der Initiative. „Insbesondere auf den schmalen Gehwegen und an der stark frequentierten Gablenberger Hauptstraße.“ Solche Vorfälle werden als solche jedoch nicht in den amtlichen Unfallstatistiken erfasst.

Bürgerinitiative verweist auf aktuelle Studie

„Tempo ist der entscheidende Faktor für die Verkehrssicherheit“, so Klein. „Eine niedrigere Geschwindigkeit lässt sich schnell umsetzen und wirkt sofort – ganz ohne Umbauten.“ Dadurch könne man die Unfallrisiken und -folgen nachweislich reduzieren sowie für ein entspanntes Miteinander sorgen. „Erst vor einer Woche untermauerte eine Metastudie der Björn-Steiger-Stiftung diese Erkenntnisse“, sagt der Sprecher der Initiative.

Wissenschaftliche Studien und Datenerhebungen aus 13 verschiedenen Städten wie Zürich, Berlin oder Toronto wurden analysiert. Laut der Untersuchung erweisen sich Tempo 30-Zonen als wirkungsvoller Hebel für die Stadtentwicklung und mehr Lebensqualität. Das Fazit: Emissionen und Lärmbelästigungen werden reduziert, die Verkehrssicherheit wird verbessert. Die Zahl der Unfälle sowie der Verletzten und Getöteten hat laut der Studie nach der Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit in allen betrachteten Städten abgenommen, die Fahrtdauer indes nur minimal zugenommen. Das Verkehrsvolumen ist leicht gesunken. Nennenswerte Nachteile sehen die Wissenschaftler aber nicht.

Mit diesem Hintergrund hat die neugegründete Bürgerinitiative das Anliegen an die Straßenverkehrsbehörde, an die zuständigen Bürgermeister sowie an alle Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat herangetragen. „Ziel ist es, zeitnah wirksame Verbesserungen zu erzielen, von denen alle Verkehrsteilnehmenden profitieren“, so Klein. Die Rückendeckung des Bezirksbeirats Ost haben die Anwohner bereits. Das beratende Gremium hatte bereits im vergangenen Sommer mit einer 10:6-Mehrheit Tempo 30 in großen Teilen des Stuttgarter Ostens zugestimmt.