Blitzer an der A 8 bei Stuttgart Hier werden besonders viele Temposünder geblitzt

Die A-8-Blitzer vor Leonberg, hier kurz vor ihrem Neustart im September 2019, haben im vergangenen Jahr knapp 355 000 Tempoverstöße dokumentiert. Foto: factum

Trotz weniger Verkehr in Pandemiezeiten haben die Temposünder auf der A 8 bei Stuttgart dem Land wieder reichlich Einnahmen beschert. An einer Stelle ist das Blitzlichtgewitter besonders heftig.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Stuttgart - Die stationäre Tempoüberwachung der A 8 im Stuttgarter Bereich lässt die Kasse klingeln – obwohl die Blitzer bei der Messe nach mehreren Monaten Pause noch immer nicht in Betrieb sind. Mehr als 6,4 Millionen Euro Bußgeld im vergangenen Jahr sind ein Höchstwert der letzten Jahre. Wie kann das sein – ist coronabedingt nicht weniger Verkehr unterwegs?

 

Eigentlich wird an der A 8 tatsächlich weniger geblitzt – dafür an einer bestimmten Stelle umso mehr – nämlich an der Blitzanlage zwischen Kreuz Stuttgart und dem Dreieck Leonberg. Knapp 355 000 erwischte Sünder im Jahr 2020 sind dort ein neuer Höchstwert. Selbst beim Start im Mai 2014 hatte es dort lediglich 334 000 Treffer gegeben. „Das liegt aber auch daran, dass dort seit Verlegung und Wiederinbetriebnahme im September 2019 auf nunmehr vier Spuren geblitzt wird“, sagt Karl-Heinz Klenk, Leiter der Zentralen Bußgeldstelle des Landes.

Immer wieder gefährliche Spurwechsel

Die Leonberger Anlage Richtung Karlsruhe soll das Tempolimit durchsetzen, das die Polizei als äußerst wichtig bezeichnet: „Da gibt es viele Spurwechsel und Einfädelmanöver, das ist bei bei diesem Verkehrsaufkommen höchst gefährlich“, sagt der für die Stuttgarter Autobahnen zuständige Polizeisprecher Peter Widenhorn. Auf der Strecke kommen die Verkehre von A 8 und A 81 zusammen, mit täglich über 150 000 Fahrzeugen.

Ein typischer Unfall vor einigen Tagen: Ein 27-jähriger Sattelzugfahrer zieht auf der Gefällstrecke auf die rechte Spur, erfasst dabei den VW eines 61-Jährigen, den er im toten Winkel übersehen hat. Das Auto schleudert, dreht sich nach links, kollidiert mit einem Toyota, der gegen die Betongleitwand geschleudert wird. Bilanz: Ein Verletzter, 30 000 Euro Schaden, zehn Kilometer Stau.

Die Trefferquoten steigen deutlich

Damit jeder brav das je nach Verkehrsaufkommen angezeigte Tempolimit einhält, wird geblitzt. Hilft da nur die Angst vor einem saftigen Bußgeld? „Dabei muss man aber sehen, dass nicht jedes eingeleitete Verfahren erfolgreich abgeschlossen werden kann und zu entsprechenden Einnahmen führt, weil oftmals der Fahrer nicht ermittelt werden kann“, sagt Klenk. Auch bei manchen ausländischen Kennzeichen landen Bescheide im Papierkorb, und viele eilige Lkw erweisen sich bei der Auswertung als Reisebusse, die schneller als Lastwagen fahren dürfen. So zahlte in der Vergangenheit oft nur jeder Zweite.

Das hat sich nun geändert: Die Trefferquoten, mit denen dann auch tatsächlich ein Bußgeldverfahren eingeleitet wird, liegen inzwischen überall bei mehr als 60 Prozent – beim Leonberger Vielblitzer sogar bei fast 70 Prozent. Das führt dazu, dass das Land mit den A-8-Blitzern eine neue Höchstsumme der letzten Jahre eingespielt hat. So blieben von knapp 570 000 geblitzten Vorkommnissen an drei Standorten im letzten Jahr knapp 391 000 Verfahren übrig.

Die Millionensummen steigen

Und was bedeutet das für die Landeskasse? Den statistischen Durchschnittswert eines Bußgelds pro Fall gibt Klenk für die Stuttgarter Autobahnen mit etwa 16,50 Euro an – die Ermittlungsverluste sind da schon eingerechnet. Damit haben die Temposünder auf diesem Stuttgarter Abschnitt der A 8 im letzten Jahr über 6,4 Millionen Euro Bußgeld bezahlt. 2019 waren es lediglich 5,3 Millionen. In jenem Jahr hatten die Blitzer zwischen Kreuz Stuttgart und Dreieck Leonberg allerdings erst im September ihren Betrieb wieder aufgenommen. Gleichwohl: 2016, als letztmals alle vier Anlagen gleichzeitig blitzten, kamen lediglich 4,7 Millionen Euro zusammen.

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