Temporäre Galerie in Stuttgart-Vaihingen Aus der Werkstatt wird ein Schmuckstück

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Christine Schönherr hat eine neue Galerie eröffnet, in der neben eigenen Arbeiten diejenigen von Künstlerkollegen gezeigt werden. Die Räume hatten einst eine ganz andere Funktion.

Viel Platz bietet die ehemalige Motorradwerkstatt, die Christine Schönherr in eine ansprechende Galerie umgewandelt hat. Foto: Sabine Schwieder
Viel Platz bietet die ehemalige Motorradwerkstatt, die Christine Schönherr in eine ansprechende Galerie umgewandelt hat. Foto: Sabine Schwieder

Vaihingen - Christine Schönherr braucht viel Platz zum Arbeiten. Die Kunst der in Rohr lebenden Malerin ist gelegentlich wandhoch. Deshalb war sie überglücklich, als sie auf die ehemalige Motorradwerkstatt Sattler an der Möhringer Landstraße in Vaihingen gestoßen ist. Voller Tatendrang wandelte sie die Kfz-Werkstatt in ein Schmuckstück um, in dem auch Künstlerkollegen ihre Arbeiten zeigen sollen. Der jüngst eröffnete Projektraum mit dem Namen Farbwerk Stuttgart könnte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er ist Atelier, eine temporäre Galerie und ein Veranstaltungsort für Workshops zugleich. Eröffnet wurde der geplante Reigen von Ausstellungen mit Arbeiten von Damaris Wurster aus Herrenberg.

Von der Malermeisterin zur Künstlerin

Mit dem Farbwerk hat sich Christine Schönherr, 1985 in Aalen geboren, einen Traum erarbeitet, der, so hofft sie, nur vorerst auf ein Jahr beschränkt ist. Aus der temporären Galerie könnte eine feste Einrichtung werden, denn die ehemalige Werkstatt, in der es jahrelang um Mercedes-Fahrzeuge oder Motorräder ging, eignet sich hervorragend als Galerie. Die Deckenbalken lassen viel Licht in den großen Raum; die quadratisch unterteilten Milchglasfenster sind eine Augenweide für sich, die schlichte Möblierung macht Eindruck, und auch das ehemalige Büro scheint wie geschaffen für Gemälde oder Fotografien. Das liegt am Farbkonzept der Künstlerin, die sich hier niedergelassen hat.

Christine Schönherr ist die Tochter eines Malermeisters, und zunächst trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters. Nach der Meisterprüfung wollte sie den Weg ins freie Kunstleben nehmen. In ihrem kleinen Ein-Frau-Betrieb in Rohr entwickelt sie weiterhin Raum- und Farbkonzepte für Kunden; im Farbwerk Stuttgart kann sie die Kunst mit diesem Handwerk kombinieren. Nebenbei macht die Mutter eines Kleinkinds gerne Musik: Christine Schönherr war Frontfrau verschiedener Bands im Pop-, Soul- und Funk-Bereich.

Leidenschaft für Farbe – und immer wieder Schwarz

Das Studium an der Staatlichen Akademie für Kunst in Stuttgart, das sie im Winter 2016/17 abgeschlossen hat, empfand die Künstlerin als harte Arbeit, denn in ihrer Kindheit und Jugend gab es wenig Berührung mit der Bildenden Kunst. Wer bei dem Namen Farbwerk explosive Farborgien erwartet, sieht sich getäuscht: Christine Schönherrs Arbeiten wurden im Laufe ihrer Ausbildung immer reduzierter. Das Gemälde „Waldlichter“ zum Beispiel, das in der Esslinger Villa Merkel gezeigt wurde, besteht aus hohen Hell-Dunkel-Linien. Bei einem Bild, das die Querwand der neuen Galerie ziert, dominieren schwarz-braune Muster. „Ich habe lange nach dem richtigen Schwarz gesucht, das viel Licht schluckt, eine samtige Oberfläche hat und satt dasteht“, erzählt die Künstlerin. Farben, so sagt sie, seien ihre Leidenschaft, und doch komme sie immer wieder zum Schwarz zurück. Zugleich arbeitet sie gerne in den Raum hinein: Manche ihrer bisher ausgestellten Arbeiten sind begehbar.

Kaleidoskop-Fotografien auf Samt

Das Samtige des Bildes passt gut zu den Arbeiten von Damaris Wurster, einer Studienkollegin der Galeristin. Die Künstlerin aus Herrenberg eröffnet an der Möhringer Landstraße die Ausstellungsreihe „Artwerk“. Zu sehen sind Fotografien, die sie mit dem Kaleidoskop digital bearbeitet hat. In einer Druckerei in England werden die Fotografien auf Samtstoff gedruckt. Das Ergebnis sind großformatige Bilder, die kraftvoll und zurückhaltend zugleich wirken. Eine andere Arbeit der Künstlerin zeigt eine Wolkenlandschaft in Grau und Schwarz. „Sie bricht in den Bereich der Malerei ein, ohne einen Pinsel in die Hand zu nehmen“, sagt Christine Schönherr dazu bewundernd.

In Workshops alte Möbel auffrischen

Neben der Ausstellung bietet die frisch gebackene Galeristin im Farbwerk Stuttgart Workshops an, zu denen die Teilnehmer eigene Kleinmöbel mitbringen und neu gestalten können. „Man hat ja immer ein Erbstück oder etwas vom Sperrmüll. Stühle, Kommoden, Betten oder Bilderrahmen, die man verändern möchte“, sagt die Künstlerin, die als gelernte Malermeisterin gerne im Kontakt mit den Menschen ist, die bei ihr um Rat suchen.

Der Projektraum von Christine Schönherr, Möhringer Landstraße 16, ist mittwochs von 10 bis 16 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr und freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Ausstellung mit Arbeiten von Damaris Wurster ist bis zum 7. Juli zu sehen. Die nächsten Workshops werden am 9. und 23. Juni von 14 bis 18 Uhr angeboten. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.farbwerk-stuttgart.de.

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