Temporeduzierung in Stuttgart-Süd Salamitaktik für weitere Tempo-40-Zonen

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Die Grünen wünschen sich eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 40 an der Olgastraße und der Neuen Weinsteige. Dadurch soll der Schadstoffausstoß verringert und die Wohnqualität für Anwohner gesteigert werden.

An der Hohenheimer Straße gilt bereits Tempo 40. Nun sollen weitere Straßen folgen. Foto: Archiv/Achim Zweygarth
An der Hohenheimer Straße gilt bereits Tempo 40. Nun sollen weitere Straßen folgen. Foto: Archiv/Achim Zweygarth

Süd - Geschwindigkeitsreduzierungen auf Steigungsstrecken können die Luftqualität bessern und die Lärmbelastung senken. Aus diesen Gründen wurde in den vergangenen Jahren bereits in der Hohenheimer Straße und dem Straßenzug Immenhofer Straße, Zellerstraße und Neuen Weinsteige eine Temporeduzierung von 50 auf 40 Stundenkilometer eingeführt. Die Fraktion der Grünen ist auf diesen Zug aufgesprungen und hat im Bezirksbeirat Süd einen Antrag auf Einführung einer Tempo-40-Zone im Bereich Olgastraße und dem unteren Teil der Neuen Weinsteige gestellt, dem das Gremium in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt hat.

„Mit der Reduzierung der Geschwindigkeit an Hangstrecken können Schadstoffausstöße verringert werden“, begründete Norbert Retlich den Antrag seiner Fraktion. Im Vergleich zu Tempo 50 verliere man auf einer Strecke von 800 Metern mit Tempo 40 lediglich 15 Sekunden Zeit. „Das steht gegenüber einer Erhöhung der Wohnqualität für die Anwohner durch bessere Luftqualität, sinkende Lärmbelastung und größere Sicherheit für die Fußgänger“, so Retlich.

Kritik an dem Antrag kam von dem FDP-Sprecher Wolf-Dieter Wieland, der den Grünen eine „Salamitaktik“ vorwarf. „Alles halbe Jahr kommen Sie mit einer neuen Straße.“ Im Süden gebe es bis auf die Böblinger Straße und die Tübinger Straße nur Steigungsstrecken. „Wenn Sie das ernst meinen, sollten Sie beantragen, im ganzen Süden Tempo 40 einzuführen“, warf Wieland den Grünen vor.

Häppchenweise Einführung von Tempo 40

Ulrike Holch von der SPD verteidigte die stückweise Beantragung von Tempo-40-Zonen: „Wir haben 15 Jahre lang über die Etzelstraße diskutiert, dabei gibt es noch andere Straßen, an denen man die Sicherheit für Fußgänger erhöhen kann. Dabei ist jede Taktik recht.“ Getrud Moll von den Grünen pflichtete dem bei. An einer Salamitaktik sei nichts falsch. „Die Temporeduzierung bringt etwas, auch wenn zur Luftschadstoffreduzierung noch weitere Schritte notwendig sind.“ Auch Jens Hermann von den Stadtisten stimmte dem zu: „Die Salamitaktik ist sinnvoll, weil es sonst nicht realisierbar wäre.“ Retlich erklärte die schrittweise Einführung von Tempo-40-Zonen damit, dass die Versuche an den einzelnen Straßen erst einmal ausgewertet werden müssten um zu schauen, ob eine Temporeduzierung die gewünschte Wirkung erziele und auch an anderen Stellen sinnvoll sein könnte.

Er schlug vor, dem Antrag auf Einführung von Tempo 40 an der Olgastraße und der Neuen Weinsteige die Bereiche Dobel-/ Sonnenberg-/Richard-Wagner-Straße hinzuzufügen, die die Stadtverwaltung im Sommer in ihre Pläne aufgenommen hat. Sie hatte zwölf Strecken in den Innenstadtbezirken ausgemacht, auf denen eine Umsetzung von Tempo 40 sinnvoll wäre. Die Umsetzung solle in den Jahren 2016/17 erfolgen.

Bei fünf Gegen- und zehn Ja-Stimmen wurde der Antrag der Grünen von den Bezirksbeiräten angenommen und wird nun der Stadtverwaltung vorgelegt.

Tempo 40 an Steigungsstrecken

Luftreinhaltung
„Tempo 40 an Steigungsstrecken“ ist Teil des Aktionsplans „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ und dient der Luftreinhaltung.

Situation
Derzeit gilt in der Innenstadt auf einer Gesamtlänge von 8,6 Kilometern Tempo 40 auf Steigungsstrecken. Namentlich sind das die Hohenheimer Straße und der Straßenzug Immenhofer Straße, Zellerstraße und Neue Weinsteige.

Planung
Die Stadtverwaltung hat weitere 12,9 Kilometer ausgemacht, auf denen 2016/17 Tempo-40-Zonen eingerichtet werden sollen. Es sind Straßen in den Innenstadtbezirken, darunter auch Bereiche der Dobel-/Sonnenberg-/Richard-Wagner Straße und Olgastraße/Neue Weinsteige. Weitere Straßen sollen 2018 folgen.

Kosten
Die Umsetzung in den nächsten beiden Jahren ist mit einer Summe von 390 000 Euro veranschlagt.

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