Tennis beim Mercedes-Cup Das Federer-Spiel steckt Dominik Koepfer noch in den Knochen

Wird immer besser: Dominik Koepfer aus Furtwangen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der Schwarzwälder Dominik Koepfer hat in Paris das wohl größte Match seiner Karriere gegen die Schweizer Tennis-Ikone knapp verloren. Das hat den Deutschen geärgert, ihm aber auch gezeigt, wie gut er geworden ist. Beim Mercedes-Cup will er es zeigen.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - Die erste Hürde hat Dominik Koepfer genommen in Stuttgart. Mit seinem Partner Yannick Hanfmann besiegte er beim Mercedes-Cup das aus Jordan Thompson und Luke Saville bestehende australische Doppel. So ein Vagabundenleben im Tennissport ist streng getaktet. Am Samstag verlor Koepfer bei den French Open in Paris einen atemraubenden Viersatzkrimi gegen die Tennis-Ikone Roger Federer, am Dienstag stand er auf dem Stuttgarter Killesberg im Doppel auf dem Platz, und an diesem Mittwoch geht es im Einzel heiter weiter. Wann holt man da mal Luft?

 

Vor allem die Partie gegen Roger Federer steckte Koepfer am Dienstag noch in den Knochen. „Im Kopf habe ich es nicht mehr so gemerkt, aber im Körper. So ein langes Match merkt man noch einige Tage danach, aber ich nehme aus der Partie sehr viel Selbstvertrauen mit“, sagt der 27 Jahre alte Tennisspieler aus dem Schwarzwald über die Partie gegen den Außergewöhnlichen. „Am Ende war es enttäuschend, dass ich nicht gewonnen habe, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.“

Höhepunkt im Leben

Gegen den besten Tennisspieler der Welt auf dem Platz zu stehen, es war der Höhepunkt im Leben von Dominik Koepfer. „In den entscheidenden Momenten eines Spiels denkt man schon noch mal drüber nach, dass es gerade gegen Federer geht. Vor allem im ersten Satz war das ein Problem für mich, da hatte ich im Tiebreak einfache Fehler gemacht, und die Nerven lagen ein bisschen blank“, sagt der Deutsche. Bewundernswert sei gewesen, dass Federer ab und zu müde war, aber immer wieder zurückkam – und das im Alter von 39 Jahren und nach zwei Knieoperationen. Gegen ihn gespielt zu haben, wird Koepfer niemals vergessen. „Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich bei einem Grand Slam in der dritten Runde gegen Roger Federer spiele, dann hätte ich das unterschrieben. Vielleicht hat noch ein bisschen der Glaube gefehlt, dass ich inzwischen mit den ganz Großen mitspielen kann“, sagt der Tennisspieler aus Furtwangen im Hinblick auf die knappe Niederlage gegen den Schweizer.

So lange ist Koepfer auf der großen Tour ja auch noch nicht dabei. Er kann als Spätstarter bezeichnet werden. 2019 tauchte er im etwas fortgeschrittenen Alter von 25 Jahren erstmals so richtig auf. Im Juni feierte er damals seinen bislang größten Erfolg, als er das Challenger-Turnier im englischen Ilkley durch einen Dreisatzsieg im Finale gegen Dennis Novak gewann – doch das war nur ein erstes Anzeichen für den bevorstehenden Durchbruch ins Reich der besten 100 Spieler der Welt. Danach schaffte Koepfer es in Wimbledon in die zweite Runde. Und im Herbst 2019 arbeitete er sich bei den US Open nach Siegen gegen Jaume Munar, Reilly Opelka und Nikolos Bassilaschwili überraschend ins Achtelfinale vor, welches das Kraftpaket aus dem Schwarzwald gegen den späteren Finalisten Daniil Medwedew aber nach vier Sätzen verlor.

Der Sprung nach vorne

Bassilaschwili war damals der erste Top-20-Spieler, den der Deutsche besiegte. So schaffte er erstmals den Sprung unter die besten 100 der Welt – als Nummer 86. Heute führt ihn das Ranking auf Platz 50. „Dieses Turnier hat Spaß gemacht“, sagte Koepfer damals, denn eines war ihm jetzt klar: Er kann mithalten im Konzert der Großen. Alle Mühen, der ganze Einsatz, den man bringen muss, um Tennisprofi auf einem gewissen Niveau zu werden, das alles hatte sich endlich ausgezahlt.

Vielleicht hat sich die Karriere des neben dem Platz eher ruhigen Zeitgenossen deshalb ein bisschen nach hinten verschoben, weil Tennis in seiner Jugend gar nicht die größte Rolle spielte. In der bisweilen finsteren, doch aber schönen Schwarzwälder Landschaft rund um Furtwangen war Skisport angesagt. Koepfer stand höchstens zweimal die Woche auf dem Tennisplatz. Erst mit 15 Jahren forcierte er das Training und trieb später seine Entwicklung dann auf einem US-College voran – als eine Art Selfmademan. „Ich habe auf dem College dann mit 20 Jahren angefangen, immer mehr zu spielen und bin immer besser geworden“, sagt Koepfer. Er sei eben einen anderen, von Verbänden unabhängigen Weg gegangen. Mit Erfolg. „Man merkt, wie ihn diese harte Schule in den USA geformt und gestählt hat“, sagt Boris Becker, „wir werden noch viel Freude an ihm haben.“

Fokussiert bleiben

Erst einmal will Dominik Koepfer auf dem Weissenhof so weit wie möglich kommen. Im Einzel bestreitet er an diesem Mittwoch sein Auftaktmatch gegen den 22 Jahre alten Österreicher Jurij Rodionov. „Ich habe vor drei Jahren mal gegen ihn verloren – aber wenn ich fokussiert bin und mein Spiel spiele, dann sind die Chancen gut“, sagt Dominik Koepfer vor seiner zweiten Hürde in Stuttgart.

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