Tennis beim Mercedes-Cup Dominic Stricker – der Mini-Federer
Beim Mercedes-Cup in Stuttgart werden die Augen auch auf ein Talent gerichtet, das erst 18 Jahre alt ist: Dominic Stricker aus der Schweiz.
Beim Mercedes-Cup in Stuttgart werden die Augen auch auf ein Talent gerichtet, das erst 18 Jahre alt ist: Dominic Stricker aus der Schweiz.
Stuttgart - Roger Federer schlägt nicht in Stuttgart auf, nein, deshalb hat er das Turnier in Paris nicht abgebrochen. Stattdessen aber spielt die neue Schweizer Tennis-Hoffnung Dominic Stricker mit. Mini-Federer statt Original-Federer – so sieht es aus in diesem Jahr.
Und wo sind die anderen Stars? Auf der Meldeliste des Mercedes-Cups stand am Sonntag noch der Name Alexander Zverev ganz oben. Der kommt jetzt nicht, weil er in Paris weiter im Rennen bleibt. Auch Jan-Lennard Struff müssen die Stuttgarter Turnierveranstalter von der Liste streichen, weil seine Zeit bei den French Open länger andauerte. Mit Topstar Nick Kyrgios hatten die Veranstalter zwar gerechnet, denn der war in Paris ja gar nicht am Start – und doch sagte er seine Teilnahme ab. Der Australier hat Probleme mit der Nackenmuskulatur.
Lesen Sie hier: Struff verliert in Paris
Weil die Macher der French Open ihr Turnier um eine Woche verschoben haben, kommt es zu einer Überschneidung mit dem Mercedes-Cup, daher ist das Feld dem Killesberg zwar einigermaßen ordentlich besetzt – aber die Superstars fehlen. Die Nummer eins im Tableau ist der Kanadier Denis Shapovalov (Platz 14 der Weltrangliste), die Nummer zwei der Pole Hubert Hurkacz (19). Dahinter erstreckt sich ein Feld mit Akteuren, die teilweise nur Tennisgenießer so richtig wahrnehmen. Die deutschen Farben vertreten Dustin Brown, der als unterhaltsame Nummer 298 der Welt eine Wildcard erhielt, und Dominik Koepfer, der in Paris Roger Federer unterlag und in der Welt die Nummer 50 ist.
Vieles ist anders in diesem Jahr auf dem Weissenhof. Nur 500 Zuschauer sind wegen der Pandemie zugelassen, und der Grand Slam in Paris stört die Besetzung bei dem kleinen, aber feinen Turnier spürbar. Als wäre das nicht genug, fand am Montag wetterbedingt der Qualifikationsauftakt in einer Stammheimer Tennishalle auf einem Hartplatz statt. Das Rasenturnier gilt als Vorbereitung für den Tennisklassiker in Wimbledon. Doch diesmal gilt unter erschwerten Bedingungen nur eines: Hauptsache, es findet statt.
So sieht es der Turnierdirektor Edwin Weindorfer, der nach 2020 auf keinen Fall einen weiteren Ausfall riskieren wollte. Der Mercedes-Cup wäre Gefahr gelaufen, aus der Wahrnehmung der Spieler zu purzeln. Das Fehlen einer Zugnummer führt wohl auch dazu, dass Weindorfer das Feld sozusagen ein bisschen von hinten betrachtet. So liegen große Hoffnungen auf einem Rohdiamanten – und nicht auf einem Topmann. Diesmal ist nicht die Nummer 14 der Welt die Attraktion, sondern die Nummer 335: Der junge Mann heißt Dominic Stricker, ist 18 Jahre jung, kommt aus Bern.
Seit Stricker im Oktober 2020 die Juniorentitel im Einzel und Doppel bei den French Open gewonnen hat, hoffen sie in der Schweiz, dass er in die Fußstapfen von Roger Federer oder Stan Wawrinka treten könnte. Federer selbst gehörte ja auch zu den ersten Gratulanten nach Strickers Triumphzug in Roland Garros. „Einen wie Federer wird es meiner Ansicht nach nie mehr geben. Und ich spüre auch keinen Druck. Für mich ist das eher motivierend“, sagt Stricker zu den Vergleichen mit dem Rekord-Grand-Slam-Sieger aus Basel.
Im März sorgte der Nachwuchsmann in Lugano für Furore, als er bei seinem zweiten Auftritt bei einem ATP-Challenger seinen ersten Titel gewann. Kürzlich trat Stricker – mit einer Wildcard – beim ATP-Event in Genf an. Auf dem Weg ins Viertelfinale besiegte er den kroatischen US-Open-Champion (2014), Marin Cilic.
Der Österreicher Weindorfer ist begeistert vom Schweizer Tennisjuwel. „Dominic ist einer der talentiertesten Nachwuchsspieler weltweit. Wir freuen uns sehr, ihn auf seinem Weg nach oben mit einer Wildcard für das Hauptfeld unterstützen zu können“, sagt der Turnierchef und ist gespannt, wie sich der Mini-Federer so schlägt. Der große ist ja nicht da.