Tennis beim TEC Waldau Die Jubiläumssaison wird zur Wundertüte

Zum Start ist  personelle  Improvisationskunst gefragt. Für den  TEC Waldau könnte  Anna Zaja auf Position eins beginnen – vorausgesetzt, sie ist am Wochenende nicht mehr bei ihrem aktuellen Turnier in Litauen im Wettbewerb. Foto: Archiv  Baumann
Zum Start ist personelle Improvisationskunst gefragt. Für den TEC Waldau könnte Anna Zaja auf Position eins beginnen – vorausgesetzt, sie ist am Wochenende nicht mehr bei ihrem aktuellen Turnier in Litauen im Wettbewerb. Foto: Archiv Baumann

Nach dem Coronafrust des vorigen Jahrs geht es in der Tennis-Bundesliga der Damen nun wieder um Punkte, freilich unter erschwerten Bedingungen. Der TEC Waldau bekommt dies gleich zum Auftakt zu spüren – obwohl er unter seinen Zugängen sogar eine mehrfache Grand-Slam-Siegerin hat.

Filderzeitung: Franz Stettmer (frs)
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Degerloch - Bisher hat es die Tradition beim TEC Waldau so vorgesehen: zum Anfang der neuen Saison erst einmal ein gemeinsames Frühstück. Bei Kaffee und Brötchen stimmte die Mannschaft sich in lockerer Runde auf die bevorstehenden Aufgaben ein. An diesem Teammeeting ändert sich nun auch heuer nichts, allerdings am Auftaktort. Der erste Treffpunkt ist am Samstag nicht am gedeckten Tisch – sondern im Testzentrum in Degerloch. Dort lautet Programmteil eins: in Reih und Glied aufstellen und zum Corona-Check antreten.

Es ist dies nicht das Einzige, das im Tennis-Bundesligajahr 2021 ungewohnt sein wird. „Wir gehen diesmal ein bisschen ins Ungewisse. Unter den aktuellen Bedingungen ist alles etwas Wundertüte“, sagt Thomas Bürkle, Ligasprecher sowie Geschäftsführer und Teammanager beim Filderclub. Freilich, wer wollte sich in der Tennisszene darüber beschweren? Groß sind die Erleichterung und die Vorfreude, dass überhaupt wieder gespielt werden kann. Zur Erinnerung: vor zwölf Monaten kostete die Viruskrise den kompletten Wettbewerb. Seinerzeit fiel die Meisterschaftsrunde in der nationalen Beletage ersatzlos aus.

Neustart „dringend notwendig“

Ein zweites Mal, das war allen Beteiligten klar, konnte und durfte das nicht passieren. „Eine dringende Notwendigkeit“ sieht Bürkle in der jetzigen Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Es gehe schlicht darum, „die Ligen am Leben zu halten“. Andernfalls, schätzt er, wäre es für einige Vereine schwierig geworden. Welcher Sponsor wollte sich schon dauerhaft weiter engagieren, wenn es keine Präsentationsfläche mehr für ihn gibt? Was den TEC Waldau betrifft, so galt es auch jetzt schon Einbußen hinzunehmen, allerdings im noch verkraftbaren Ausmaß, wie Bürkle sagt. Die beiden Hauptgeldgeber Mercedes und Gazi sind nach wie vor dabei. Der eigene Etat steht bei rund 80 000 Euro.

Bürkles Hoffnung ist, bei den drei Heimspielen seiner Mannschaft auch für Zuschauer wieder die Türen öffnen zu können. Jene sind alle erst im Juli. Aktuell wären in Baden-Württemberg für Veranstaltungen des Profi- und Spitzensports sogar bis zu 100 Besucher erlaubt. Abhängen wird viel von der weiteren Entwicklung der Pandemie und der Inzidenzzahlen – nicht nur neben, sondern wohl auch auf den Courts. Noch nicht absehbar ist für Bürkle, welche Spielerinnen seines Kaders er tatsächlich wann und wie einsetzen kann. Es gibt mittlerweile ja ein paar neue Parameter, an denen es sich zu orientieren gilt: Testergebnisse zum Beispiel. Oder sich teils wöchentlich ändernde Quarantäneregeln und Reisebestimmungen. Und nicht zuletzt wird es auch auf die zeitliche Verfügbarkeit seiner Protagonistinnen ankommen, die auf der Profitour über den Globus tingeln. Den Nebeneffekt vermehrter Terminkollisionen hatten die Vereine mit der von ihnen forcierten Verlegung der Runde in Kauf genommen. Eine Kröte musste man dann halt schlucken. Ursprünglich wäre es schon Anfang Mai los gegangen. Nun werden zwei erste Spieltage absolviert und folgen während der Rasensaison gleich wieder vier Wochen Pause, ehe der Hauptteil steigt.

Grand-Slam-Siegerin als Zugang

Für Bürkle und die Seinen wird gleich die Auftaktbegegnung am Sonntag (11 Uhr) beim Aufsteiger Luitpoldpark München zum Richtungsweiser – und ebenso zum kniffligen Personalpuzzle. Sicher ist: die Nummern eins bis fünf des eigenen Aufgebots weilen bei den French Open in Paris, darunter auch der namhafteste Waldau-Zugang. Die in Dubai lebende Tschechin Barbora Krejcikova ist eine der besten Doppelspielerinnen der Welt. Eben im Doppel sowie im Mixed hat die 25-Jährige fünf Grand-Slam-Titel gewonnen, unter anderem an der Seite ihrer bisher schon in Degerloch unter Vertrag stehenden Landsfrau Katerina Siniakova.

Definitiv ihr Debüt geben wird in der bayerischen Landeshauptstadt dagegen die zweite Neue: Alexandra Vecic. Auch die 19-Jährige bringt einige Referenzen mit. Ihre Juniorinnen-Zeit beendete sie als Nummer acht der Weltrangliste sowie als Halbfinalteilnehmerin der Australian Open. Mit Vecics Verpflichtung setzt der TEC Waldau seinen ausgerufenen „Stuttgarter Weg“ fort. Sprich: die Marschroute, verstärkt auf deutsche Talente zu setzen. „Grundsätzlich ist das Vorhaben pro Spieltag weiter drei/drei“, sagt Bürkle, also eine Mannschaft, die jeweils zur Hälfte aus ausländischen und deutschen Spielerinnen besteht.

25. Saison in der Bundesliga

Damit unterscheiden die Degerlocherinnen sich vom überwiegenden Teil der Konkurrenz. Zumindest einmal vom momentanen Papier her. Wie es wirklich kommt, ist wie gesagt schwerer denn je vorauszusagen. Umso mehr sieht man an der Jahnstraße erneut nur das eine sportliche Ziel: den Klassenverbleib.. Es wäre das passende Präsent zum Jubiläum. Die Waldau-Damen bestreiten ihre 25. Bundesliga-Saison.

Ob im Erfolgsfall am Ende dann sogar wieder eine richtige Feier möglich sein wird? Mal schauen. Einstweilen bleibt es mit Mannschaftstreffen so eine Sache. Nicht nur Testzentrum statt Frühstückstisch. Auch aus der anderen kulinarischen Tradition, jener des gemeinsamen Abendessens in einem örtlichen Restaurant, wird nach vollbrachtem Schlägereinsatz erst einmal nichts werden. Bürkle hat recherchiert. Keine Chance. Die Coronaregeln in München geben es nicht her.

TEC Waldau

Zugänge: Alexandra Vecic (TC Tübingen), Barbora Krejcikova (Tschechien/Wahlheimat Dubai), Emily Meyer (eigene zweite Mannschaft).

Abgänge: Eleonora Molinaro (Studium in den USA), Lena Papadakis (LTTC Rot-Weiß Berlin), Varvara Gracheva.

Aufgebot: 1. Barbora Krejcikova, 2. Katerina Siniakova, 3. Mona Barthel, 4. Ana Bogdan, 5. Olga Danilovic, 6. Anna Zaja, 7. Dalila Jakupovic, 8. Linda Fruhvirtova, 9. Katarzyna Piter, 10. Laura Schaeder, 11. Alexandra Vecic, 12. Kimberley Zimmermann, 13. Kamilla Bartone, 14. Anna Gabric, 15. Brenda Fruhvirtova, 16. Antonia Blattner, 17. Valentina Steiner, 18. Emily Meyer.

Trainer: Daniel Krajnovic und Jasmin Wöhr (beide seit 2013).

Saisonziel: Klassenverbleib (Platzierung in der zuletzt gespielten Saison: 5.).

Meisterschaftstipp: TC Bredeney.

Spiele des TEC Waldau: Luitpoldpark München (A, 30. Mai), Marienburger SC (H, 3. Juli), TC Bredeney (H, 10. Juli), TC Bad Vilbel (A, 17. Juli), TK Blau-Weiß Aachen (H, 24. Juli), TC Blau-Weiß Dresden Blasewitz (A, 31. Juli). Am 6. Juni spielfrei.

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