Tennis Das Privatleben zieht Zverev in den Sumpf

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Der Tennisspieler Alexander Zverev hat in diesem Jahr teils gute Ergebnisse erzielt – doch negative Schlagzeilen warfen ihn wieder um.

  Foto: imago//Han Yan
  Foto: imago//Han Yan

Stuttgart - Das Jahr 2020 ist verrückt. Vor allem für Alexander Zverev. Sportlich geht es für ihn rauf und runter. Er hat als Halbfinalist der Australian Open und als Finalteilnehmer bei den US Open ganz oben angeklopft. Und er ist immer mal wieder unsanft auf dem Hosenboden gelandet wie jetzt bei der 3:6, 4:6-Auftaktniederlage gegen den Russen Daniil Medwedew bei den ATP Finals in London. Wenn er an diesem Mittwoch auch noch gegen den Argentinier Diego Schwartzmann verliert, ist der prestigeträchtige Jahresabschluss für ihn so gut wie gelaufen. „Mein Aufschlag war heute nicht so da. Seit dem Re-Start war das eines meiner schlechtesten Matches“, konstatierte Zverev nach seiner vergeigten Auftaktvorstellung in London.

Es ist aber in erster Linie auch eines der schlechtesten Jahre des Hamburger Tennisspielers russischer Herkunft. Zverev war aufgrund seiner emotionalen Ausbrüche und überheblich anmutenden Art noch nie das, was man als einen Sympathieträger erster Güte bezeichnen könnte. Schwamm drüber – mit 23 Jahren fallen etwas unbeherrschte Verhaltensweisen noch unter die Kategorie jugendlicher Leichtsinn. Irgendwann werde die Erfahrung den Rohdiamanten schon schleifen, zur Vernunft bringen, durch diese Schule mussten viele gehen. Doch dann nahmen die zweifelhaften Nachrichten rund um Alexander Zverev in dieser ohnehin schon schwierigen Corona-Saison kein Ende. Auf dem Platz attestierten ihm Experten wie Tommy Haas eine erkennbar zunehmende Reife. Neben dem Spielfeld sah es anders aus.

Es begann mit den Partys

Es fing an mit den Partys, die Zverev und andere Tennisspieler auf der Adria-Tour feierten – während sich Europa überwiegend an die Corona-Maßnahmen hielt. Die fatalen Verstöße gegen die Hygieneempfehlungen gaben Zeugnis ab von einer Unreife, durch die nicht nur Zverev, sondern auch der 33 Jahre alte Weltranglisten-Erste Novak Djokovic in Ungnade fielen. Es tauchte ein Partyvideo auf – obwohl sich Zverev in Quarantäne begeben wollte. Als später bei einer Pressekonferenz eine unbequeme Frage an den Deutschen gestellt wurde, da stand er auf und verließ trotzig den Raum. Danach half nur noch eines: die Vorwärtsverteidigung mithilfe einer Entschuldigung. Dazu riet ihm wohl der Kommunikationsberater Béla Anda, der sich vor Jahren einen Namen als Regierungssprecher gemacht hat und den Zverev ins Boot holte, um das in Schieflage geratene Bild von sich wieder zurechtzurücken.

Kaum waren diese negativen Schlagzeilen einigermaßen überstanden, da meldete sich seine Ex-Freundin Olga Scharypowa zu Wort. Sie hatte berichtet, von ihrem ehemaligen Freund „geschlagen“ worden zu sein, und bezeichnete sich als „Opfer häuslicher Gewalt“. Noch nie warf etwas dunklere Schatten auf den hochgewachsenen Tennisspieler. Zverev wehrte sich sofort gegen die Vorwürfe. Er sei nicht so erzogen worden, sagte er zu seiner Verteidigung. Jüngst in London wies er die Anschuldigungen erneut vehement zurück. „Die Sachen, die sie sagt, sind einfach nicht wahr“, erklärte der Weltranglisten-Siebte und verurteilte die Angelegenheit, die ihm das Leben schwer machte. „Das ist kein gutes Gefühl, das ist nicht schön für den Sport, das ist nicht schön für mich, das ist nicht schön für meine Fans und nicht schön für meine Familie.“

Kein Motivationsproblem

Die Konfrontation mit diesen Anschuldigungen – sollte an ihnen etwas dran sein, wäre das abscheulich – würden Zverevs Form in London beeinflussen, befürchteten die Experten. Der Tennisprofi verneinte es so gut es ging, sprach davon, dass die ATP Finals ein ganz besonderes Turnier seien – demnach gebe es auch kein Motivationsproblem. Die Partie gegen Medwedew ließ jedoch andere Schlüsse zu. Die Vorwürfe von Olga Scharypowa waren offenbar mehr als ein Wirkungstreffer – denn sie haben Alexander Zverev nahezu umgehauen.

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