Verlegung der French Open im Tennis Stuttgarter Turnierchef Edwin Weindorfer ist sauer auf Paris
Die French Open sollen verschoben werden – in den Zeitraum des Mercedes-Cups in Stuttgart. Dort ist deshalb die Stimmung im Keller.
Die French Open sollen verschoben werden – in den Zeitraum des Mercedes-Cups in Stuttgart. Dort ist deshalb die Stimmung im Keller.
Stuttgart - Wenn Paris hustet, bekommt Stuttgart Schnupfen. So ähnlich fühlte sich die Gemütslage am Donnerstag in der Tenniswelt an. Als die Veranstalter der French Open wie aus dem Nichts verkündeten, ihr Turnier um eine Woche nach hinten zu verschieben, da fielen in den Reihen des Stuttgarter Veranstalters vermutlich einigen Protagonisten die Kaffeetassen aus der Hand. Das Grand-Slam-Turnier soll nach Angaben der Pariser Organisatoren nun von 30. Mai bis 13. Juni stattfinden. Trotz der dadurch entstehenden Überschneidung will der Mercedes-Cup unbedingt an seinem Termin vom 7. bis 13. Juni festhalten.
Der Stuttgarter Turnierdirektor Edwin Weindorfer ist normalerweise ein besonnener Zeitgenosse – doch die Nachrichten aus der französischen Metropole wühlten den Österreicher auf. „Es hat uns sehr überrascht, das Roland Garros hier wiederum einen Weg gewählt hat, ohne sich mit anderen Turnieren abzustimmen und ohne sich an gewisse Richtlinien zu halten“, sagte Weindorfer unserer Zeitung, der zudem kritisiert, dass sich die Pariser ihr Vorhaben von der ATP offenbar nicht absegnen ließen.
Das Problem ist: Stuttgart wird namhafte Spieler verlieren, wenn Paris in diesen Zeitraum drängt. 16 Spieler werden in Paris so weit kommen, dass sie in Stuttgart nicht mehr spielen können – das wäre bitter für das traditionsreiche Turnier auf dem Weissenhof. Und es könnte dazu führen, dass der deutsche Superstar Alexander Zverev nicht in seiner Heimat startet.
An diesem Freitag erst gibt es ein ATP-Meeting, in dem die Organisation mit den Veranstaltern gemeinsam Lösungen erarbeiten will, die den Turnierkalender in diesem schwierigen Pandemiejahr für alle zufriedenstellend möglich machen sollen. Durch die Paris-Verschiebung, so Weindorfer, entstünde ja auch schon vor dem Turnier in Roland Garros ein Vakuum, das andere Veranstaltungen betreffe – nicht nur Stuttgart.
„Die Franzosen haben schon letztes Jahr im Hinblick auf die Tennis-Family nicht sehr kameradschaftlich und im eigenen Interesse agiert“, kritisiert der Stuttgarter Turnierchef seine Kollegen aus Frankreich, „deshalb bin ich jetzt sehr enttäuscht gewesen, dass sie da vorpreschen.“ Bereits 2020 hatten die Franzosen mit der Verlegung ihres Turniers in den Herbst einen Alleingang hingelegt – ohne Rücksicht auf andere Veranstaltungen. Nun blieb den Stuttgartern am Donnerstag gar nichts anderes übrig, als die eigene Position deutlich zu machen. „Wir werden alles daransetzen, dass der Mercedes-Cup 2021 in der traditionellen Woche als Eröffnung der Rasensaison stattfinden kann – und davon lassen wir uns auch durch die Versetzung eines Grand-Slam-Turniers nicht beirren“, sagt Weindorfer. Für ihn wäre es schlimm, wenn der Mercedes-Cup ein zweites Mal nacheinander abgesagt werden müsste. Man sei bereit und würde 2021 auf jeden Fall spielen lassen. Egal ob vor 2000, 1000 oder 500 Zuschauern.
Immerhin besteht die Hoffnung, dass sich die Wünsche der Pariser nicht erfüllen. „Es gibt die wirklich große Chance, dass das, was Paris heute sagt, in drei Wochen keine Gültigkeit mehr hat – so etwas hat es schon gegeben“, sagt Edwin Weindorfer, für den in dieser Sache noch lange nicht aller Tage Abend ist. Denn möglich ist immer noch, dass Paris sein Turnier wegen der Pandemielage im Mai oder Juni gar nicht stattfinden lassen kann. So könnten die unsicheren Zeiten für die Stuttgarter Veranstalter auch ihr Gutes haben.