Tennis in Prag Am Fedcup scheiden sich die Geister

Bunt und schillern – so sieht die Tennishalle in Prag aus. Foto: imago images/CTK Photo/Michal Kamaryt via www.imago-images.de

Der Wettbewerb heißt jetzt Billie-Jean-King-Cup und präsentiert sich bei seiner Premiere in Prag total runderneuert. Ob jetzt alles besser ist?

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - Prag? Da war doch was. Im Jahr 2014 verlor das deutsche Fedcup-Team um Angelique Kerber und Andrea Petkovic das Finale der inoffiziellen Tennisweltmeisterschaften gegen den Gastgeber Tschechien. Ein klassisches Endspiel war das, sozusagen als Höhepunkt des größten Teamwettbewerbs im Tennis. Nun trifft man sich wieder in Prag – aber alles ist anders.

 

Zwölf Mannschaften spielen dieser Tage in der tschechischen Hauptstadt um den Billie-Jean-King-Cup, der früher Fedcup hieß. Die Namensänderung zu Ehren einer der größten Tennisspielerinnen dieses Planeten ist im Prinzip nur eine lausige Fußnote wert – im Gegensatz zum Modus, der erstmals in diesem Jahr komplett umgekrempelt wurde. Statt zwei Teams tummeln sich derzeit in Prag zwölf Nationen, die in vier Dreiergruppen gegeneinander antreten. Die vier Gruppenersten sind fürs Halbfinale qualifiziert. Am Sonntag findet in Prag dann das große Finale statt.

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Der Internationale Tennisverband (ITF) wollte mal etwas anders machen, den Fedcup umgestalten und revolutionieren. Natürlich spielt bei solch gravierenden Veränderungen der Blick auf die Finanzen immer eine entscheidende Rolle. Beim Finale 2014 mussten in Prag nur das deutsche und das tschechische Team beherbergt werden, in dieser Woche sind es zwölf Mannschaften, die mit Trainern und Betreuern die Goldene Stadt bereichern. Sie beziehen Hotels und unternehmen sicher auch Shoppingtouren durch die bezaubernde Metropole an der Moldau.

Die Ausrichterstadt verdient daran – und als Vermarkter einer so viel größeren Veranstaltung auch die ITF. Es gibt Spielerinnen, denen das neue Format durchaus gefällt: Gruppenphase, Halbfinale, Finale, alles innerhalb einer Woche, alles an einem Ort. „Ich will erst einmal abwarten, wie sich das hier entwickelt, bevor ich ein Urteil fälle“, sagt dazu Angelique Kerber. Ihre Teamkollegin Anna-Lena Friedsam will immerhin „ein Flair wie bei einer Fußball-WM“ verspürt haben, weil der Wettbewerb sich nicht mehr über Monate hinziehe. Andere Spielerinnen wiederum bedauern es, dass sie im neuen Billie-Jean-King-Cup möglicherweise gar nicht mehr in ihrer Heimat antreten dürfen. Das war für viele Sportlerinnen ja so reizvoll am alten Fedcup-Format. „Für mich war es immer eine große Freude und Ehre, zu Hause zu spielen und sich eine Woche lang auf die Matches am Wochenende vorzubereiten“, sagt Angelique Kerber und blickt mit Wehmut zurück.

Fragwürdiger Modus

Sportlich ist der Modus fragwürdig. So kann es sein, dass man in eine Hammergruppe gelost wird und damit keine Chance auf eine Halbfinalteilnahme besitzt. Und jetzt in Prag zeigt sich, dass einige Teams gar nicht ihre besten Spielerinnen schicken konnten. Der Termin kollidiert mit dem WTA-Finale, das nur wenige Tage später im mexikanischen Guadalajara stattfindet. Dort sind für die Topspielerinnen enorme Preisgelder zu holen. Deshalb haben etwa die Weißrussin Aryna Sabalenka und die Spanierin Garbiñe Muguruza auf Prag verzichtet. In Bestbesetzung sind dagegen die Amerikanerinnen am Start, weil sich zurzeit keine von ihnen unter den Top Ten der Welt befindet.

Was in Prag noch schiefläuft, ist der dicht gedrängte Zeitplan. Bei zwölf Mannschaften, die auf nur zwei Hallenplätzen spielen, ist das Programm ziemlich straff. Die ersten Partien starten um 10.30 Uhr. Bei zwei Einzeln und einem Doppel schaffen die Teams es gerade noch so, bis 17 Uhr fertig zu sein, dann nämlich beginnt die zweite Runde des Tages. So kommt es vor, dass bis spät in die Nacht gespielt wird und das deutsche Publikum erst weit nach Mitternacht zu hören bekommt, was der deutsche Trainer Rainer Schüttler nach dem letzten Doppel seiner Mannschaft als Resümee zu erzählen hat. Zuschauerfreundlich ist das nicht. Von den späten Terminen profitiert dagegen das amerikanische Publikum, das der ITF ohnehin näher zu liegen scheint als der Tennisfan in Garmisch.

Hat es funktioniert?

Der Billie-Jean-King-Cup hat bei seiner ersten Ausgabe mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Das Rad zurückzudrehen und zum alten Fedcup-Modus zurückzukehren, es würde nur offenbaren, dass etwas falsch gemacht wurde.

Bereits nach dem Finale will die ITF darüber beraten, ob das Format funktioniert hat und was verbessert werden könnte. Vermutlich geht auch diese Sitzung bis tief in die Nacht.

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