Tennis in Stuttgart Alexander Zverev: Cool in der Hitze

Entspannt ins Halbfinale: Alexander Zverev in Stuttgart. Foto: imago/Sven Simon

Der deutsche Tennisstar zieht auf dem brütend heißen Weissenhof ins Halbfinale ein – und trifft dort mit Ben Shelton auf den nächsten US-Amerikaner.

Sport: Marco Seliger (sem)

Alexander Zverev sprach nach seinem Halbfinaleinzug das aus, was angesichts der drückenden 34 Grad bei wolkenlosem Himmel auf dem Weissenhof am Freitag keine Selbstverständlichkeit gewesen ist: „Ich bin glücklich, dass die Fans das hier so genießen.“ In den Genussmodus konnten, klar, auf den Rängen jene Fans am besten schalten, die einen der Schattenplätze auf den Tribünen ergattert hatten.

 

Auf der Sonnenseite des Killesbergs aber? Ging es nicht ohne Mütze, Creme satt und reichlich Trinken. Die Sprecher auf dem Stuttgarter Center Court forderten das Publikum immer wieder dazu auf, doch bitte auf den Flüssigkeitshaushalt zu achten. Überall auf dem Gelände sind auch an diesem Samstag beim Halbfinale wieder Wasserspender aufgestellt. Vor den Toiletten steht auf den Bistrotischen überall Sonnencreme bereit.

Und den besonders Wichtigen, also den VIPs, wurden auf ihrer Tribüne bisweilen der Turniersonnenhut und ein feuchtes, mit kaltem Wasser getränktes Handtuch für den brutzelnden Nacken gereicht.

Auf dem Rasen wiederum gab es kein Entrinnen – auch nicht für die Ballkinder, deren Schichten bei den Spielen aber hitzebedingt immerhin auf jeweils 40 Minuten verkürzt wurden, ehe die nächste Gruppe an der Reihe war. Und Zverev? Der blieb, nun ja, cool, und zog mit einem ungefährdeten 7:5, 6:4 gegen Brandon Nakashima (USA) ins Halbfinale ein, in dem er an diesem Samstag (Beginn nicht vor 14 Uhr) auf den an Nummer drei gesetzten US-Amerikaner Ben Shelton trifft. „Ich fühle mich wunderbar“, sagte der Weltranglistendritte nach seinem Erfolg am Freitagnachmittag: „Und ich freue mich auf die nächsten zwei Tage.“ Die nächsten zwei wohlgemerkt – also nicht nur auf den Samstag als Halbfinaltag (bei dem es ähnlich heiß wie am Freitag werden soll). Sondern auch auf den Sonntag: den Tag des Endspiels.

Klar ist: Zverev wird sich von nun an vorrangig auf seine Matches konzentrieren und nicht mehr auf das Trainingspensum. Noch am Donnerstag hatte der Hamburger ja rund um sein Achtelfinale hart trainiert. Davor und danach schuftete der Topgesetzte des Turniers, als gäbe es kein Morgen. Jetzt sagt er vor dem Halbfinale dies über sein Pensum: „Ich mache ja normalerweise immer zu viel – aber jetzt liegt mein Fokus hier in Stuttgart darauf, das Beste auf dem Platz zu machen, das ich kann.“

Und dann, ja dann machte der 28-jährige deutsche Tennisstar dem Stuttgarter Publikum noch auf dem Platz übers Stadionmikro Hoffnung, dass er in diesem Jahr nicht zum letzten Mal bei den Boss Open angetreten sein wird: „Ich werde hoffentlich nicht das letzte Mal in Stuttgart sein.“

Zur Erinnerung: Zuletzt war Zverev im Jahr 2019 auf dem Weissenhof angetreten, in den Jahren danach sagte er einige seiner vorab zugesagten Teilnahmen öfters mal noch ab. Turnierdirektor Edwin Weindorfer sagte unserer Redaktion nach dem Zverev-Spiel am Freitagabend, „dass die Verhandlungen mit Sascha gerade laufen – es geht wie bisher auch um einen Dreijahresvertrag. “ Also für die Ausgaben des Jahres 2026, 2027 und 2028. „Jetzt warten wir aber erst einmal ab“, sagte Weindorfer, „wie es jetzt weiterläuft im Turnier.“

In dem will Zverev im Halbfinale an seine Leistung aus dem Viertelfinale gegen Nakashima anknüpfen: „Alles war besser als bei meinem ersten Spiel hier am Donnerstag – ich habe besser von der Grundlinie gespielt, besser returniert und besser aufgeschlagen.“

Das Thema Becker und kein Ende

Aufgeschlagen – das war die Tennislegende Boris Becker in dieser Woche auf dem Weissenhof. Zverev hatte Beckers Kritik nach dem Aus bei den French Open bei seiner Ankunft in Stuttgart ja eindrücklich gekontert, aber auch betont dass er jederzeit zu einem Gespräch bereit sei. Die Legende weilte am Dienstag auf der Anlage. Einen Austausch hat es aber nicht gegeben – zur Verwunderung Zverevs, wie er es am Freitagabend nochmals betonte: „Normalerweise schreibt Boris mir immer, wenn er an einem Ort ist, an dem ich auch bin – jetzt war es das erste Mal, dass er mir nicht geschrieben hat. Ich habe aber jetzt keine Riesengefühle dazu.“

In der flirrenden Hitze von Stuttgart herrscht also weiter Eiszeit zwischen Becker und Zverev – Erwärmendes dagegen hatte es am Freitag wieder einmal vom 17-jährigen Justin Engel gegeben.

Der Nürnberger verlor sein Viertelfinale gegen den ehemaligen Weltranglistensechsten Félix Auger-Aliassime (Kanada) mit 6:7 (3:7), 3:6. Nachdem Engel am Vortag erstmals in ein Viertelfinale auf Tourebene eingezogen und zum jüngsten Viertelfinalisten auf Rasen seit Boris Becker 1985 in Wimbledon avanciert war, war nun Endstation. Engel aber zeigte auch gegen den Kandier sein enormes Potenzial – und sagte hinterher wenig überraschend: „Es war eine tolle Woche für mich in Stuttgart.“ Im Halbfinale trifft Auger-Aliassime an diesem Samstag um 12 Uhr auf Taylor Fritz (USA).

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