Tennis Jugend Cup Turnierdirektor Rohsmann: „Wir wollen Profi-Atmosphäre!“

Gelungene Veranstaltung: Turnierdirektor Peter Rohsmann gratuliert Julia Stusek, die das U-18-Einzelfinale am Samstag gewonnen hat. Foto: Andreas Gorr

Peter Rohsmann ist froh, dass der Tennis-Jugend-Cup im TC Weissach-Flacht einen neuen Partner gefunden hat. Der Ausstieg seines Heimatclubs TSC Renningen ist abgehakt.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Der Jugend Cup ist mit hervorragenden Partien in den Finals von U 14 und U 18 am Samstag in Rutesheim zu Ende gegangen. Turnierdirektor Peter Rohsmann sieht die Veranstaltung zukunftsfähig aufgestellt, allerdings bereiten ihm Verbandsvorgaben bei den Teilnehmern Sorgen.

 

Herr Rohsmann, ein großartiger Turnierabschluss mit Sonne und vielen Fans bei den Finalspielen am Samstag.

Ja, ich kann mich nicht beklagen. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es hat zwar zu Turnierbeginn immer wieder geregnet – aber nicht so, dass wir Spiele verlegen mussten.

Erstmals wurde auf der Anlage des TC Weissach-Flacht gespielt.

Wir wussten im September, dass sich der TSC Renningen zurückzieht, so hatten wir Luft, eine Alternative zu finden. Aber wir müssen auch schon im September die Meldung bei den internationalen Verbänden abgeben, in welcher Form wir das Turnier veranstalten – wenn wir zu Rutesheim keine zweite Anlage gefunden hätten, hätte dies zur Folge gehabt, dass wir eine Konkurrenz gestrichen hätten. Mit dem TC Weissach-Flacht haben wir eine wunderschöne Anlage und ein engagiertes Team gewonnen. Ich habe bereits die Rückmeldung erhalten, dass sie im nächsten Jahr wieder gerne dabei wären.

Die Hände zum Himmel: Bei der männlichen U 18 jubelte der Italiener Matteo Gribaldo nach seinem Finalsieg. Foto: Andreas Gorr

Wie haben der Jugend Cup und der TC Weissach-Flacht zusammen gefunden?

Im Endeffekt gab es nur zwei Vereine in unmittelbarer Umgebung, die infrage kamen: der TC Leonberg und der TC Weissach-Flacht. Wir haben uns mit beiden Clubs unterhalten und erklärt, was wir erwarten. Dabei haben wir auch die finanziellen Rahmenbedingungen ausgelotet. Da hat sich schnell herauskristallisiert, dass es der TC Weissach-Flacht werden würde.

Kann ein Verein etwas verdienen, wenn er beim Jugend Cup mit im Boot sitzt?

Sagen wir es so: Das Ziel sollte sein, dass ein Verein mit dem Jugend Cup schwarze Zahlen schreibt. Wenn sich ein Verein Zusatzeinnahmen verschaffen kann, womit er seine eigenen Vereinsziele fördern kann, ist das eine Punktlandung. Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz, der erbracht werden muss, sich am Ende lohnt. Man kann das Turnier betrachten wie ein Vereinsfest, sei es eine Saisoneröffnung oder ein Sommerfest, an dem für die Mitglieder Arbeitsstunden anfallen und womit Einnahmen generiert werden.

Es ist doch auch gute Werbung für den Verein, im Jugend Cup involviert zu sein.

Das würde ich schon behaupten. Es ist nicht selbstverständlich, ein Event anzubieten mit einer Beteiligung von 37 Nationen sowie Sport auf einem derart hohen Niveau. Wir haben bei der U 18 Spieler dabei, die könnten gut in der Qualifikation des Weissenhof-Turniers für Profis in Stuttgart antreten. Das hatte wir in der Vergangenheit, außerdem wurden schon U-18-Spieler als Sparringspartner für Profis des Weissenhof-Turniers angefragt. Für Vereinsmitglieder und für Sport-interessierte Menschen der Umgebung ist der Jugend Cup eine tolle Gelegenheit, Spitzen-Tennis zu erleben.

Nach vergessener Meldung musste der Franzose Loris Da Silva durch die Qualifikation und holte sich schließlich bei der U 14 den Titel. Foto: Andreas Gorr

Beim TSC Renningen wollte man das nicht mehr, deshalb ist er ausgestiegen.

Anscheinend. Der neue Vorstand hat es so dargestellt, dass der Verein die notwendigen personellen Ressourcen nicht zur Verfügung stellen könne und dass letztendlich für den Verein nicht mehr genügend Ertrag übrig bliebe. Damit war das Thema erledigt, es macht dann keinen Sinn mehr, vorzurechnen, dass etwas hängen bleibt. Schon im vergangenen Jahr, als wir noch in Renningen gespielt haben, habe ich festgestellt, dass vonseiten des Vorstandes wenig Unterstützung vorhanden war – da war das Interesse für ein Sommerfest größer als für die Veranstaltung des Turniers. Da hat sich diese Entwicklung bereits abgezeichnet.

Ist das Tuch zum TSC ganz zerschnitten?

Es ist ja legitim, wenn eine neue Vorstandschaft neue Vorstellungen besitzt, die mehr in Richtung Breitensport und Geselligkeit gehen und nicht hin zu Spitzensport und Jugendsportförderung. Das kann man so vertreten, allerdings war ich nicht glücklich über die Form der Kommunikation. Es ist aber nicht so, dass der Verein für mich ein rotes Tuch darstellt. Ein Verein besteht ja nicht nur aus der Vorstandschaft.

Bei den Mächen U 14 setzte sich Aiym Kanagatova in einem rein kasachischen Finale durch. Foto: Andreas Gorr

Das Turnier ist gewachsen, wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Sie sprachen im Vorfeld von einem hochkarätigem J-300-Turnier.

Jedem Land werden Turniere von bestimmter Wertigkeit zugeteilt, in Deutschland gibt es ein J-500-, ein J-300- und zwei J-200-Turniere. Ob das J-300 nur einmal existieren muss, könnte man diskutieren. Zunächst ist von internationaler Seite aber nicht geplant, ein zweites J-300 in Deutschland auszutragen – also müssten wir warten, ob das Turnier, das in Bamberg gespielt wird, frei wird.

Würde sich mit dem J-300-Turnier etwas verändern in der Organisation?

Nein. Wir bezahlen die Hospitality, die würde bei einem J-300 nicht anders aussehen. Verändern würde sich erst etwas, wenn wir die Teilnehmerzahlen erhöhen, weil wir mehr Spielerinnen und Spieler unterbringen müssten. Man darf nie vergessen: Wir wollen eine Atmosphäre schaffen wie sie im Profi-Tennis besteht – wir haben einen Shuttle-Service, eine Gastronomie, Hotel-Unterbringung und einen ungewöhnlich hohen Zuschauer-Zuspruch. Sonst sind meist nur Vereinsmitglieder anwesend, zum Jugend Cup kommen aber Menschen aus dem Umland. An diesem Punkt ist nichts zu toppen. Vielleicht noch eine elektronische Anzeigetafel oder einen Live-Stream ... Wir sind bei der Organisation bei 95 Prozent – die letzten fünf Prozent, die fallen unter die Rubrik: Wäre nett zu haben.

Turnierdirektor aus Leidenschaft zum Tennis: Peter Rohsmann beim Interview. Foto: Andreas Gorr

Sie sind von den Teilnehmern abhängig – die können Sie nicht buchen.

Die Zahlen könnten höher sein in der Qualifikation. Aber da haben die Verbände nicht unbedingt etwas für die Turnierlandschaft getan. Nach einer Neuordnung gibt es in der Quali keine Ranglistenpunkte mehr. Ein zweiter Grund sind die Erhöhung der Teilnahmegebühren durch die Verbände. Da habe ich das Feedback bekommen, dass manche Spieler dreimal überlegen, bei welchem Turnier sie melden. Darüber sind wir nicht ganz glücklich.

Aus internationaler Sicht können sich die Zahlen aber wirklich sehen lassen.

Wir hatten schon immer Spieler aus 35 bis 40 Ländern, aus Europa, Ägypten, Tansania und dieses Jahr Botswana sowie China, Australien und Neuseeland. Deshalb wurde der Jugend Cup 2023 als bestes Jugend-Turnier Deutschlands ausgezeichnet. Wir haben einen festen Platz in der Turnierlandschaft.

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