Wer kennt ihn nicht, den Fünf-Minuten-Meister im Fußball? Der FC Schalke war 2001 für 4:38 Minuten Titelträger, dann schoss der FC Bayern in Hamburg noch ein Tor gegen den Hamburger SV – und stürzte die Knappen vom Thorn. Dort wähnte sich auch Felipe Massa in der Formel-1-Saison 2008, doch Lewis Hamilton überholte ein paar 100 Meter vor dem Ziel noch einen Konkurrenten – und nach 39 Sekunden war aus dem Champion Massa doch noch der Vize-Weltmeister geworden.
Was das mit dem TC Leonberg zu tun hat? Ziemlich viel, abgesehen davon, dass es nicht um Titel und Meisterschaften auf höchster Sportebene ging, sondern lediglich gegen den Abstieg aus der Tennis-Oberliga. „So knapp habe ich das noch nie erlebt“, sagte TC-Trainer Yannick Offermans nach dem 2:7 beim TC Weissenhof.
Fast schon gespenstisch war die Szenerie, als nach dem letzten Ballwechsel auf dem Stuttgarter Killesberg beide Mannschaften jubelten, die Männer vom Weissenhof laut und euphorisch, die Leonberger eher still und verhalten. Beide Mannschaften waren überzeugt: Dieses Resultat reicht uns zum Klassenverbleib. „Natürlich wurden wir unsicher, als die Weissenhofer gefeiert haben“, berichtete Offermans.
In der Tabelle lagen die Teams nach dem 7:2 der Stuttgarter sozusagen gleichauf. Beide hatten zwei Saisonspiele gewonnen und vier verloren. Beide hatten ein Matchverhältnis von 26:28. Nur im Satzvergleich lag Leonberg mit 57:61 gefühlt ein My (ein millionstel Meter) besser als der TC Weissenhof (57:63). Was das das Kriterium oder war es der direkte Vergleich? „Ich habe einen befreundeten Oberschiedsrichter angerufen“, erzählte der Leonberger Coach, „der hat mir bestätigt, dass wir vor Weissenhof stehen.“
Lange Unklarheit über den Absteiger
Nach und nach dämmerte es auch bei den Spielers des TC Weissenhof, gut eine Stunde nach dem finalen Ballwechsel herrschte bei allen Beteiligten Klarheit: der TC Leonberg bleibt in der Oberliga. „Es hätte nicht ganz so dramatisch kommen müssen“, sagte Offermans. Matchwinner waren David Romahn und und Igor Kolaric, die beide ihre Einzel gewannen – und woraus die Leonberger errechneten: Ein gewonnenen Satz in den Doppeln reicht zum Klassenverbleib. Antonio Cayetano March Baquerizo und Sebastian Loss holten diesen Satz gegen Jannik Maute/Gabor Nemeth beim 2:6, 6:3, 6:10. „Wir dachten“, sagte Offermans, „damit sei alles klar. Doch wir mussten doch noch eine weile zittern.“
Offermans gibt erneut verletzt auf
Der 32 Jahre alte Trainer selbst steuerte keinen Punkt zum Klassenverbleib bei – wie schon in der Vorwoche gegen den TC Ravensburg musste er sein Einzel wegen starker Rückenprobleme abbrechen. Im Doppel trat Offermans an der Seite von Nicolas Santiago an, um dazu beizutragen, diesen einen Satzpunkt zu gewinnen. Das Duo unterlag jedoch 4:6, 1:6. „Jetzt muss ich erstmal Pause machen und mich auskurieren“, sagte Yannick Offermans. Immerhin tut es das mit dem guten Gefühl, nicht abgestiegen zu sein.
Bei den Herren 2 des TC Leonberg dagegen herrschte Frust. Im Aufstiegsduell gegen den TC Rutesheim unterlagen sie mit 4:5 – damit startet der Nachbar in der nächsten Saison in der Bezirksoberliga.