Tennis: Senioren-WM Stuttgart/Filder-Trio feiert fünf Weltmeistertitel

Vor allem für Steffi Bachofer lief es. Ihre Bilanz: dreimal Gold. Foto: Archiv Günter Bergmann

Steffi Bachofer, Susi Fortun und Michael Berrer räumen in der Türkei Medaillen ab. Dabei hatten zwei von ihnen das Turnier gar nicht auf dem Zettel gehabt – und in einem Fall ist es nach Verletzungspech und Schicksalsschlägen ein furioses Comeback.

Nicht weniger als sieben Medaillen, darunter gleich fünf goldene – das ist die eindrucksvolle Ausbeute. Damit ist das Stuttgart/Filder-Tennistrio Steffi Bachofer, Susi Fortun und Michael Berrer von den Senioren-Weltmeisterschaften aus Manavgat in der Türkei heimgekehrt. Dabei hätten die jeweiligen Voraussetzungen und Erwartungshaltungen kaum unterschiedlicher sein können.

 

Bachofers großer Ehrgeiz

Steffi Bachofer. Für die 38-jährige vom TC Bernhausen wird es langsam schwierig, noch den Überblick über alle Titel und Medaillen zu behalten, die sie bei Senioren-Weltmeisterschaften gewonnen hat. Seit der Premiere 2019 in Miami waren es bereits vor dem jetzigen Türkei-Trip insgesamt achtmal Gold und dreimal Silber gewesen – nun kamen drei weitere erste Plätze hinzu. In der Klasse „Damen 35+“ siegte Bachofer erneut im Einzel, Doppel und Mixed. „Wenn ich antrete, dann will ich auch so viel wie möglich gewinnen. Diesen Ehrgeiz habe ich immer noch“, sagt die Filderstädterin. Lediglich im Teamwettkampf ging sie diesmal leer aus. Als Kapitänin reichte es für Bachofer mit der deutschen Mannschaft nur zu Rang vier.

Das war allerdings keine Überraschung, schließlich boten Italien und die Slowakei in Alberta Brianti und Kristina Kucova für diese Konkurrenz zwei ehemalige Weltklassespielerinnen auf. Zu ihrem dritten Weltmeistertitel im Einzel kam Bachofer dagegen am Ende kampflos. Ihre Finalgegnerin, die Russin Olga Panova, trat aufgrund einer Rückenverletzung nicht mehr an. In den drei Runden zuvor hatte Bachofer sich ohne Satzverlust durchgesetzt.

„Schade, das Finale hätte ich sehr gerne gespielt“, sagt die Seriensiegerin, die das Turnier als „optimale Vorbereitung auf die Freiluftsaison“ bezeichnet. In jener folgt nun von Mai an mit dem Aufsteiger TC Bernhausen die Bundesliga-Mannschaftsrunde als Höhepunkt. Ob Bachofer 2024 zur WM-Titelverteidigung antreten wird, lässt sie noch offen: „Der Weltverband plant, erneut nach Lissabon zu gehen. Und da war ich ja vergangenes Jahr erst – das ist langweilig“, sagt sie.

Fortuns tolles Comeback

Susi Fortun. Die mehrfache Senioren-Europameisterin aus Sonnenberg hat sich erstmals auch zur Weltmeisterin gekürt. Kurios: In die Turnierwoche startete sie als 49-Jährige – den Einzeltitel sicherte sie sich aber bei den „Damen 50+“. Der Grund: Fortun, die vielen noch besser unter ihrem Mädchennamen Lohrmann bekannt sein dürfte, hatte vor Ort runden Geburtstag. Diesen hatte sie eigentlich zuhause im Kreis von Familie und Freunden feiern wollen, sich dann aber in Folge zweier persönlicher Schicksalsschläge kurzfristig für den Start in Manavgat entschieden. Innerhalb kurzer Zeit waren ihr Vater und ihre Mutter gestorben. Es galt, Abstand zu gewinnen. „Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung. So habe ich ein wenig den Kopf frei bekommen und habe mit meinem Mann und meinem Sohn eine schöne, erfolgreiche Woche verbracht“, sagt die ehemalige Bundesliga-Spielerin des TEC Waldau.

Zugleich bedeutete das Turnier für sie ein Comeback: Exakt ein Jahr zuvor hatte Fortun bei der WM in Lissabon das Endspiel wegen einer Knieblessur aufgeben müssen. Nun, nach erfolgreicher Operation und Reha, war sie erstmals wieder unter Wettkampfbedingungen im Einsatz. „Ich bin da ohne jegliche Vorbereitung und ohne große Erwartungen hingeflogen, aber körperlich hat alles gut gehalten“, sagt Fortun. Im Finale besiegte sie die Slowakin Patricia Rogulski mit 6:1 und 6:1. Hinzu kam Silber im Doppel an der Seite der Hamburgerin Claudia Hoffmann-Timm.

„Ich hatte zuletzt viele Nächte, in denen ich gar nicht geschlafen habe. Jetzt freue ich mich über dieses Ergebnis und auf die neue Saison“, sagt Fortun. Mit dem Aufsteiger TC Leonberg wird die Neu-Weltmeisterin in der zweiten Bundesliga der Frauen antreten.

Berrers Zugabe zu Nadal

Michael Berrer. Der gebürtige Stuttgarter, der in Weilimdorf aufgewachsen ist und in Degerloch lebt, hat in seiner Profikarriere einige Erfolge gefeiert: Er spielte für Deutschland im Daviscup, stand auf Platz 42 der Weltrangliste, schaffte es bei zwei ATP-Turnieren ins Finale – und bezwang 2015 im bereits stolzen Alter von 34 Jahren in Dubai den 22-maligen Grand-Slam-Sieger und ehemaligen Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal. Welchen Wert hat nun also der Titel des Weltmeisters bei den Senioren in der Altersklasse 30+? „Einen sehr hohen. Ich habe viel gewonnen, aber ich war noch nie Weltmeister“, sagt Berrer. In seinem Einzelfinale bezwang der Regionalliga-Akteur des TC Doggenburg den Belgier Clement Maas mit 6:1 und 6:1. Darüber hinaus holte er mit seinem mittlerweile in Bayern lebenden ehemaligen Waldau-Teamkollegen Marc Lohrmann Doppelbronze bei den „Herren 40+“.

Der Kumpel aus gemeinsamen Degerlocher Zeiten war es auch, der Berrer zur Teilnahme überredete. „Dieses Turnier hatte ich gar nicht auf dem Zettel. Aber nachdem ich vor ein paar Wochen in Leimen deutscher Seniorenmeister geworden war, hat mich Marc angestachelt und gefragt, ob ich nicht auch Weltmeister werden möchte“, sagt Berrer. Geklappt hat dies ohne jeden Satzverlust. Schon jetzt ist aber klar, dass es eine Wiederholung so schnell nicht geben wird: „Vielleicht in zehn oder 20 Jahren noch mal, aber fürs Erste reicht es mir, sagen zu können, dass ich Weltmeister bin“, sagt Berrer und lacht. Ein solcher Titel plus ein Sieg gegen den Sandplatz-König Nadal – das können nicht viele Spieler auf der Welt vorweisen.

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