Tennis-Star in der Corona-Krise Die obskuren Theorien des Novak Djokovic

Von red/sid 

Die Langeweile im Corona-Lockdown scheint bei Novak Djokovic groß: Der Weltranglistenerste irritiert im Internet mit obskuren Theorien – und erntet Kritik.

Novak Djokovic sorgt während der Corona-Krise für Irritationen. Foto: imago images/Jürgen Hasenkopf
Novak Djokovic sorgt während der Corona-Krise für Irritationen. Foto: imago images/Jürgen Hasenkopf

Frankfurt/Belgrad - Zum besten Tennisspieler der Gegenwart wurde Novak Djokovic nicht einfach nur, weil er gut Tennis spielt. Nein, strenge Disziplin und innovative Ansätze in allen Lebensbereichen pflasterten seinen Weg an die Spitze, davon ist der Serbe überzeugt. Mit Yoga stärkt er seinen drahtigen Körper, mit Meditation den Geist, und eine strikte Ernährung, meist vegan und immer glutenfrei, bildet die Grundlage. Sogar seinem Pudel Pierre verordnete der Tennisstar einen glutenlosen Speiseplan. So weit, so gut.

Doch der Corona-Lockdown scheint Djokovic nicht gut zu bekommen – jedenfalls irritiert er im Internet mit immer obskureren Theorien, etwa jüngst in einem Instagram-Live-Gespräch mit dem Esoteriker Chervin Jafarieh. „Ich kenne einige Menschen“, erklärt der 17-malige Grand-Slam-Champion dort, „die es durch energetische Umwandlung, durch die Kraft des Gebetes, durch die Kraft der Dankbarkeit schaffen, die giftigste Nahrung oder das am stärksten verschmutzte Wasser in das heilsamste Wasser zu verwandeln.“ 

Fragwürdige geistige Ergüsse bei Instagram

Über 600.000 Menschen haben das Video mit Djokovics fragwürdigen geistigen Ergüssen bereits gesehen. „Wissenschaftler haben bewiesen“, führt der 32-Jährige darin weiter aus, „dass die Moleküle im Wasser auf unsere Emotionen, auf das, was gesagt wurde, reagieren.“

Und sollte das nicht helfen, verweist der selbsternannte Alchemist und Djokovic-Vertraute Jafarieh etwa auf ein Mittelchen, das angeblich das Wachstum neuer Hirnzellen stimulieren soll. Das 60-ml-Fläschchen ist für Schlappe 58 Dollar zu haben. Und immerhin, betont der Guru, schmeckt es ganz hervorragend im Kaffee.

An der Spiritualität des Weltranglistenersten und seinem Hang zur Esoterik ist freilich wenig auszusetzen. Gefährlich wird es aber, und davor warnen Kritiker, wenn Djokovic seine kruden Theorien seinen Tausenden Zusehern als wissenschaftliche Erkenntnisse anpreist. In Zeiten, in denen der US-Präsident öffentlich die Einnahme von Desinfektionsmittel als Corona-Therapie anregt, ist diese Gefahr nicht zu unterschätzen. 

Ex-Spielerin Mary Carillo zeigte sich deshalb entsetzt. „Ich bin wirklich schockiert, dass Djokovic und dieser andere Typ behaupten, man könne giftiges Wasser in Trinkwasser umwandeln“, sagte die US-Amerikanerin dem Tennis Channel: „Solche Behauptungen sind gefährlich.“ US-Tennisexperte Jon Wertheim pflichtete ihr bei. Er glaube, „dass Novak wirklich vorsichtig sein muss“, gerade jetzt, „in Zeiten des Coronavirus, wenn falsche Geschichten und Verschwörungstheorien auftauchen“.

Djokovic spricht sich gegen Impfungen aus

Offenbar kommt Djokovic da aber ganz nach seiner Mutter. Die behauptete zuletzt im Interview mit dem serbischen Onlineportal Blic Sport, dass sie den Ausgang des Wimbledon-Endspiels im vergangenen Jahr zwischen ihrem Sohn und dem „ein bisschen arroganten“ Roger Federer mit der Kraft ihrer Gedanken verändert habe.

„Als Federer zwei Matchbälle hatte, griff ich nach meinem Kreuz vom Fluss Don“, berichtete Dijana Djokovic: „Ich sagte mir: ‚Nole, du kannst das, du hast es zweimal getan, du kannst es auch ein weiteres Mal.’ Er hat es getan. Er wurde von Gott gerettet.“

Eine Rettung von oben vor dem Coronavirus käme ihrem Sohn wohl auch zupass: Schließlich hatte sich dieser schon gegen Impfungen ausgesprochen. Sein großer Rivale, der 19-malige Major-Sieger Rafael Nadal, entgegnete gegenüber der spanischen Zeitung La Voz de Galicia: „Wenn die Tour eine Impfung zum Schutz aller vorschreibt, dann muss Djokovic geimpft werden, wenn er wieder auf höchstem Niveau Tennis spielen will.“ 

Es scheint höchste Zeit, dass Djokovic seine Gedanken wieder darauf richtet, was er am besten kann: Gut Tennis spielen.