Der 37-jährige Tennisprofi war ein Jahr verletzt. Nun hält die Schulter auch bei den Belastungen des Aufschlags – einem Comeback in der nächsten Woche auf dem Stuttgarter Weissenhof steht nichts im Weg.
Stuttgart - Frisch sieht er aus, der Tommy Haas, wie er an diesem Dienstagmittag ganz lässig durch den Haupteingang einer Bankfiliale auf der Stuttgarter Königsstraße spaziert – die Tasche mit den Tennisschlägern hat er entspannt über die rechte Schulter gehängt. Auch jenes Körperteil, dass Haas in den vergangenen zwölf Monaten so viel Kummer bereitet hat, verrichtet also wieder schmerzfrei seinen Dienst.
Seit dem 27. Mai des Vorjahres, es war die erste Runde der French Open 2014, in der Haas gegen Jürgen Zopp aufgeben musste, hat Deutschlands bekanntester aktiver Tennisspieler nun kein offizielles Match mehr bestritten. Bei den Grundschlägen auf dem Court ging es ja schon lange wieder; jetzt aber hält die Schulter auch den Belastungen des Aufschlags stand – und der 37-Jährige meldet sich in Stuttgart auf der Profitour zurück.
„Ich habe mental in der ganzen Zeit nicht aufgegeben, denn ich will noch etwas erreichen“, sagt Haas auf dem Podium in der Schalterhalle der Bank. Denn sein persönlicher Manager Edwin Weindorfer, der auch der Turnierchef auf dem Stuttgarter Weissenhof ist, hat zur Pressekonferenz geladen. Schließlich ist es nicht mehr lange hin, dann wird von Samstag an neun Turniertage lang (6. bis 14. Juni) oben auf dem Killesberg wieder der traditionsreiche Mercedes-Cup ausgespielt.
Erstmals geht es bei dem Tennisevent nicht mehr auf Sand, sondern auf dem auf acht Millimeter getrimmten Rasen in bester Wimbledon-Qualität um ATP-Punkte, um 642 000 Euro Preisgeld und um ein Luxusauto im Wert von 150 000 Euro, das sich der Sieger in seine Garage stellen darf. Von dem Gewinn des 16. Titels in seiner bereits 20 Jahre andauernden Karriere ist Tommy Haas anders als die Nummer eins der Stuttgarter Setzliste, der Spanier Rafael Nadal oder der amtierende US-Open-Champion Marin Cilic derzeit allerdings weit entfernt.
Der Kampf mit Erfolgsdruck und Nervosität
„Training und Match sind natürlich ein gewaltiger Unterschied“, sagt der Altmeister, ein gebürtiger Hamburger, der mit seiner Partnerin Sara Foster sowie der gemeinsamen Tochter Valentina in Los Angeles lebt: „Denn im Wettkampf gilt es, erst mal mit dem Druck und der Nervosität vor dem Publikum umzugehen. Es braucht immer ein wenig, um wieder reinzukommen.“
Trotzdem will Haas, der auf dem Weissenhof am nächsten Dienstag sein Auftaktmatch bestreiten wird, möglichst weit kommen. Denn trotz seines fortgeschrittenen Alters kann der Wahl-Amerikaner sportlich noch immer mithalten. Als ihn die Verletzung zur Pause zwang, war Haas die Nummer 18 der Welt – und stieg damit in den Kreis einiger Tennislegenden wie Rod Laver, Jimmy Connors, Roy Emerson, Arthur Ashe, Ken Rosewall oder André Agassi empor, die mit 36 Jahren noch in den Top 20 platziert waren.
„Als ich wusste, dass ich wieder operiert werden muss, war das natürlich total frustrierend, denn mir war klar, dass es mindestens ein Jahr dauern würde, bis ich wieder ein Tennisspieler bin“, sagt Haas über den Moment des Ausstiegs. Ein Karriereende war für ihn dennoch keine Option – und zwar aus zwei Gründen. Zunächst wollte Haas aufgrund seiner Erfolge im höheren Tennisalter nicht den Körper darüber entscheiden lassen, wann Schluss ist.
Und dann ist da ja noch die Tochter Valentina. „Sie ist jetzt viereinhalb Jahre alt – und nimmt mich nun bewusst als Tennisspieler wahr“, erzählt Tommy Haas: „Auch das motiviert mich sehr.“