Tennis-Trainer TC Leonberg Yannick Offermans lehnt Chance auf Profi-Karriere ab

Yannick Offermans trainiert die Damen des TC Leonberg und spielt in der Herren-Mannschaft. Foto: Andreas Gorr

Der Trainer des TC Leonberg hätte eine Profi-Karriere starten können, doch als Teenager war Yannick Offermans der Horizont des Filzball-Spektakels zu limitiert.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Yannick Offermans weiß, was er will – und was er nicht will. Das war schon immer so. Eine große, internationale Karriere auf Sand, Rasen oder Hartplatz mit einem Schläger in der Hand; Auftritte bei den Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Wimbledon, Flushing Meadows und Paris, das hört sich für viele Tennis-Talente so verlockend an wie für einen leidenschaftlichen Feinschmecker eine Dauerkarte für sämtliche Drei-Sterne-Restaurants dieser Erde.

 

Doch Yannick Offermans erlag ihm nicht, diesem Reiz von Ruhm, Ehre und Geld. Im jugendlichen Alter von nur 17 Jahren entschied der Leonberger: „Das ist nicht mein Traum. Da muss es noch mehr geben.“ Der 33-Jährige hätte eine Laufbahn einschlagen können, die ihn vielleicht in den Tennis-Olymp geführt hätte oder wenigstens unter die Top-100 der ATP-Weltrangliste.

Yannick Offermans zu Zweitliga-Zeiten des TC Leonberg mit der spanischen Spielerin Claudia Hoste Ferrer. Foto: Andreas Gorr

Mit 15 zählte der Bursche zu den besten Tennis-Teenagern in Deutschland und belegte einen Ranglistenplatz unterhalb der Nummer 50 in Europa. Yannick Offermans besaß beste genetische und finanzielle Startbedingungen; er wurde mit Eltern groß, die ihre große Liebe zur kleinen Filzkugel lebten – wenn Mama und Papa auf den Courts gespielt haben, drosch der kleine Yannick die Bälle an die Ballwand, um seine Vor- und Rückhand zu schulen.

Offermans und seine Entourage

Mit 15 umkreiste eine Entourage aus einem Trainer, einem Physiotherapeuten, einem Fitnesscoach und einem Mentaltrainer den Tennis-Rohdiamanten aus Warmbronn – und der ehemalige Daviscup-Spieler und Tennisbuch-Autor Peter Scholl (2019 verstorben) kümmerte sich um Yannick Offermans als väterlicher Trainer und Mentor. In einem Jugendturnier in Budapest kämpfte sich der junge Deutsche nach langer Verletzungspause als Qualifikant gleich bis ins Finale, wo er knapp unterlag. Und in der Folge stellte Peter Scholl ihm die Frage: „Willst du Profi werden?“ Die überraschende Antwort des Teenagers lautete: „Nein!“

Vielversprechendes Talent: Yannick Offermans 2006 beim Jugend-Cup in Renningen. Foto: Andreas Gorr

Yannick Offermans hatte schon damals gewusst, was auf ihn zurollen würde – ein Leben zwischen Tennis-Courts, Hotelzimmern und Flugplätzen. Eine Reise um die Welt, die jedes Jahr plusminus 40 Wochen Lebenszeit beansprucht und bei der es bis zum Horizont nichts anderes geben würde als einen Tennisschläger, Tennisbälle und Tennismatches. „Mir war damals klar“, erzählt der großgewachsene Mann heute bei einer Tasse Cappuccino in Leonberg, „dass dies nicht der alleinige Inhalt meines Lebens sein könne.“

Offermans hat eine andere Route eingeschlagen, bei der Tennis nur einen Teil einnimmt. Aus ihm wurde ein Personaltrainer, der Menschen darin unterweist, gut zu sein, wenn es drauf ankommt. Zu den Kunden seiner Praxis zählen vor allem Menschen, die in Unternehmen eine gewisse Verantwortung tragen und die sich mental auf das, was auf sie zukommen könnte, so gut wie möglich vorbereiten wollen. „Dieses mentale Training hilft nicht nur im Beruf weiter“, sagt er, „es ist nützlich für alle Lebensbereiche.“

Und an zwei Tagen in der Woche ist er als Tennis-Trainer beim TC Leonberg beschäftigt, wo er sich um die Damen kümmert, die in der Oberliga an diesem Sonntag (10 Uhr) beim TEV R.W. Fellbach aufschlagen. Darüber hinaus greift er auch für die Herren des TC zum Schläger, die am Sonntag (10 Uhr) ein Oberliga-Heimspiel gegen den TC Markwasen Reutlingen bestreiten. „Aber aktuell habe ich Rückenprobleme und kann nicht in einem Match antreten“, sagt Yannick Offermans zerknirscht, „die plagen mich schon lange und ich möchte nichts riskieren.“

Jessica Bouzas Maneiro spielte einst für den TC Leonberg – damals stand die Spanierin zwischen Rang 400 und 500 der Welt. Heute ist sie unter den Top 150. Foto: Imago/GEPA pictures

Der Mann hat seinen Traumberuf gefunden: Personal-Coach und Tennis-Trainer, eine Mischung, die geistiges Wissen und körperliche Aktivität vereint. Yannick Offermans geht darin auf, Zusammenhänge zu erläutern zwischen Psyche und Physis. „Eine selbstbewusste Position“, erklärt er, „führt dazu, dass im Körper das Stresshormon Cortisol um 20 Prozent vermindert wird und Testosteron ausgeschüttet wird.“ Ein Power-Booster. Und Offermans sprudelt weiter: „Wer eine Minute grinst, auch wenn es keinen Grund dafür gibt, produziert Endorphine und verändert so seine Emotion.“

Das Wissen als Personal-Coach lässt sich hervorragend ins Metier des Tennis-Trainers transferieren. Es geht darum, gut zu sein, wenn es darauf ankommt, bei psychischem Druck keine Wackelknie zu bekommen – und das Kopfkino vor dem Aufschlag zum Matchball gegen einen favorisierten Gegner auszuschalten. Kurz: Ganz genau wissen, was das Ziel ist und wie man es erreicht. Yannick Offermans kennt sich dabei aus.

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