Tennisspielerin des TEC Waldau Auf den Spuren von Angelique Kerber
Victoria Pohle hat erneut die deutsche U-18-Hallenmeisterschaft gewonnen. Über neue Ziele im Profibereich und Parallelen zur zweitbesten Spielerin Deutschlands.
Victoria Pohle hat erneut die deutsche U-18-Hallenmeisterschaft gewonnen. Über neue Ziele im Profibereich und Parallelen zur zweitbesten Spielerin Deutschlands.
Größer könnten die Fußstapfen kaum sein. Als erste Spielerin seit Angelique Kerber hat Victoria Pohle die deutschen U-18-Tennis-Hallenmeisterschaften zweimal in Folge gewonnen. Am vergangenen Wochenende setzte sie sich im Finale in Essen mit 7:6 und 7:5 gegen Leticia Solakov (TC Deuten) durch. Damit ist der 18-Jährigen vom Bundesligisten TEC Waldau der perfekte Abschluss ihrer Jugendkarriere gelungen. Startet Pohle nun auch im Profibereich durch? Folgt sie auch dort den Spuren der dreimaligen Grand-Slam-Turniergewinnerin Kerber?
„Ich werde auf jeden Fall hart arbeiten, um vielleicht irgendwann genauso wie ‚Angie’ ganz oben zu stehen“, kündigt Pohle an. Im Gegensatz zum Überraschungstriumph des vergangenen Jahrs war sie heuer als Favoritin angereist – entsprechend hoch waren die eigenen Erwartungen. „Im ersten Match war ich schon mit eineinhalb Füßen draußen“, sagt sie über das Duell mit Fenna Steveker (SV Bayer Wuppertal), das sie erst im dritten Satz gewann. „Mit viel Kampfgeist habe ich mich da rausgerettet.“ Während Pohle sich im Doppelfinale an der Seite von Emily Eigelsbach dem Duo Steveker/Solakov geschlagen geben musste, tütete sie im Einzel schließlich 21 Jahre nach Kerber den ersten Wiederholungstiteltriumph ein. „Da ist die ganze Anspannung abgefallen“, berichtet die Wahl-Degerlocherin.
Nun ruht der ganze Fokus auf der Profikarriere. Bereits in diesem Jahr sammelte die Rechtshänderin erste Weltcuppunkte; aktuell steht sie auf Platz 936 der Weltrangliste. Mit Blick auf das Trainingspensum arbeitet Pohle, die zu den größten deutschen Tennistalenten zählt, ohnehin auf höchstem Niveau. Fünf bis sechs Stunden investiert sie täglich. „Ich bin Vollprofi“, stellt sie fest. Möglich macht es das sogenannte Park-Jahr ihres Berufskollegs in Stuttgart, das sie nach ihrer Mittleren Reife im vergangenen Jahr besuchte. Seit Februar kann sie sich komplett auf den Sport konzentrieren. Wie es künftig weiter geht, ob zurück auf die Schulbank oder voller Fokus aufs Profidasein, will Pohle im kommenden Januar zusammen mit der Familie entscheiden.
Die Erfolge sprechen jedenfalls für sich. Zum aktuellen Hallen-Meistertitel gesellen sich Teilnahmen auf der Profitour, darunter vor allem Starts bei den Junioren-Grand-Slam-Konkurrenzen in Melbourne, Paris und Wimbledon. „Von bisher 48 Wochen in diesem Jahr war ich nur 14 zuhause“, sagt Pohle mit einem schiefen Grinsen. „Zusammen mit der Schule wäre das unmöglich gewesen.“ Wie auch immer die erwähnte Entscheidung ausfallen wird, insgeheim träumt sie freilich von einer Laufbahn auf der großen Tennisbühne. Langfristig hofft sie auf Grand-Slam-Auftritte auch bei den Aktiven und eine Platzierung unter den Top 100, womöglich den Top 50 der Weltrangliste. Gleichzeitig will Pohle sich nicht unter Druck setzen lassen: „Man weiß natürlich nie, wie es dann wirklich läuft. Ich arbeite mit meinem eigenen Tempo und schaue, was am Ende dabei herauskommt.“
Seit Oktober trainiert sie nicht mehr beim TEC Waldau, sondern steht mittlerweile komplett unter den Fittichen von Christina Singer-Bath und Yannick Maden vom Württembergischen Tennis-Bund. „Ohne die beiden wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ihnen verdanke ich auch den Meistertitel“, betont Pohle. Dem Bundesligateam der Degerlocherinnen will sie aber weiterhin treu bleiben. „Ich bin einfach gerne auf der Waldau“, sagt sie lächelnd.
Den Sport bekam sie von ihrer Mutter, einer Tennistrainerin, einst in die Wiege gelegt. Im Alter von drei Jahren hielt sie das erste Mal einen Schläger in der Hand, genauso wie Kerber – eine weitere Parallele zwischen den beiden also. Ob die nach Steffi Graf zweitbeste Tennisspielerin der deutschen Geschichte ein großes Vorbild für Pohle ist? „Ich habe ihr natürlich immer gerne zugesehen“, sagt sie, „aber ich schaue mir von allen Topspielerinnen etwas ab und versuche, mein eigenes Ding zu machen.“