Tennisturnier auf dem Weissenhof Schlägt Roger Federer wieder in Stuttgart auf?

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Die Veranstalter des Mercedes-Cups auf dem Weissenhof bemühen sich intensiv, Roger Federer zum vierten Mal nach Stuttgart zu holen. Doch wissen sie auch schon genau, was zu tun ist, wenn es nicht klappt.

Im Vorjahr hat Roger Federer erstmals das Turnier auf dem Weissenhof gewonnen. Foto: Baumann
Im Vorjahr hat Roger Federer erstmals das Turnier auf dem Weissenhof gewonnen. Foto: Baumann

Stuttgart - Edwin Weindorfer ist ein Mann, der die Gabe besitzt, auch schlechte Nachrichten als Erfolgsmeldungen zu verkaufen. Vergangenes Wochenende zum Beispiel veranstaltete er in Salzburg die Daviscup-Partie zwischen Österreich und Chile. Mit 2:3 unterlag der Gastgeber und verpasste nach einer 2:1-Führung unglücklich den Einzug ins Finalturnier der besten 18 Teams Ende November. „Schade“, sagt Weindorfer – und schiebt fix hinterher: „Aber es war eine super Veranstaltung. Ausverkauftes Haus, Gänsehautstimmung, begeisterte Zuschauer.“

Der Daviscup ist also abgehakt – doch geht die Arbeit für den ehemaligen österreichischen Staatsmeister mit der Tennismannschaft des Grazer AK jetzt erst richtig los. Zwar sind es noch vier Monate bis zum Mercedes-Cup auf dem Stuttgarter Weissenhof (8. bis 16. Juni), den Weindorfer (54) mit seiner Agentur Emotion seit 2006 veranstaltet. Für den Turnierdirektor beginnt nun aber die entscheidende Vorbereitungsphase: die Zusammenstellung des Teilnehmerfeldes, das auch auf dem Killesberg für Gänsehautstimmung sorgen soll.

Im dritten Anlauf gewann Roger Federer im Vorjahr seinen ersten Weissenhof-Titel

Die große Frage lautet: Kommt der Maestro auch dieses Jahr nach Stuttgart? Dreimal hintereinander ist Roger Federer der ganze Stolz des Weissenhofs gewesen. Nach zwei Auftaktpleiten gewann der Schweizer vergangenes Jahr erstmals den Titel. Endlich durfte Weindorfer („Ich habe die ewige Siegerliste immer im Blick“) zu den Namen Björn Borg, Ivan Lendl, Andre Agassi, Michael Stich und Rafael Nadal auch den größten aller Tennisspieler hinzufügen.

Lesen Sie hier, wie Roger Federer 2018 in Stuttgart seinen ersten Mercedes gewann.

Anders als damals, als Federer die komplette Sandplatzsaison strich, um sich auf Wimbledon vorzubereiten, will er in diesem Frühjahr zwischen Hartplatz und Rasen auch wieder auf Asche spielen. Weindorfer hegt trotzdem die Hoffnung, den 36 Jahre alten Superstar ein viertes Mal zum Mercedes-Cup zu lotsen: „Wir werden intensive Gespräche führen.“ Spätestens nach dem letzten Turnier der Hartplatzserie in Miami Ende März soll die Entscheidung fallen.

Bislang hat Alexander Zverev zu viel Geld gefordert

Roger Federer ist der Plan A – Plan B liegt aber auch schon in der Schublade und heißt Alexander Zverev. 2013 und 2014 hatte der Hamburger als weitgehend unbekannter Jungspund Wildcards bekommen – und machte zum Dank anschließend jedes Jahr einen Bogen um Stuttgart. Eine Frage des Geldes. „Ich war der Meinung, dass die Summen, die er aufrief, nicht gerechtfertigt waren“, sagt Weindorfer. Inzwischen ist Zverev ATP-Weltmeister, Nummer drei der Weltrangliste und Deutschlands großer Tennisstar. „Es fehlt nur noch der erste Grand-Slam-Titel“, sagt Weindorfer und wäre diesmal bereit, finanziell in Vorleistung zu gehen – am besten gleich in Form eines Dreijahresvertrags wie einst bei Rafael Nadal. Allerdings nur dann, wenn Federer absagt: „Federer und Zverev können wir uns nicht leisten.“

Vergangenes Jahr blickte die ganze Tennis-Welt eine Woche lang nach Stuttgart

Bei knapp acht Millionen Euro liegt das Gesamtbudget des Mercedes-Cups. Gut ein Viertel ist für Antrittsgelder reserviert – und davon wiederum würde Federer „den größten Teil abgrasen“, wie Weindorfer sagt. Einerseits gut investiertes Geld, wenn wie im Vorjahr die ganze Tenniswelt eine Woche lang nach Stuttgart blickt. Andererseits ein Risiko, wenn das Turnier an einem einzigen Star hängt. Der kalte Angstschweiß stand dem Turnierchef auf der Stirn, als Federer im Auftaktspiel gegen Mischa Zverev den ersten Satz verlor. Ein Absage des Zugpferds böte den Vorteil, dem Turnier mehrere Gesichter zu geben. Das Budget, sagt Weindorfer, könnte reichen, um neben Zverev auch Rafael Nadal oder Andy Murray nach Stuttgart zu holen.

Es sind Zwänge, mit denen sich der Steirer von 2020 an nicht mehr so intensiv beschäftigen will. Der Vertrag mit Mercedes läuft aus, bald beginnen die Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor, der dem Turnier seit 40 Jahren seinen Namen gibt. „Ich denke, beide Seiten sind daran interessiert, die Zusammenarbeit fortzusetzen“, sagt Weindorfer. Sein Wunsch lautet: „Mit mehr Geld das Spielerfeld zu verbessern und die Qualität des Turniers weiter zu steigern.“