Tennisturnier in Stuttgart Warum Hugo Boss Titelsponsor auf dem Weissenhof wurde

Wo früher der Mercedes-Stern hing, präsentiert sich jetzt das Modeunternehmen Hugo Boss als Namensgeber. Foto: Baumann

Das Tennisturnier in Stuttgart hat seinen neuen Titelsponsor präsentiert. Der Metzinger Bekleidungshersteller ersetzt den Ex-Partner Mercedes-Benz. So kam es dazu.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Kurz vor der Vorstellung des neuen Titelsponsors kam es zum Wolkenbruch. Das wurde von den Veranstaltern des ATP-Turniers auf dem Weissenhof aber keineswegs als schlechtes Omen gedeutet. Zahlreiche Regenschirme waren bereitgelegt. Und dass alle trotzdem ordentlich nass wurden auf dem Centre-Court des Stuttgarter Tennisclubs, wurde mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis genommen. Denn zu positiv war die Nachricht, die es zu verkünden galt: Der Herrenausstatter Hugo Boss aus Metzingen ist neuer Titelsponsor des Tennisturniers vom 4. bis 12. Juni, nachdem Mercedes den Vertrag nach 42 Jahren nicht verlängert hatte.

 

Zukunft des Weissenhof-Turniers sah der Vorsitzende nie in Gefahr

Der frühere Mercedes-Cup heißt jetzt also Boss-Open. Ob es für den Turniersieger der am 4. Juni beginnenden Veranstaltung einen modischen Herrenanzug geben wird statt wie bisher ein Luxusauto der Marke Mercedes-Benz, darüber brüten noch die Marketingstrategen, doch ist man sich sicher: Irgendetwas wird ihnen schon einfallen. Auf dem nassen Rasenplatz war an diesem Sauwettertag ja erst einmal die große Erleichterung spürbar, dass überhaupt in so kurzer Zeit ein neuer Sponsor präsentiert werden konnte. Vor allem der Turnierdirektor Edwin Weindorfer befand sich im Glück.

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Mit ihren Regenschirmen standen der Österreicher, der Boss-CEO Daniel Grieder und der Club-Vorsitzende Gert Brandner am Netz des Centre-Courts auf dem Weissenhof. „Wir freuen uns, mit Boss in die Zukunft zu gehen“, sagte Weindorfer und verwies auf die Tradition des Turniers, das schon Kaliber wie Björn Borg, Roger Federer oder Rafael Nadal gewonnen hatten. Aber vor allem bedeutet der neue Partner, dass man überhaupt so zügig einen Mercedes-Ersatz gefunden hat und es mit dem Turnier auf gutem Niveau weitergeht, was die Verantwortlichen zurzeit nicht für selbstverständlich hielten. „Die Zeiten sind nicht einfach mit Corona und dem Ukraine-Krieg“, sagte Weindorfer, um so mehr sei die neue Zusammenarbeit der Beweis dafür, dass der Tennissport – nicht nur auf dem Killesberg – eine Zukunft hat. Die Zukunft des Weissenhof-Turniers sah der Vorsitzende des Clubs derweil nie in Gefahr – allein schon deshalb: „Unser Turnier ist eines der ältesten der Welt, wir stehen vor unserer 105. Veranstaltung – und jetzt schlagen wir in unserer Geschichte ein neues Kapitel auf“, sagte Gert Brandner voller Zuversicht.

Andy Murray, Nick Kyrgios und Denis Shapovalov sollen Zuschauer locken

Der Boss-CEO Daniel Grieder indes blickte erst einmal auf den Rasenplatz, auf dem er stand. „So einen hätte ich gerne im Garten“, meinte er lächelnd. Boss möchte raus aus dem puren Herrenausstatter-Image und visiert auch mit anderen Marketingaktionen längerfristig ein sportliches Lifestyle-Image an. „Mir gefallen am Sport die Ambition und der Kampfgeist“, sagte Grieder, deshalb ist das Tennisturnier in Stuttgart offenbar auch die richtige Werbebühne für den Bekleidungshersteller. „Tennis hat jüngere Zuschauer, und diese neue Generation wollen wir gewinnen“, fügte der CEO hinzu. Markenbotschafter des Unternehmens ist bereits der italienische Tennisstar Matteo Berrettini. Der Mercedes-Cup-Sieger von 2019 wurde bei der Präsentation kurz – aus dem Trockenen – zugeschaltet und kündigte sein Kommen in Stuttgart an. Die Nummer sechs der Weltrangliste soll das Zugpferd der Veranstaltung sein.

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Aber auch Andy Murray, Nick Kyrgios und Denis Shapovalov sollen im Juni die Zuschauer auf den Weissenhof locken. Darüber hinaus halten die Organisatoren noch drei Wildcards zurück, vielleicht purzelt ja noch ein Top-Ten-Spieler früher als gedacht bei den French Open aus dem Turnier und hat dann Zeit für Stuttgart.

Nach wie vor werden auf die Spieler 769 645 Euro verteilt

Die Frage ist künftig generell, ob es für den einen oder anderen Superstar jetzt nicht mehr so attraktiv ist, auf den Weissenhof zu kommen, weil so ein Auto als Hauptpreis zu verlockend war. „Nein, überhaupt nicht. Das Auto war schon immer toll, aber im Endeffekt hat es auch immer viele Enttäuschte gegeben, die es gerne gehabt hätten“, sagt Weindorfer.

Der Vertrag zwischen Boss und den Veranstaltern wurde zunächst für vier Jahre bis 2025 abgeschlossen. Ob das Budget des Turniers künftig geringer ausfällt oder das Niveau aus der Mercedes-Partnerschaft halten kann, dazu möchte sich Weindorfer nicht äußern. „Grundsätzlich haben wir darüber Stillschweigen vereinbart“, sagt der Turnierchef, doch im Hinblick auf die Vierjahresvereinbarung sei man mit der Entscheidung für Boss als Titelsponsor sehr zufrieden.

Auch wenn es künftig keinen Mercedes mehr gibt – am Gesamtpreisgeld wird nicht gerüttelt. Nach wie vor werden auf die Spieler 769 645 Euro verteilt. Und wie gesagt: einen feinen Anzug, den könnte es noch obendrauf geben – aber nur für den Sieger. Wer von den anderen Spielern möchte, wird derweil zum üblichen Schnäppcheneinkauf nach Metzingen chauffiert. Womöglich sind da im Juni die Boss-Rabatte so gut wie nie.

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