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InterviewTenor Patrick Grahl „Die Bachakademie unternimmt alles Menschenmögliche, um Musik zu machen“

Patrick Grahl singt im März die Solo-Partie des Tenors in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe. Die Gaechinger Cantorey musiziert das Werk unter Leitung von Hans-Christoph Rademann, dem künstlerischen Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Gestreamt wird aus dem Forum am Schlosspark Ludwigsburg.

Patrick Grahl hat zur Musik Bachs eine besondere Beziehung. Im März wird er die Solo-Partie des Tenors in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe singen. Foto: Guido Werner
Patrick Grahl hat zur Musik Bachs eine besondere Beziehung. Im März wird er die Solo-Partie des Tenors in Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe singen. Foto: Guido Werner
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Natürlich sind Engagements in Corona-Zeiten stets willkommen, weil das auch dem Kontostand guttut. Doch das ist bei Weitem nicht alles. „Es ist eine wichtige Stütze, nicht nur finanziell“, sagt der gebürtige Leipziger Grahl, der lange dem berühmten Thomanerchor angehörte. „Es ist ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann.“ Und das Ziel lautet Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe mit der Gaechinger Cantorey am 21. März. Dann wird Patrick Grahl gemeinsam mit den Solisten Cataline Bertucci (Sopran), Marie Henriette Reinhold (Alt) und Tobias Berndt (Bass) und in Kooperation mit dem Bach-Archiv Leipzig musizieren.

Dass die Bachakademie „das Menschenmögliche“ unternehme, um Musik zu machen und dabei niemanden einer Gefahr auszusetzen, habe in einer solchen Krise „Karatgehalt“. Wenn er nun beim Konzert zu Bachs Geburtstag die Soli für Tenor singen wird, ist das noch aus einem weiteren Grund ein besonderer Moment.

Mit neun Jahren im Leipziger Thomanerchor aufgenommen

Denn sowohl der Komponist als auch sein Werk spielen in Patrick Grahls Leben eine große Rolle. Neun Jahre war er alt, als er im Leipziger Thomanerchor aufgenommen wurde. Seine Großmutter hatte gemeint, dass der Junge so schön singe und man das doch einmal versuchen solle. Weder die Kirche noch die klassische Musik hatte bis dahin in Patricks Leben eine größere Rolle gespielt.

Der Thomanerchor genoss zu dieser Zeit kurz nach der Wende jedoch in der gesamten Gesellschaft große Wertschätzung und wurde selbst traditionell von den Funktio­nären der ehemaligen DDR stets hochgeachtet – schon, weil das Ensemble auch im Westen sehr angesehen und damit ein wertvoller Exportartikel war.

Schon als Kind habe er beim Kennenlernen von Bachs Musik empfunden, dass es sich um etwas Bedeutendes handelte – ohne es allerdings konkret benennen zu können. Im Vordergrund stand für ihn zunächst einfach, sich das umfangreiche Repertoire des Chores „draufzuschaffen“.

Konzert wird im Forum am Schlosspark Ludwigsburg gestreamt

Erst später, als er dann in Leipzig studierte, habe er sich die Zeit genommen, um einen Schritt zurückzutreten und die Besonderheit der Musik bewusst wahrzunehmen – und auch die des Ortes, an dem sie erklang. Bach war hier von 1723 bis zu seinem Tode 1750 Kantor, in der Thomaskirche ruhen auch seine Gebeine.

Ein bisschen von diesem Gefühl wird auch das Publikum des Livestreams spüren können. Denn in der Konzertpause führen Hans-Christoph Rademann und Michael Maul vom Bach-Archiv Leipzig in dieser Stadt ein Pausengespräch, das vorab aufgezeichnet wird. Das Konzert mit der Gaechinger Cantorey wird dann im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg gestreamt.

Spannende Harmonien und großer melodiöser Reichtum

Als Patrick Grahl zu ersten Mal bei einer Aufführung der h-Moll-Messe mitsang, war er gerade einmal zwölf Jahre alt. Damals ist ihm der Zugang nicht so leichtgefallen wie beispielsweise bei den Passionen, wo das Textverständnis viel einfacher ist. „Da weiß man sofort, was man zu tun hat“, erklärt er.

Die Achtung vor diesem letzten Werk Bachs ist über die Jahre gewachsen. Für den Tenor bietet dessen Musik die ganze Spannbreite dessen, was Klänge vermögen. „Sie ist rhythmisch aktiv, besitzt spannende Harmonien und großen melodiösen Reichtum. Und sie vereint eine große, irdische Vitalität mit einer tiefen, geistigen Verinnerlichung.“

Grahl schätzt die Zusammenarbeit mit Hans-Christoph Rademann

Mit Hans-Christoph Rademann hat Patrick Grahl schon mehrmals zusammengearbeitet. An ihm schätzt er die große Begeisterung, die er sich seit seinen Anfängen im Dresdner Kreuzchor erhalten hat und mit welcher er an jedes Werk wie neu herangeht. Zugleich besitze er durch seine große Kenntnis eine außergewöhnliche Selbstverständlichkeit im Umgang mit Bachs Musik – und durch seine Tätigkeit als Professor einen praktischen Zugang zur Musik. „Er weiß, wie er es vermitteln kann.“

Info: Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe mit der Gaechinger Cantorey: 21. März, nachmittags, auf www.bachakademie.de sowie den Facebook-Kanälen von Bachakademie und Bach-Archiv Leipzig