Terence Hill wird 80 Ein märchenhafter Schelm

Von Bernd Haasis 

Nicht viele Menschen schaffen es, Kind zu bleiben. Dem deutsch-italienischen Komödienschauspieler Terence Hill alias Mario Girotti ist es auf der Leinwand bestens gelungen.

Terence Hill im Jahr 1973 im Western  „Mein Name ist Nobody“ Foto: kabel eins/(c) TOBIS FILM/obs 12 Bilder
Terence Hill im Jahr 1973 im Western „Mein Name ist Nobody“ Foto: kabel eins/(c) TOBIS FILM/obs

Stuttgart - Wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt wirkte Terence Hill alias Mario Girotti in „Mein Name ist Nobody“ (1973). Der große Sergio Leone nahm mit diesem Film Abschied vom Italo-Western, dessen Sphären Hill als völlig losgelöster Eulenspiegel durchmaß und ironisierte. Der deutsch-italienische Schauspieler mit den durchdringenden blauen Augen und dem spöttischen Grinsen trat als Störfaktor auf, als dunklere Version des frankobelgischen Comic-Cowboys Lucky Luke: Nobody zieht schneller als andere blinzeln, er lässt den Westen und seine Bewohner sehr alt aussehen und weist einem Revolverhelden mit nachlassender Sehschärfe einen Ausweg in den Ruhestand.

Leone ist als Autor und Produzent genannt und nicht als Regisseur, seine Handschrift aber unverkennbar. Henry Fonda reflektiert da als Revolverheld frühere Rollen wie jene des brutalen Erfüllungsgehilfen aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, Ennio Morricone steuerte die Musik bei, der Film bot Anspielungen auf Homer, Richard Wagner und Sam Peckinpah. Dazu partout nicht passen wollte Terence Hills charakteristische Slapstick-Performance. Mal ohrfeigte er abwechselnd links und rechts ein Großmaul und zog als Absicherung mit der jeweils anderen Hand dessen falsch herum gesteckte Colts. Einem Lokführer im Pissoir bescherte er mit einem Pfeifspielchen eine Ladehemmung, um dann den Zug zu klauen.

Bis er sechs war, sprach er nur Deutsch

Nobody ist die vielleicht extremste Ausprägung einer märchenhaften Paraderolle, die Terence Hills wesentliche bleiben sollte: Ein Tausendsassa und schelmischer Flunkerer mit magischen Fähigkeiten, eine Peter Pan-Figur frei von jedweder Verpflichtung.

Federleicht wirkte alles, wenn Hill es tat. In Venedig wurde der Sohn eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, als Vorschüler erlebte er die schweren Luftangriffe auf Dresden 1944/45. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr sprach Hill nur Deutsch, so kam er zu Rollen in „Winnetou 2“ (1964) und weiteren Karl-May-Verfilmungen; in Italien spielte er unter anderem den Revolverhelden Django.

Sein Pseudonym entnahm er im Jahr 1967 einer Liste mit Vorschlägen eines Produzenten, der glaubte, englische Namen wären besser zu vermarkten. Er drehte damals einen Italo-Western, seinen ersten Film mit Bud Spencer alias Carlo Pedersoli, der Hills kongenialer Partner wurde und seiner Figur einen brummigen, bärbeißigen Widerpart bescherte. Das charakteristische Komödienformat mit markigen Sprüchen und inszenierten Prügeleien fanden die beiden in der Westernkomödie „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970). Sie zementierten es in „Vier Fäuste für eine Hallelujah“ (1971) und auch in „Freibeuter der Meere“ (1971), einem Piratenfilm über rivalisierende Kapitäne mit Hill als schwarzem Korsar.

Halbwüchsige Jungs liebten Hills Filme

Bald drehten die beiden gegenwärtige Komödien, deren extrem schmale Handlungen vor allem dazu dienten, Slapstick-Situationen herbeizuführen – bevorzugt Schlägereien, unterlegt mit fröhlichen Schlagern des italienischen Duos Oliver Onions. Besonders halbwüchsige Jungs liebten die Variationen des immer Gleichen in Filmen wie „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ (1972), „Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974) oder „Das Krokodil und sein Nilpferd“ (1979). Zum großen Erfolg in Deutschland trugen wesentlich die sehr freien Synchronbearbeitungen von Rainer Brandt und Karlheinz Brunnemann bei, deren „schnodderdeutsche“ Wortspiele und Kalauer auch die Serie „Die Zwei“ oder Komödien mit Jean-Paul Belmondo prägten.

1975 traf Terence Hill im Fortsetzungsfilm „Nobody ist der Größte“ auf Klaus Kinski, im US-Kriegsfilm „Marschier oder stirb“ (1977) auf Gene Hackman und Catherine Deneuve. Im schlicht modernisierten „Don Camillo und Peppone“-Remake „Keiner haut wie Don Camillo“ (1983) gab er den renitenten Pfarrer und führte selbst Regie. 1991 inszenierte und spielte Terence Hill dann tatsächlich den Titelhelden in „Lucky Luke“, landete aber näher am Italo-Western-Slapstick als an den genialen Parodien des Comiczeichners Morris.

Seit dem Jahr 2000 war Terence Hill in 245 Folgen der italienischen Serie „Don Matteo“ als kriminalbegabter Pfarrer zu sehen. Schauplatz ist das Dorf Gubbio in Umbrien, aus dem sein Vater stammte. Dort feiert er am 29. März 2019 seinen 80. Geburtstag.