Terror erreicht Ludwigsburger Hilfsprojekt in Afrika Zehntausende suchen Schutz in Kongoussi

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Der Terror in Mali schwappt auf Burkina Faso über: Die von Ludwigsburgern unterstützte Stadt Kongoussi in Westafrika wird zum Flüchtlingslager.

In großen Töpfen werden auf einem Platz in Kongoussi  Reis und Hirse für die vielen Flüchtlinge gekocht. Foto: Förderkreis Burkina Faso 7 Bilder
In großen Töpfen werden auf einem Platz in Kongoussi Reis und Hirse für die vielen Flüchtlinge gekocht. Foto: Förderkreis Burkina Faso

Ludwigsburg - Seit mehr als zehn Jahren unterstützt Ludwigsburg – gemeinsam mit der französischen Partnerstadt Montbéliard – die Bewohner von Kongoussi mit Know-how, Geld- und Sachspenden. So wurde in der westafrikanischen Stadt eine Berufsschule und ein Gesundheitszentrum eingerichtet sowie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Strom sichergestellt. Nun ist selbst dieser bescheidene Wohlstand in Gefahr, die Stadt in Burkina Faso droht im Chaos zu versinken: Innerhalb weniger Tage haben 20 000 Menschen in dem nur 30 000 Einwohner zählenden Ort Zuflucht gesucht. Der Grund: islamistischer Terror.

Burkina Faso grenzt im Osten an Niger und Benin und im Norden an Mali. Vor allem vom Nachbarstaat Mali droht Gefahr: Seit einer durch einen Putsch 2012 ausgelösten Krise und der anschließenden Intervention europäischer und afrikanischer Staaten hätten die terroristischen Aktivitäten an den Grenzen zu Mali und Niger stetig zugenommen, erläutert der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried, der auch dem Förderkreis Burkina Faso vorsitzt. Jetzt gebe es auch „dramatische Auswirkungen in der Region Bam“,

In dieser Region liegen die Stadt Kongoussi als auch Zimtanga, eine aus vielen Dörfern bestehende Kommune, in der Ludwigsburgs Partnerstadt Montbéliard den Schwerpunkt ihrer Aufbauhilfe hatte. Nun hat Bürgermeister Macaire Ouedraogo bei seinem Besuch in Montbéliard berichtet, dass die Dörfer Zimtangas menschenleer seien, weil die Bewohner um ihr Leben fürchteten. Auslöser seien 40 terroristisch motivierte Morde innerhalb weniger Wochen. Der Zusammenbruch der öffentlichen Sicherheit habe dazu geführt, dass die Bevölkerung Zimtangas in das nahe gelegene Kongoussi geflohen sei.

Informationen aus zweiter Hand

In Kongoussi selbst sei es bisher noch relativ ruhig, meint Seigfried. Allerdings sei man für alle Aussagen aus der Bam-Zone zurzeit auf Meldungen in den dortigen Medien und Aussagen von Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen (NGO), die die Berufsschule vor Ort betreuten, angewiesen. „Man wartet auf das Militär zum Schutz, aber das sitzt an der Grenze fest“, sagt Seigfried. Mitglieder der deutschen oder der französischen Burkina-Faso-Initiativen dürften nicht mehr in die Region reisen: „Das ist zu gefährlich.“

Bisher seien die NGOs in Kongoussi von unmittelbaren Auswirkungen der Unruhen verschont geblieben, berichtet der Bürgermeister. Kürzlich sei sogar noch die positive Meldung durchgedrungen, dass in der mit Mitteln aus Ludwigsburg aufgebauten Berufsschule 35 neue Schüler aufgenommen worden seien. Auch das Flüchtlingsproblem sei noch kontrollierbar. „Armut hilft sich gegenseitig stärker“, sagt Seigfried. Die Stadt Ludwigsburg hat in einer ersten Reaktion 5000 Euro für den Kauf von Hirse und Reis geschickt.

Wasserleitung erleichtert das Leben

„Noch können die Leute unter freiem Himmel schlafen“, sagt der Bürgermeister, Die Tagestemperaturen in Burkina Faso betragen aktuell noch 36 Grad Celsius und nachts fällt das Thermometer nicht unter die 20-Grad-Marke. „Aber der Winter kommt“, so Seigfried, „dann können die Leute nicht mehr draußen schlafen.“

Der vor mehr als zehn Jahren von Altbürgermeister Otfried Ulshöfer gegründete Förderkreis Burkina Faso hilft vorrangig den Menschen in Kongoussi. Nachdem dort mit Spenden eine Berufsschule und ein Krankenhaus eingerichtet worden waren, kümmerte sich der Förderkreis gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadt Montbéliard um die Trinkwasserversorgung sowie die Befestigung der Ufer eines Sees, von dem die Region abhängig ist.

Oberstes Ziel ist es, die Bildung zu fördern und die Wirtschaft an Ort und Stelle anzukurbeln. In Burkina Faso, das eines der ärmsten Länder der Welt ist, ist schon eine motorbetriebene Getreidemühle Luxus. Erst recht eine Trinkwasserleitung, die den kilometerlangen Marsch zur Quelle überflüssig macht.

Weitere Informationen und Spendenkonto unter www.fk-burkinafaso.de.