Terroranschläge in Paris Täter sollen "Allah Akbar" gerufen haben

Von red//dpa/AP/rtr 

Bei sieben simultanen Attacken sind in Paris viele Menschen ums Leben gekommen. In einem Theater wurden Geiseln genommen, die Täter sollen „Allah Akbar“ gerufen haben. Paralell dazu soll es einen Selbstmordanschlag im Bereich des Stadions Stade de France gegeben haben.

Nach Angaben der Polizei gab es gegen 21.30 Uhr mehrere Feuerüberfälle in der Pariser Innenstadt. Foto: dpa 10 Bilder
Nach Angaben der Polizei gab es gegen 21.30 Uhr mehrere Feuerüberfälle in der Pariser Innenstadt. Foto: dpa

Paris - Bei sieben simultan verübten Terroranschlägen sind in Paris am späten Freitagabend mindestens 100 Menschen getötet worden. Die Stadtverwaltung rief die Pariser Bürger auf, wegen der Anschläge zuhause zu bleiben.

Im Einkaufszentrum von Les Halles in der Innenstadt kam es zu einer Schießerei, wie der Hörfunksender Europe 1 berichtete. Auch in mehreren Restaurants sollen Schüsse gefallen sein. Im Pariser Theater „Bataclan“ sollen Geiseln genommen worden sein. Ein Augenzeuge sprach im Radiosender France Info von mehreren Angreifern, die unter Allah-Akhbar-Rufen blindlings in die Menge gefeuert hätten. Ein Polizist sprach von einem „Blutbad“ in dem Gebäude. Die Angreifer hätten Sprengsätze auf die Geiseln geworfen. Beim Zugriff von Sicherheitskräften sollen mehrere Angreifer getötet worden sein, mindestens 100 Theaterbesucher kamen offenbar ums Leben.

Drei im Umfeld des Theaters gelegene Metro-Stationen wurden geschlossen. Eine weiterer Beobachter berichtete, die Angreifer seien mit dem Auto vorgefahren, aus dem Fahrzeug gesprungen und hätten sofort zu schießen angefangen. Unter Tränen brachte der Mann dann nur noch die Worte hervor: „Auf der Straße überall Blut, überall Blut“. Freitagabend ist die an das auch bei Touristen beliebte Pariser Viertel „Marais“ „schwarz vor lauter durch die Straßen drängenden Menschen“, wie es ein Anwohner formulierte.

Hollande wurde aus dem Stadion gebracht

Zur gleichen Zeit waren vor dem nördlich der Stadt gelegenen Stade de France, wo die deutsche Nationalelf ein Freundschaftsspiel gegen die französische Nationalelf austrug, mehrere Explosionen zu vernehmen. Terroristen sollen dort mit Nägeln gefüllte Gasflaschen zur Explosion gebracht haben. Aus Polizeikreisen verlautete, zwei Selbstmordattentäter hätten sich in der Nähe des Stadions in die Luft gesprengt. Eine offizielle Bestätigung gab es hierfür zunächst nicht. Sicherheitskräfte riegelten das Stadion weiträumig ab, während über soziale Netzwerke über das Blutvergießen informierte Zuschauer zu Tausenden vorzeitig das Stadion verließen. Nach dem Schlusspfiff harrten verängstigte Fans im Stadion aus.

Wie Sportreporter aus dem Stadion meldeten, wurde Frankreichs Staatschef während der zweiten Halbzeit diskret aus dem Stadium evakuiert. Hollande wurde ins Innenministerium gebracht. Er verfolgte dort gemeinsam mit Innenminister Bernard Cazeneuve die Lage, teilte der Élyséepalast mit. Die französische Regierung wurde zu einer Sonder-Kabinettssitzung in den Präsidentenpalast zusammengerufen. Hollande verhängte den Ausnahmezustand und kündigte die Schließung der Grenzen an. Alle Schulen und Universitäten im Großraum Paris sollen am Samstag geschlossen bleiben. Hollande appellierte an seine Nation, zusammenzuhalten. „Die Terroristen wollen uns in Angst und Schrecken versetzen. Man kann Angst haben, man kann Schrecken verspüren“, sagte der Präsident. „Aber dem Entsetzen steht eine Nation gegenüber, die weiß, wie sie sich verteidigt. Die weiß, wie sie ihre Kräfte sammelt. Und die einmal mehr wissen wird, wie sie die Terroristen besiegen wird.“

Steinmeier zeigt sich entsetzt

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich entsetzt über die Attacken geäußert. Er sei erschüttert über die Ereignisse, twitterte das Auswärtige Amt. Steinmeier wurde mit den Worten zitiert: „Wir stehen an der Seite Frankreichs!“.

Steinmeier war am Abend gemeinsam mit Frankreichs Staatspräsident Hollande als Zuschauer bei dem Fußball-Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen Frankreich im Stade de France in der französischen Hauptstadt. Ob er aus Sicherheitsgründen vorzeitig aus dem Stadion gebracht wurde, blieb zunächst offen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich geschockt über die Attacken geäußert. „Ich bin tief erschüttert von den Nachrichten und Bildern, die uns aus Paris erreichen“, erklärte Merkel in Berlin. „Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern der offensichtlich terroristischen Angriffe, ihren Angehörigen sowie allen Menschen in Paris.“ Die Bundesregierung stehe in Kontakt mit der französischen Regierung und habe ihr die Anteilnahme und Solidarität der Menschen in Deutschland übermittelt. Merkel will sich um 9 Uhr im Kanzleramt zu den Vorgängen in der französischen Hauptstadt äußern.

Löw ist erschüttert

Auch Bundestrainer Joachim Löw hat mit großer Bestürzung und Betroffenheit auf die Ereignisse reagiert. „Wir sind alle erschüttert und schockiert“, sagte Löw in der ARD nach der 0:2-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich. „Für mich tritt der Sport oder die Gegentore in den Hintergrund.“ Teammanager Oliver Bierhoff sprach von „großer Unsicherheit, großer Angst und großer Betroffenheit“ auch in der deutschen Kabine. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte eineinhalb Stunden nach den Anschlägen das Stadion noch nicht verlassen.

US-Präsident Barack Obama hat die Anschläge mit Dutzenden Toten als „abscheulichen Versuch“ verurteilt, die Welt zu terrorisieren. Es handele sich nicht nur um Anschläge auf Paris oder das französische Volk, sondern auf die gesamte Menschheit, sagte Obama in Washington. Es sei zu früh, um darüber zu spekulieren, wer für die Attacken verantwortlich sei. Obama bot die Hilfe Amerikas bei der Bekämpfung des Terrors an. „Wir werden tun, was immer auch getan werden muss, um diese Terroristen zur Verantwortung zu ziehen“, sagte der US-Präsident.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hat sich erschüttert über die Anschläge in Paris geäußert. „Italien weint um die Opfer von Paris und ist vereint im Schmerz mit den französischen Brüdern. Das ins Herz getroffene Europa wird auf diese Barbarei zu reagieren wissen“, erklärte Renzi. Außenminister Paolo Gentiloni schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „Wir sind Frankreich nahe, dem Drama der Familien der Opfer, vereint gegen den Terror“.

Schlimmste Gewaltwelle seit Jahrzehnten

Großbritanniens Premierminister David Cameron ist nach eigenen Angaben „schockiert“ über die Angriffe und Gewalt in Paris. „Unsere Gedanken und Gebete sind beim französischen Volk“, schrieb Cameron auf Twitter. „Wir werden tun, was wir können, um zu helfen.“

Auf Twitter helfen sich Pariser Bürger und bieten unter #PorteOuverte sichere Verstecke in Privatwohnungen für alle an, die derzeit in Paris unterwegs sind.

Für Frankreich war es die schlimmste Gewaltwelle seit Jahrzehnten. Das Land ist in erhöhter Alarmbereitschaft, seit islamistische Extremisten im Januar die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt angegriffen hatten. 20 Menschen kamen damals ums Leben, unter ihnen auch die Angreifer. Seitdem hatte es mehrere weitere versuchte Attacken gegeben, unter anderem ein von Passagieren vereitelter Angriff eines schwer bewaffneten Radikalen im Hochgeschwindigkeitszug TGV.

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