Terroranschlag in Istanbul Identität von Drahtzieher und Attentätern offenbar geklärt

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Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen kam offenbar nicht aus heiterem Himmel. Nach Medienberichten hatte der türkische Geheimdienst vor Attentaten gewarnt. Die Istanbuler Selbstmordattentäter sollen aus Russland, Usbekistan und Kirgisien stammen.

In Istanbul trauern die Menschen um die Opfer des Anschlages. Foto: AP
In Istanbul trauern die Menschen um die Opfer des Anschlages. Foto: AP

Istanbul - Die drei Selbstmordattentäter, die am Dienstagabend am Istanbuler Atatürk-Flughafen 43 Menschen mit sich in den Tod rissen und fast 240 Menschen teils schwer verletzten, waren keine türkischen Staatsbürger. Es habe sich um einen Russen, einen Usbeken und einen Kirgisen gehandelt, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen. Die Fahnder vermuten die IS-Terrormiliz als Drahtzieher hinter den Anschlägen.

Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ berichtete, nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sei der Anschlag von dem aus Tschetschenien stammenden IS-Funktionär Achmed Tschatajew geplant worden. Er soll beim IS für die Ausbildung russischsprachiger Terroristen zuständig sein. Am Donnerstag nahm die Polizei bei zeitgleichen Razzien in 16 Istanbuler Wohnen 13 Personen fest. Auch in der westtürkischen Hafenstadt Izmir wurden bei der Fahndung nach den Hintermännern des Attentats Wohnungen durchsucht und neun weitere Verdächtige festgenommen.

Polizei stellt Waffen sicher

Unter den Festgenommenen seien vier Ausländer, sagte Innenminister Efkan Ala am Donnerstag im Parlament. Bei den Razzien in Izmir soll die Polizei nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Waffen und Papiere sichergestellt haben, die auf Verbindungen zum IS hindeuten. Bisher hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt.

Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen kam offenbar nicht aus heiterem Himmel. Nach Erkenntnissen der türkischen Journalistin Hande Firat, die für Dogan TV arbeitet, hat der türkische Geheimdienst MIT vor etwa drei Wochen in einer Nachricht an die Regierung und die Polizeiführung vor der Gefahr eines geplanten Anschlags auf den Airport gewarnt. Über den Ablauf der Anschläge gibt es inzwischen neue Erkenntnisse.

Neue Details zum Geschehen veröffentlicht

Die Regierung korrigierte ihre anfängliche Darstellung, wonach alle drei Attentäter bereits vor den Sicherheitskontrollen von der Polizei identifiziert worden seien. Nun heißt es, einer der drei Attentäter habe das Terminal betreten, das Feuer eröffnet und sich dann in der Nähe der Sicherheitskontrolle in die Luft gesprengt.

Ein zweiter Attentäter habe das dadurch ausgelöste Chaos genutzt, sei in den Sicherheitsbereich vorgedrungen und zur einen Stock höheren Abflughalle gelaufen, um dort seine Sprengstoffweste zu zünden. Der dritte Angreifer sprengte sich an der Vorfahrt des Terminals an einem Parkhaus in die Luft, als die Menschen aus dem Gebäude rannten.

Auch die Angaben zur Zahl der getöteten Ausländer hat die Regierung am Donnerstag korrigiert: War bisher von 13 ausländischen Opfern die Rede, erklärte Innenminister Ala nun, dem Anschlag seien 19 Ausländer zum Opfer gefallen. Wie die Zeitung „Hürriyet“ auf ihrer Internetseite berichtete, ist unter den Todesopfern des Anschlags auch ein tunesischer Arzt, der in die Türkei gereist war, um die Freilassung seines Sohnes zu erwirken, der wegen mutmaßlicher Verbindungen zum IS in türkischer Haft sitzt.




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