Terrorgefahr in Europa Chinesische Touristen meiden Baden-Württemberg

Von red/ dpa/ lsw 

Ob Heidelberg, Bodensee, Schwarzwald oder Stuttgart – Baden-Württemberg hat einiges zu bieten, finden Vertreter der Tourismusbranche. Die neuen Gästezahlen sind positiv, aber es gibt auch Dämpfer.

Die Zahl der Übernachtungen von Chinesen ging um zehn Prozent zurück. Der Grund: Terroranschläge in europäischen Großstädten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Zahl der Übernachtungen von Chinesen ging um zehn Prozent zurück. Der Grund: Terroranschläge in europäischen Großstädten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Terroranschläge in europäischen Großstädten hinterlassen auch in Baden-Württembergs Tourismusbranche ihre Spuren. Zum einen machten inzwischen mehr Deutsche aus Sicherheitsgründen Urlaub hierzulande, sagte der für Tourismus zuständige Minister Guido Wolf (CDU) am Montag in Stuttgart.

Der Gast überlegte sich: „Wo fühle ich mich besonders sicher, wo habe ich nicht das ungute Gefühl, gegebenenfalls Opfer eines Anschlags zu werden?“ Neben dieser für die heimische Branche positiven Wirkung gab es aber auch eine Kehrseite: Das Interesse von asiatischen Urlaubern an Baden-Württemberg sank deutlich. Mancher Chinese will demnach aus Terrorsorgen nicht mehr nach Europa - und damit auch nicht nach Baden-Württemberg.

So ging die Zahl der Übernachtungen von Chinesen um rund zehn Prozent zurück auf 342.000. Ähnliche prozentuale Minuswerte gab es bei Urlaubern und Geschäftsreisenden aus den arabischen Golfstaaten, Südkorea und Taiwan. „Wir gehen davon aus, dass die allgemeine Sicherheitslage etwa für Chinesen ein bedeutender Aspekt ist, wenn sie sich für ein Urlaubsland entscheidend“, sagte Wolf. Die Entfernung von Baden-Württemberg zu Städten wie Paris oder Brüssel, wo es 2015/16 Terroranschläge gab, sei nach chinesischen Maßstäben gering. „Insofern hat dieser Sicherheitsaspekt (...) auch eine für Deutschland nachteilige Wirkung“, sagte Wolf.

Städtetourismus im Aufwind

Trotz dieser Rückschläge kletterte die Zahl der Übernachtungen von Ausländern insgesamt hierzulande noch um 0,7 Prozent auf 11,2 Millionen. Grund: Mehr Besucher aus EU-Staaten wie Frankreich und Dänemark kamen in Deutschlands Südwesten, dadurch konnten die Einbußen aus Asien mehr als ausgeglichen werden. Allerdings sind nicht Ausländer Wachstumstreiber für den Tourismus, sondern Inländer.

Die Gesamtsituation in der Branche ist sehr gut, Urlaub und Geschäftsaufenthalte im Südwesten sind gefragt wie nie. 2016 verbuchten Hotels und andere Einrichtungen im Südwesten 52 Millionen Übernachtungen und damit ein Plus von 2,5 Prozent. Das war der sechste Höchstwert in Folge. Vor allem der Städtetourismus ist im Aufwind.

„Baden-Württemberg ist ein Tourismusland“, sagte Minister Wolf. Und 2017? „Ich gehe davon aus, dass wir den Erfolgskurs fortschreiben werden.“ Andreas Braun, Chef der Tourismus und Marketing GmbH Baden-Württemberg, fügte hinzu: „Die Reiselust ist ungebrochen.“