In Syrien und dem Irak hat die Terrorgruppe Isis ein islamisches Kalifat ausgerufen. Über den Internetdienst Twitter kursierte am Sonntagabend eine Audiobotschaft von Isis-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani. Darin verkündet er, erster Kalif sei Isis-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi.

In Syrien und dem Irak hat die Terrorgruppe Isis ein islamisches Kalifat ausgerufen. Über den Internetdienst Twitter kursierte am Sonntagabend eine Audiobotschaft von Isis-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani. Darin verkündet er, erster Kalif sei Isis-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi.

Tikrit - Nach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak hat die Dschihadisten-Miliz Isis ein grenzübergreifendes Kalifat ausgerufen. Zum Kalifen wurde der Anführer der Terrorgruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, bestimmt.

Alle Muslime müssten ihm Gefolgschaft schwören, hieß es am Sonntag in einer Audiobotschaft eines Isis-Sprechers. Ein Kalifat ist ein auf islamischen Gesetzen basierendes Staatswesen, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegen.

Laut der Audiobotschaft benannte sich Isis, die Kurzform für Islamischer Staat im Irak und Syrien, zudem in "Islamischer Staat" um. Die Authentizität der Aufnahme ließ sich zunächst nicht überprüfen. Die Islamisten sorgten ferner mit einer neuen Gräueltat für Entsetzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich zutiefst besorgt über eine Verschärfung der Krise. US-Präsident Barack Obama warnte vor der Gefahr von "Dschihad-Touristen".

Die sunnitische Miliz kontrolliert einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und ist seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen. Mit der Ausrufung eines Kalifats nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Muhammad. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.

Schwere Kämpfe rund um Tikrit

Im Irak lieferten sich die irakische Armee und Isis-Milizen am Wochenende schwere Kämpfe um die Stadt Tikrit. Widersprüchliche Berichte gab es über die militärische Lage. Die BBC meldete unter Berufung auf Augenzeugen, die Armee habe sich wegen großen Widerstands südlich von Tikrit zurückziehen müssen. Das regierungstreue Nachrichtenportal Al-Sumeria berichtete dagegen, die Armee sei tiefer in die Stadt eingedrungen und habe große Teile von Aufständischen "gesäubert".

Mit der am Samstag begonnenen Offensive auf Tikrit versucht die Armee, die strategisch wichtige Stadt von der Terrorgruppe zurückzuerobern. So will sie den weiteren Vormarsch der Extremisten auf die rund 170 Kilometer entfernte Hauptstadt verhindern. In Bagdad traf am Sonntag die erste Lieferung von fünf gebrauchten russischen Kampfflugzeugen zur Unterstützung der Regierungstruppen ein. Die Maschinen des Typs Suchoi Su-25 seien bald einsatzbereit, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Isis war ursprünglich ein Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida. In diesem Frühjahr kam es jedoch zum Bruch. Nach Einschätzung von Experten kämpfen beide Gruppen nun um die Vormachtstellung in der Dschihad-Bewegung. Die Isis-Milizen gehen äußerst grausam vor. Nahe Aleppo im Norden Syriens richteten ihre Kämpfer acht Männer öffentlich hin und kreuzigten sie, wie die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete. UN-Generalsekretär Ban rief alle Konfliktparteien zum Schutz von Zivilisten und zur Wahrung der Menschenrechte auf.

US-Präsident Obama warnte vor "Dschihad-Touristen". Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Die Dschihadisten sammelten in Syrien und nun im Irak Kampferfahrung, sagte er am Sonntag im Fernsehsender ABC-News. "Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe. Sie brauchen kein Visum, um in die Vereinigten Staaten einzureisen", warnte Obama.

Es sei daher wichtig, dass die USA ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivitäten in der Region ausbauten. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. "Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten", sagte Obama.

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