Test der Hauptradroute 10 in Stuttgart Schöne Strecke mit schwierigem Start

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Rad fahren in Stuttgart kann Spaß machen, aber auch verwirrend und mühsam sein. Die Stadt plant, die Bedingungen für Radler zu verbessern. Aus diesem Anlass haben wir die Hauptradroute 10 von Stuttgart-Vaihingen nach Stuttgart-Sillenbuch getestet – und gemerkt, dass der Beginn am herausfordernsten ist.

Auch wenn Udo Dreesmann als Radfahrer auf  dem Gehweg fahren darf, haben Fußgänger Vorrang – so wie hier an der Kirchheimer Straße in Stuttgart-Sillenbuch. Foto: Julia Bosch
Auch wenn Udo Dreesmann als Radfahrer auf dem Gehweg fahren darf, haben Fußgänger Vorrang – so wie hier an der Kirchheimer Straße in Stuttgart-Sillenbuch. Foto: Julia Bosch

Filder - Der Anfang ist der herausfordernste Teil, denn durch Zufall landet man als Radfahrer eher nicht auf der Hauptradroute 10 zwischen Stuttgart-Vaihingen und Sillenbuch. Wer am Vaihinger Bahnhof startet und denkt, dass er von dort mit Schildern auf den richtigen Weg geleitet wird, der irrt – das zeigt ein Praxistest gemeinsam mit dem begeisterten Radfahrer Udo Dreesmann aus Vaihingen.

„Wer hier fremd ist, findet die Hauptradroute nicht“, stellt Dreesmann fest. Erst wenn es der Radfahrer mithilfe einer Karte oder einer Smartphone-App auf die Hengstäcker geschafft hat, also auf die Felder zwischen Vaihingen und Möhringen, findet er den Weg über Degerloch nach Sillenbuch. Später stellt sich heraus: Das liegt daran, dass die Hauptradroute 10 nicht am Vaihinger Bahnhof beginnt, sondern den Bezirk am nördlichen Rand tangiert. Die Route beginnt von Sindelfingen aus kommend an der Pascalstraße in Vaihingen, führt hinter dem Bezirksrathaus vorbei und an der Katzenbachstraße entlang bis auf die Hengstäcker.

In Degerloch kommt man kurz ins Schwitzen

Sobald man diesen Weg gefunden hat, macht die Hauptradroute 10 Spaß: Zwischen Maisfeldern und Kleingärten fährt man eine Weile geradeaus, den Fernsehturm immer im Blick. Ab dem Hallenbad in Sonnenberg geht es weiter entlang der Stadtbahnschienen. Zwar teilt man sich die Straße mit Autos; allerdings ist dort zumeist nicht viel. Eine kleine Schwierigkeit erwartet die Radfahrer zwischen den Haltestellen „Peregrinastraße“ und „Degerloch Albstraße“; dort müssen sie die Gleise queren. Der Bahnübergang ist eng und verschlungen; damit sollen Radfahrer und Fußgänger gezwungen werden, in beide Richtungen nach herannahenden Stadtbahnen zu schauen. Als Radfahrer muss man absteigen und schieben. Aber sei’s drum: Sicherheit geht vor.

In Degerloch kommen Radfahrer ohne Elektroantrieb dann kurz ins Schwitzen: An der Löwenstraße gilt es ein paar Höhenmeter zu überwinden. Abgesehen davon ist die Strecke beinahe eben. Vorbei am Fernsehturm geht es an der Kirchheimer Straße bis ins Zentrum von Sillenbuch. Wer mag, kann von dort noch weiter bis nach Ostfildern radeln, wir schenken uns das. Das Fazit von Udo Dreesmann nach knapp neun Kilometern: „Die Hauptradroute 10 ist eine schöne Strecke, die gut zu fahren ist. Nur sollte sie vom Vaihinger Bahnhof aus ebenfalls ausgeschildert werden.“

Auf den Fildern ist viel geplant, verspricht der Radbeauftragte

Künftig soll die Hauptradroute 10 gemeinsam mit der Route 2 von der Innenstadt bis nach Degerloch sowie der Route 3 vom Stuttgarter Osten nach Hedelfingen noch besser werden. Im Rahmen des Luftreinhalteplans plant die Stadt, die drei Strecken bis 2020 auszubauen. „Es geht dabei vor allem um Kleinigkeiten, denn baulich sind die Strecken zum Großteil fertig“, sagt der Fahrradbeauftragte der Stadt, Claus Köhnlein. „An der Kirchheimer Straße in Sillenbuch sind beispielsweise zusätzliche Radquerungen geplant, außerdem werden bestehende Querungen verbessert.“ Insgesamt sei auf den Fildern viel geplant für Radfahrer, sagt Köhnlein. So soll etwa an der Sigmaringer Straße zwischen Degerloch und Möhringen ein Fahrradstreifen auf die Fahrbahn gepinselt werden, und im Synergiepark zwischen Vaihingen und Möhringen laufe eine umfassende Planung für den Radverkehr.

Udo Dreesmann hält das für dringend nötig: „Erst letztens hat eine Studie wieder bewiesen, dass in ganz Deutschland die Radfahrer in Stuttgart am gefährlichsten leben.“ Der gebürtige Oldenburger weiß, wie es anders sein kann. In seiner Heimatstadt ist es schwieriger, einen Parkplatz für sein Fahrrad als für sein Auto zu finden – so beliebt ist dort das Velofahren. „In Stuttgart enden die Radwege häufig im Nichts“, klagt er. „Und die allermeisten Autofahrer nehmen keine Rücksicht auf Radler.“

Dreesmann nimmt aber auch die Radfahrer in die Pflicht: „Viele beachten die Vorschriften nicht. Sie fahren, als ob ihnen die Welt gehöre.“ Nur die wenigsten würden sich etwa daran halten, dass auf Wegen, wo ein „Radfahrer frei“-Schild stehe, die Fußgänger Vorrang hätten. Er hat das Gefühl, dass die Radfahrer in Stuttgart insgesamt aggressiver unterwegs seien als in anderen Städten: „Womöglich liegt das daran, weil die Bedingungen für sie so schlecht sind.“ Insgesamt, findet er, müssten alle Verkehrsteilnehmer viel mehr Rücksicht aufeinander nehmen, sodass jeder ruhiger und sicherer unterwegs sein könne.

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