Die Stadt Ludwigsburg testet bis zum Sommer, ob die alternative Verkehrsführung bei der Sternkreuzung auch als eine Dauerlösung dienen kann.

An der Baustelle auf der zentralen Sternkreuzung in Ludwigsburg lief es zwischenzeitlich – für die Beteiligten eher überraschend – rund. Im doppelten Sinne. Denn der als Übergangslösung eingerichtete Kreisverkehr sorgte an der sonst staureichen Baustelle für einen besseren Verkehrsfluss. Ehe als er baustellenbedingt wieder abgebaut werden musste. Seitdem ist Stau Alltag.

Der Kreisverkehr blieb jedoch so gut in Erinnerung, dass er trotzdem zu einer Dauerlösung werden könnte. Die Stadtverwaltung möchte das – mit Zustimmung aus dem Gemeinderat – jedenfalls testen, sobald die B27-Tunnelsanierung planmäßig am 9.  Dezember abgeschlossen ist. Vom 10. bis 13.  Dezember wird jeweils nachts erneut ein provisorischer Kreisverkehr eingerichtet, in veränderter Form. Wie der genau aussehen wird, stellte die Stadtverwaltung am Donnerstag vor.

Auto- und Busverkehr Aus allen vier Richtungen führt nur noch eine Spur in den Kreisverkehr. Damit Busse dennoch bevorzugt sind und nicht im Stau warten müssen, erhalten sie jeweils eine Busspur, in die kurz vor dem Kreisverkehr der Autoverkehr einfädeln muss. Auch wer rechts abbiegen möchte, muss also in den Kreisverkehr einbiegen, separate Abbiegespuren gibt es nicht mehr. Keine separate Busspur ist einzig auf der Auffahrt aus Richtung Stuttgart vorgesehen – hier verkehrt sowieso nur ein Bus pro halbe Stunde. Die separaten Busspuren sollen auch den Vorteil mit sich bringen, dass Rettungswagen etwa auf ihrem Weg ins nahe Klinikum schneller durchkommen.

Fußgänger Für die Fußgänger ändert sich Grundsätzliches: Sie müssen an keiner Ampel mehr warten, sondern können an allen vier Seiten des Kreisverkehrs künftig auf einem Zebrastreifen die Straße überqueren. Auf allen vier Seiten wird für sie eine Mittelinsel eingerichtet, teils waren diese ja bereits vorhanden. Den Gehwegbereich nahe der Kreuzung teilen sie sich dabei mit den Radfahrern. Angebracht wird das Schild: Gehweg – Radfahrer frei.

Radfahrer Die Radfahrer erhalten keinen separaten Radweg, dürfen aber auf der Straße fahren. Wer sich dafür nicht sicher genug fühlt, kann alternativ in Schrittgeschwindigkeit den Gehweg nutzen, der rings um die Kreuzung und beispielsweise bis zum Scala für Radfahrer freigegeben wird. Fußgänger sind hier aber bevorrechtigt. Wollen die auf dem Gehweg fahrenden Radfahrer die Straßenseite wechseln, müssen sie – wie an Zebrastreifen üblich – absteigen.

Eine Ausnahme bildet der Überweg in der Schorndorfer Straße, sprich in Richtung Haupteingang des Blühenden Barocks. Hier erhalten die Radfahrer neben dem Zebrastreifen einen eigenen Überweg, auf dem sie bevorrechtigt sind – was wiederum während der morgendlichen und nachmittäglichen Radströme einen Stau bei den Autos und Bussen verursachen könnte.

Der zeitliche Horizont Die Testphase für den neuen Kreisverkehr ist bis kommenden Juni angesetzt. Bis dahin soll beobachtet werden, ob das Provisorium in eine dauerhafte Lösung umgewandelt werden könnte oder man zur Ampellösung zurückkehrt. Angedacht sind dafür zwei Erhebungstage. Einmal im Januar, wenn die Weihnachtszeit vorüber ist. Einmal im Frühjahr im März oder April, sobald mehr Fußgänger ins Blühende Barock strömen. „Der neue Kreisverkehr ist nicht unbedingt vergleichbar mit dem letzten. Da hatten wir eine Baustellensituation mit Warnbaken, wodurch die Verkehrsteilnehmer eine höhere Aufmerksamkeit hatten“, sagt Bürgermeister Sebastian Mannl. Auch die Neuerung mit den Zebrastreifen dürfe sich auswirken.

Im Sommer möchte die Stadtverwaltung dem Gemeinderat dann Empfehlungen geben, wie es dauerhaft mit der Sternkreuzung weitergehen könnte. Und ob es beim Kreisverkehr bleibt, obwohl 30 000 Fahrzeuge am Tag zumindest in der Theorie eigentlich viel zu viele dafür sind . Sollte sich schnell abzeichnen, dass der Kreisverkehr nicht funktioniert, kann postwendend reagiert werden, auch vor Sommer 2023. Denn die Ampelanlagen bleiben installiert, werden bis dahin nur ausgeschaltet. Hier könnte man also vom einen auf den anderen Tag reagieren.

Die mögliche Dauerlösung Bewährt sich das Provisorium und soll es langfristig beim Kreisverkehr bleiben, wäre es der Wunsch der Stadtverwaltung, dies im Jahr 2024 zu verwirklichen. Bevor dann 2025 die Großbaustelle am Zentralen Omnibusbahnhof folgt. Damit die Busse nicht überall auf Probleme stoßen. Der Umbau wäre schließlich durchaus aufwendig. So müssten die Fußgängerüberwege auf allen vier Seiten barrierefrei gebaut werden. Die Planung der Stadtbahn müsste mit einfließen. Und auch ein separater Radweg könnte mithilfe einer Landesförderung verwirklicht werden.