Solide Kost, bezahlbare Preise: Das Barbu Burger-House in Remshalden ist nicht nur wegen seiner Fußballübertragungen beim Publikum beliebt.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Mit kulinarischen Konzepten ist es ja oft so eine Sache. Die einen schwören auf gastronomischen Hochgenuss, kreative Küche mit exklusiven Produkten, High-End-Fine-Dining auf Gourmet-Niveau. Den anderen ist es fast lieber, wenn die Speisekarte auch zum Geldbeutel passt – und das Essen vielleicht kein absolutes Geschmackserlebnis darstellt, aber dennoch in einer akzeptablen Qualität auf den Teller kommt.

 

Zur zweiten Kategorie gehört zweifellos das Barbu Burger-House in Remshalden (Rems-Murr-Kreis). Der vor drei Jahren eröffnete Laden im Teilort Grunbach spielt im Remstal sozusagen in der „Gut & günstig“-Liga mit – und bietet seinen Gästen solide Kost zu bezahlbaren Preisen. Einen Crispy-Chicken-Burger mit immerhin 150 Gramm Hähnchenschnitzel gibt’s beispielsweise für 8,20 Euro, der Bacon Burger mit einem saftig auf den Tisch kommenden Rindfleisch-Patty liegt bei 11,40 Euro.

Solide Kost, bezahlbare Preise – das Barbu ist ein Preis-Leistungs-Favorit

Das wäre schon preiswert, wenn die Pommes extra bestellt werden müssten. Im Barbu aber liegen sie samt Ketchup und Mayonnaise ohne Aufschlag mit auf dem Teller – was das Lokal beim Burger-Test für den Rems-Murr-Kreis zu einem Favoriten für den Sieg in der Preis-Leistungs-Klasse machen dürfte. Ich bestelle mir den Egg-Burger (11,40 Euro), bei dem wie auf eigentlich allen anderen Varianten auch rote Zwiebeln, Cheddar-Käse und Lollo Rosso verbaut sind, dazu Gurke, gerösteter Bacon und eben Ei.

Geschmacklich entspricht das vollauf den Erwartungen, nicht mehr und nicht weniger. Guter Standard, zumal der als „Homemade-Sauce“ gepriesenen Tunke ein wenig der Pfiff fehlt. Pluspunkte gibt’s für ein vorab getoastetes Burger-Brötchen und ein Rindfleisch-Patty, das nicht totgebraten ist. Der jugendlichen Begleitung, die sich den Crispy Chicken schmecken lässt, fällt auch die Beilage positiv auf. „Die Pommes sind gut“, sagt die Fachfrau für Teenager-Themen über die knusprigen Kartoffelstäbchen im Country-Potato-Stil.

Geschmacklich werden die Erwartungen erfüllt, beim Preis spielt das Barbu in der „Gut & günstig“-Liga mit. Foto: privat

Das deckt sich mit den weit überwiegend positiven Rezensionen im Internet. Bei den Google-Bewertungen steht das Barbu mit 4,6 von 5 möglichen Sternen da, bei mehr als 300 Teilnehmern ein durchaus bemerkenswertes Ergebnis. Besonders gelobt wird neben dem Essen der freundliche Service und die fast familiäre Atmosphäre. „Ein Geheimtipp für alle Burger-Liebhaber“, heißt es in einem Kommentar.

Dabei hatte sich Gastronom Hüseyin Hatay in den ersten Monaten nach der Eröffnung eher schwer getan, den Laden ins Laufen zu bringen. Die Coronapandemie war noch am Ausklingen, die Resonanz auf das neue Angebot in dem über Monate leerstehenden Lokal in der Ortsmitte blieb lange recht verhalten. Remshalden fremdelte mit dem Burger-House, vielleicht auch wegen des Namens, der eine Wortschöpfung aus „Bar“ und „Burger“ darstellt.

Erst mit Döner, Pizza und TV-Fußball kam der Erfolg beim Publikum

Erst als der 48-jährige Kurde vom reinen Burger-Konzept abgewichen ist und sein Angebot erst um Pizza und dann um Döner Kebap erweitert hat, kam der Erfolg beim Publikum. Inzwischen gibt es sogar Kuchen und eine kleine Eistheke, das Lokal in der Olgastraße hat sich zu einem beliebten Treffpunkt für den Flecken entwickelt.

Stammtische kommen regelmäßig im Barbu vorbei, Sportmannschaften schauen nach dem Training vorbei, Vereine halten ihre Sitzungen in dem Bistro ab. „Es läuft richtig gut inzwischen“, sagt Hüseyin Hatay über die Entwicklung.

Tatsächlich gönnt sich beim Testbesuch an einem regnerisch-grauen Montagabend nicht nur ein Monteur auf der Durchreise einen späten Döner-Teller. An der Theke lehnen auch ein paar Stammgäste, die auf einen Sprung vorbeigekommen sind, eine mit schwarzem Kunstleder bezogene Eckbank ist mit einer Rentner-Gruppe belegt. Richtig ins Brummen kommt das Barbu mit seinen immerhin 70 Sitzplätzen aber an den Wochenenden. Dank Sportsender-Abo ist das Lokal vor allem bei Fußballfans angesagt – das VfB-Banner im Gastraum mag als Beleg für die Anziehungskraft der Live-Übertragungen dienen.

Insofern könnte der Name des Lokals auch für „Bar“ und „Bundesliga“ stehen. Gastronom Hatay übrigens darf beim Fleisch durchaus als Fachmann gelten, jahrelang hat er Kebap-Spieße aus Scheibenfleisch gefertigt und ist nach wie vor an der Kebap-Factory in der Waiblinger Ernst-Bihl-Straße beteiligt. Tiefkühl-Döner kommt ihm deshalb nicht ins Haus, der Barbu-Chef will mit Frische punkten.

Und vielleicht auch deshalb steckt in den Burgern, die beim Testbesuch auf den Tisch kommen, tatsächlich ein Holzspieß mit der Aufschrift „vegan“. Als richtiger Burger, so lernen wir augenzwinkernd, zählt in Remshalden nur ein Brötchen, in dem wenigstens 300 Gramm Rindfleisch liegen. Alles drunter ist offenbar nicht nur eine halbe Portion, sondern geradezu fleischlos. Womöglich wurde in der Küche aber auch nur das falsche Stäbchen erwischt – einen Veggie-Burger gibt es in Grunbach schließlich auch.