Testfahrt der Feuerwehr in Fellbach Eine Dienstfahrt zum Aufrütteln

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Für die Drehleiter wird es in den Straßen im Fellbacher Oberdorf nicht nur wegen Falschparkern oft eng. Bei einer mehrstündigen Testfahrt werden die Retter immer wieder ausgebremst. Im Ernstfall könnte das schlimme Folgen haben.

Millimeterarbeit mit Hilfe von außen: Bei einem Brand bliebe keine Zeit für solche Rangiermanöver Foto: Eva Herschmann
Millimeterarbeit mit Hilfe von außen: Bei einem Brand bliebe keine Zeit für solche Rangiermanöver Foto: Eva Herschmann

Fellbach - Timo Thalau steuert die zehn Meter lange und 2,40 Meter breite Drehleiter mit sicherer Hand durch die Engstelle. Nur wenige Zentimeter Platz ist zwischen dem roten Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach und den auf beiden Seiten geparkten Autos in der Schillerstraße.

Vor allem in Wohngebieten sei das Durchkommen oft schwierig

Solche Situationen kennt der Fahrer zuhauf. „Man muss einfach ruhig bleiben, wenn es eng wird, auch bei einem Einsatz“, sagt er. Bei der Fahrt am Mittwochabend ging es aber nicht darum, schnell zum Einsatz zu kommen, sondern um Engstellen und Falschparker.

„Die Drehleiter ist unser längstes Fahrzeug, zudem steht der Korb noch über das Führerhaus hinaus, was das Rangieren schwierig macht, da stören sogar Straßenschilder“, sagt Hansjörg Bürkle, der stellvertretende Abteilungskommandant der Fellbacher Feuerwehr. Vor allem in Wohngebieten sei das Durchkommen oft schwierig, berichtet Dirk Heinrich vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), der die Drehleiter auf ihrem Weg durch die engen Straßen im Oberdorf begleitet.

Manches sei seit der letzten großen Testbefahrung im Jahr 2013 besser geworden

Brenzlig wird es, wenn in der ohnehin engen Straße auch noch falsch geparkte Fahrzeuge den Weg versperren. Nur wenige Meter vom Feuerwehrgerätehaus entfernt, in der Mozartstraße, steht ein Kleinwagen viel zu weit im Kurvenbereich. „Müssten wir hier in die Straße hinein, hätten wir ein Problem, zumal unser Tanklöschfahrzeug noch zehn Zentimeter breiter ist als die Drehleiter“, sagt Hansjörg Bürkle kopfschüttelnd. Ohne Einweisen hat Timo Thalau auch bei dieser „Feuerwehrfahrt zum Aufrütteln von Parksündern“ manchmal keine Chance, um Kurven herumzukommen. „Wenn uns einer den Weg versperrt, müssen wir zur Not alles zu Fuß zum Einsatzort bringen, und das dauert länger“, sagt der Vize-Kommandant. Doch wenn es um Menschenleben geht, zählen Sekunden.

Die Drehleiter erregt bei ihrer abendlichen Testfahrt in den engen Straßen wie beispielsweise dem Ulmenweg Aufmerksamkeit

Manches sei seit der letzten großen Testbefahrung im Jahr 2013 besser geworden, berichtet Hansjörg Bürkle. „Es ist vieles abgearbeitet worden, etwa in der Christofstraße, die im hinteren Drittel quasi wie ein Keil zusammenlief.“ Inzwischen sei der breite Gehweg zugunsten von Parkplätzen verschmälert worden, wobei die Fußgänger noch immer genügend Platz hätten. „Und für uns ist die Situation viel besser geworden.“ Ähnliches könnte man auch im Kelterweg machen, findet Bürkle. In der schmalen Bergstraße wiederum sei nun dank einer Neuordnung und etwas mehr Abstand zwischen den auf beiden Seiten geparkten Fahrzeugen die Durchfahrt viel leichter.

Die Drehleiter erregt bei ihrer abendlichen Testfahrt in den engen Straßen wie beispielsweise dem Ulmenweg Aufmerksamkeit. Fenster gehen auf, Menschen gucken raus. „Wenn die sehen, wie die Feuerwehr hier rangieren muss, das sensibilisiert“, sagt Dirk Heinrich. Denn nicht immer seien die Falschparker, die den Fünf-Meter-Abstand zur Kurve nicht einhalten, das Problem. Auch die „Felgenschonparker“, sagt der Mann vom Ordnungsdienst, die verbotenerweise weit weg vom Fahrbahnrand stehen, behinderten den Verkehrsfluss. Wenn dann, wie beispielsweise im Erlenweg, der Platz begrenzt ist, kann das fatale Folgen haben. „Vor allem, wenn da nicht nur Kleinwagen stehen, sondern auch SUVs“, sagt Bürkle.

Mehr als drei Stunden lang sind die Feuerwehrleute und der Mann vom KOD unterwegs. „Im Ernstfall hätte ich an die elf Strafzettel verteilt, diesmal gab es aber nur Hinweiskarten“, erzählt Heinrich. Bei der Feuerwehrfahrt zum Aufrütteln von Parksündern sollen die Autofahrer nicht zahlen müssen, sondern sensibilisiert werden. „Es geht schließlich um die Sicherheit“, sagt Dirk Heinrich.