Deniz Undav ist hinterhergetrottet. Vorneweg gingen Joshua Kimmich und Thomas Müller auf der Ehrenrunde nach dem 0:0 gegen die Ukraine. Es war zwar kein Ergebnis zum Feiern in Nürnberg, aber die deutsche Nationalmannschaft wollte noch einmal ihren Dank für die Unterstützung im Max-Morlock-Stadion zum Ausdruck bringen und suchte zudem die Nähe zu den Fans. Die Heim-EM (14. Juni bis 14. Juli) steht an, und da will das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann eng mit dem Anhang verbunden sein, um mit neuem Wir-Gefühl weit zu kommen.
Doch Undav war erst einmal geknickt. Das war seiner Körpersprache zu entnehmen. Der Offensivspieler des VfB Stuttgart hatte die letzte, gute Möglichkeit vergeben, in der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu erzielen. Er scheiterte an dem starken Gästetorhüter Anatoliy Trubin.
Es wäre Undavs erstes Länderspieltor im dritten Einsatz gewesen. Zuspruch erhielt der 27-Jährige auf diesen nachdenklichen Metern rund um den Rasen von seinem Vereinskollegen Waldemar Anton. „Im Großen und Ganzen war das Spiel okay. Wir haben phasenweise Druck gemacht, aber es hat einfach das Tor gefehlt“, sagte der Abwehrspieler. Erstmals stand er in der Startelf – und erfüllte seine Aufgaben. „Es hat Spaß gemacht“, sagte der Innenverteidiger, der zunächst an der Seite von Jonathan Tah auflief. „Ich kenne ihn schon lange. Wir haben uns verstanden“, sagte Anton zu den Abläufen.
Ebenfalls von Beginn an im Testspiel dabei: Maximilian Mittelstädt. Dabei stellt man sich schon die Frage, ob das noch erwähnenswert ist. Der Stuttgarter hat es geschafft, sich in nur drei Länderspielen zur Stammkraft im DFB-Team zu empfehlen. Als Linksverteidiger mit Offensivdrang. Noch besser wurde es für Mittelstädt nach der Pause. Chris Führich kam in die Partie, sein gewohnter Partner aus dem Club.
Mehr VfB-Element geht – mit Ausnahme des Ersatztorhüters Alexander Nübel – im DFB-Spiel kaum. Alle vier Feldspieler bot Nagelsmann im zweiten Durchgang auf, mit klaren Rollen. Mittelstädt hat sich festgespielt, Anton gilt als erster Herausforderer für die Innenverteidiger Jonathan Tah und Antonio Rüdiger, Undav und Führich sind die Fachkräfte für frischen Schwung.
Wie gegen die Ukraine. Weil es gegen den EM-Teilnehmer eng wurde und Undav unverhofft Lücken finden kann. Weil der Bundestrainer mit Führich das Flügelspiel forcierte und mit Flanken in den Strafraum variantenreicher spielen lassen wollte. Beim reinen VfB-Angriff wurde Undav jedoch geblockt (56.). Und da er später wieder nicht traf, verging dem 27-Jährigen erst einmal die gute Laune – aber dieser Gemütszustand wird bei Undav nicht lange anhalten.