Drive-in-Teststelle am Sindelfinger Glaspalast 25-jähriger Betreiber hat alle Hände voll zu tun

Wenn viel zu tun ist, hilft Kevin Mac in der Teststelle mit aus. Foto: /Stefanie Schlecht

Kevin Mac betreibt gemeinsam mit Schulfreund Bodo Ockenfels die Teststelle am Sindelfinger Glaspalast. Der Student spricht über seinen hektischen Arbeitsalltag, Probleme mit den Behörden und woher seine Motivation kommt.

Sindelfingen - Kevin Mac hat allerhand zu tun. Beinahe im Minutentakt meldet sich sein Handy, hin und wieder zückt er es und wirft einen prüfenden Blick auf das Display. Seit er im vergangenen Juni die Drive-in Teststelle am Glaspalast gemeinsam mit seinem ehemaligen Schulfreund Hans Bodo Ockenfels aufgemacht hat, arbeitet er fast non stop. So wie auch an diesem grauen Montagnachmittag, an dem er sich zwischen dem Zelt für die Test-Mitarbeitenden und dem zum Büro umfunktionierten Container auf dem Gelände des Glaspalastes bewegt.

 

„Eigentlich bin ich in der Gastronomie tätig“, erzählt der 25-Jährige. Doch als sein Freund Bodo, den er seit der ersten Klasse kennt, ihn fragte ob er Zeit hätte ein Testzentrum aufzumachen, habe er sich gedacht: „Man kann’s ja mal versuchen“, erzählt Mac. Der Versuch war von Erfolg gekrönt: Mithilfe der Expertise von Bodo Ockenfels’ Vater, der in Hamburg und am Frankfurter Flughafen Testzentren betreibt, bauten sie die nötige Infrastruktur schnell auf. Auf die Parkplatzfläche sei Kevin Mac auch wegen der Nähe zum Tennisverein gekommen: „Ich war lange Tennisspieler beim VfL Sindelfingen. Es gibt viele Sportler in dem Verein, aber direkt hier im Zentrum gab es kein großes Test-Angebot.“ Da die Teststelle im nahe gelegenen Ikea häufig überlaufen gewesen sei, sprach Mac mit dem Geschäftsführer des Glaspalastes, ob die Fläche vor dem Veranstaltungsgebäude für einen Drive-in genutzt werden könnte. Ein solcher Drive-in sei besonders im Winter „super praktisch“, erzählt Mac, weil die Testwilligen nicht draußen in der Kälte stehen müssen.

Nachfrage war teilweise kaum zu bedienen

„Wir haben im Drive-in insgesamt drei Spuren, die auch eigentlich alle durchgehend geöffnet sind“, erklärt der 25-Jährige. Damit sich die Autos nicht bis auf die Straße stauen, fahren sie in eine ringförmige Warteschlange. „Wir schauen immer wieder, wie sich die Buchungen entwickeln“, sagt der Sindelfinger, ob sich Tendenzen oder Muster erkennen ließen. Morgens sei zum Beispiel meist viel los, zur Mittagszeit werde der Testbetrieb ruhiger und zum Nachmittag hin wieder geschäftiger. „Am Anfang war das alles Neuland, aber es hat sich gut eingependelt“, resümiert der gebürtige Darmsheimer.

Die Mitarbeiter hätten sie vor allem über Stellenanzeigen bei Facebook und Instagram gefunden. Viele Bewerbungen hätten sie erreicht, doch ihm sei vor allem wichtig, „dass das Team funktioniert“. Mittlerweile habe er das Gefühl, dass das Team „wie eine kleine Familie“ zusammengewachsen sei. Beim Hygienekonzept für die Teststation ist Ockenfels’ Mutter tätig gewesen, die Ärztin ist. „Im Sommer hatten wir von 8-20 Uhr geöffnet“, erzählt Mac, mittlerweile ist die Teststelle ab 10 Uhr geöffnet. Im Juni, zur Inbetriebnahme, sei der 25-Jährige jeden Tag am Glaspalast gewesen – „momentan auch wieder“, sagt er. Die Nachfrage nach Corona-Tests sei mit der Umstellung auf 3G am Arbeitsplatz so stark gestiegen, dass die Testwilligen Mac und seinem Team so manches Mal „die Hütte eingerannt“ hätten.

Gesundheitsamt lehnt weitere Teststation in Böblingen ab

So sei dann auch die Idee entstanden, eine weitere Drive-in Teststelle auf dem Gelände eines Baumarktes in Böblingen aufzumachen – doch das Gesundheitsamt lehnte ab. Auf Anfrage erklärt die Landkreis-Sprecherin Simone Hotz: „Wir haben unter allen Kommunen eine Umfrage gemacht und so den Bedarf ermittelt.“ Und Böblingen habe schlicht keinen Bedarf für ein weiteres Testzentrum vermeldet. Zudem sehe die aktuelle Verordnung vor, dass die Gesundheitsämter nur bis zum 15. Dezember Teststellen beauftragen dürfen – vermutlich wolle der Bund die Zentren, die teils überhand nähmen, „bremsen“, sagt Hotz.

Für Kevin Mac ist diese Reaktion nicht ganz verständlich: „Wir stehen hier an vorderster Front und sehen den hohen Bedarf“, sagt der 25-Jährige. Weil die Menschen teilweise „aus Gärtringen oder Neubulach“ kämen, haben Mac und sein Partner Bodo Ockenfels am vergangenen Wochenende eine zweite Teststelle auf dem Parkplatz des Edeka Weinle in Gärtringen aufgemacht – dort allerdings nicht mit Drive-in, sondern ganz klassisch im Container.

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„Schlimm wird es, wenn Leute beleidigend werden“

„Die Arbeit macht Spaß“, findet der Sindelfinger. Viele Kunden würden die Teststelle loben, das motiviere das Team noch einmal mehr. „Es gibt wirklich tolle Leute hier, eine 65-jährige Frau hat uns letztens einen Kuchen vorbeigebracht“, erinnert sich Mac. Doch auch die Meckerer gebe es hin und wieder, diejenigen, die ihren Unmut über die Politik oder die Pandemie an Kevin Mac und seinem Team ausließen: „Schlimm wird es, wenn Leute beleidigend werden“, sagt Mac, und der junge Mann ergänzt: „Ich hatte auch schon Mitarbeiter, die geweint haben, nachdem ein Kunde sie angeschrien hat.“ Doch die Netten seien immer noch in der Überzahl, schmunzelt er – als sich sein Handy wieder meldet. „Ich habe einen Anruf bekommen, ist es ok, wenn ich kurz rangehe?“

Fragt man Kevin Mac nach seinem Tagesablauf, muss er nicht lange überlegen: „Viel telefonieren.“ Nicht nur mit Bodo Ockenfels, der in Kiel studiert, stehe er in ständigem Austausch, auch mit Lieferanten, mit seinen mittlerweile etwa 30 Mitarbeitern und mit den Behörden. Die Teststelle erfordere eben viel Planung, Inventur und aufgrund des hohen Papierverbrauchs viele Materialbestellungen. Der 25-Jährige, der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim studiert und nur noch seine Bachelorarbeit schreiben muss, hat seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse nicht nur im Studium gewonnen: „Ich komme aus einer Selbstständigen-Familie,“ erzählt er. Bereits mit 16 Jahren habe er angefangen, im Restaurant der Familie auszuhelfen und insbesondere sein Vater, der sich als jüngstes von insgesamt elf Geschwistern immer habe „durchschlagen“ müssen, sei ihm in Sachen Geschäftstüchtigkeit ein Vorbild. Über Zahlen spricht Mac nicht gern, aber die Teststellen lohnten sich „auf jeden Fall“, sagt er. „Wir betreiben die Testzentren aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen“, versichert Mac, „sondern auch weil wir mithelfen wollen die Pandemie einzudämmen.“

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Teststellen im Kreis Böblingen

Lange Warteschlangen
 Neben den bekannten Testzentren bieten auch viele Ärzte, Zahnärzte und Apotheken Corona-Tests an. Eine vorherige Anmeldung ist fast immer möglich und erwünscht.

Teststellen Insgesamt gibt es 125 Teststellen im Landkreis Böblingen. Einen Überblick über die Zentren findet man auf der Seite des Landratsamtes unter https://www.lrabb.de/start/Aktuelles/testzentren.html.

Die Beauftragung
 der Teststellen erfolgt bedarfsgerecht durch das Gesundheitsamt. Laut aktueller Verordnung dürfen die Gesundheitsämter von diesem Mittwoch an aber keine Teststellen mehr beauftragen.

Testergebnis
 Die Schnelltests benötigen 15 Minuten, bis ein zuverlässiges Ergebnis angezeigt wird. Viele Teststellen haben eine sogenannte Zeitsperre, die verhindern würde, dass das Ergebnis vor Ablauf der Zeit verschickt wird. 

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