Es klingt ganz einfach und oft wird viel versprochen. Im Internet werben Anbieter für schnelle und kostengünstige Rechtsberatung rund um die Uhr. Doch im Praxistest überzeugte kein geprüfter Anbieter. Manches war gar „haarsträubend“.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Die Stiftung Warentest hat fünf Vermittlungsportale und zwei Online-Anwaltskanzleien unter die Lupe genommen, die auf ihren Webseiten schriftliche Rechtsberatung zu vielen Themen anbieten. Die Verbraucherschützer baten in fünf konstruierten Problemfällen aus dem Miet-, Vertrags-, Verkehrs-, Arbeits- und Bankenrecht um Rat. Bewertet wurden die Antworten, die Infos und Nutzerfreundlichkeit der Webseiten sowie die Klauseln im Kleingedruckten und in der Datenschutzerklärung.

 

Mehr schlecht als recht – so lautet das Fazit der Studie, die in der neuen Ausgabe des Stiftungsmagazins Finanztest (Juli 2024) nachzulesen ist. „Die Rechtsberatung per Mausklick hat uns nicht überzeugt“, sagt Rechtsexpertin Eugénie Zobel. Jeder Anbieter habe sich mindestens einen Aussetzer geleistet: „Zum Teil erhielten wir haarsträubende Ratschläge.“ Die Preise für die Online-Beratung reichten dabei von fünf bis fast 290 Euro. „Der Ablauf war überall unkompliziert, das Übermitteln von Dateien je nach Anbieter mehr oder weniger umständlich“, so die Experten.

Fast alle Berater versagten im Testfall

Fast alle Berater versagten im Testfall einer überhöhten Miete und fehlerhaften Nebenkostenabrechnung. Nur eine von sieben Antworten sei wenigstens ansatzweise brauchbar gewesen, so Finanztest. Ansonsten sei das Ergebnis verheerend, das Portal Recht 24/7 behauptete gar, die Abrechnung sei korrekt. Im Fall der unzulässigen einseitigen Preiserhöhung bei einem laufenden Festnetzvertrag berieten nur drei Juristen von „JustAnswer“, „YourYpert“ und Frag-einen-Anwalt richtig.

Beim Verdacht auf Unfallflucht mit dem Mietwagen gab es besonders krasse Fehler. Recht 24/7 habe allen Ernstes empfohlen, wahrheitsgemäß bei der Polizei auszusagen. „Dazu sind Betroffene aber nicht verpflichtet“, warnt die Stiftung Warentest. Vielmehr sollten Beschuldigte erst einmal nichts sagen und einen Strafverteidiger einschalten, der die Akte und Rechtslage prüfen kann. Die übrigen sechs Anbieter gaben diese richtige Empfehlung.

Auch beim Musterfall eines drohenden Jobverlusts während der Elternzeit enttäuschte die Mehrzahl der Online-Juristen. Recht 24/7 habe gar geraten, das dürftige Abfindungsangebot von drei Monatslöhnen anzunehmen, obwohl die Elternzeit noch so lange lief, in der Kündigungsschutz besteht und das Gehalt ohnehin bezahlt werden muss. Nur „AnwaltOnline“ und Frag-einen-Anwalt gaben die richtigen Hinweise und rieten, entweder eine höhere Abfindung zu verlangen oder gegen die Kündigung zu klagen.

Ernüchternde Ergebnisse

Wenig überzeugen konnten die Online-Juristen auch beim kniffligen Testfall aus dem Banken- und Erbrecht. Dabei sollte eine Alleinerbin einen angeblichen Kredit ihres verstorbenen Vaters an einen Anwalt zurückzahlen, der die Forderung mit einem Schreiben geltend macht. Die Betroffene fragt, wie sie reagieren soll. Die Musterlösung wäre, die Forderung erst mal fristgerecht binnen zwei Wochen zurückzuweisen und die Bankunterlagen zu verlangen. Zudem könnte Nachlassverwaltung beim Amtsgericht beantragt werden, dann muss vom Erbe nur gezahlt werden, was noch übrig ist.

Nach diesen ernüchternden Ergebnissen rät die Stiftung Warentest, sich besser selbst erst einmal schlau zu machen: „Wer Hilfe bei einem juristischen Problem benötigte, sollte zunächst kostenlose Alternativen zur Online-Beratung versuchen.“ Als erste Maßnahme könne die Recherche im Internet nach aktuell geltenden Regeln und Gerichtsurteilen hilfreich sein. Sofern sich dabei nicht schon ein eindeutiges Bild ergebe, könnten je nach Rechtsfrage unter anderem Mietervereine, Verbraucherzentralen oder Schlichtungsstellen helfen.

Auf Bewertungen von Anwälten im Internet sollte man sich dagegen nicht verlassen, warnt Finanztest. Sinnvoller sei, bei der Anwaltssuche darauf zu achten, ob Juristen als Fachanwälte auf den Problemfall spezialisiert sind. Wer in den Vorstand der Anwaltskammer oder in eine Arbeitsgemeinschaft beim Deutschen Anwaltsverein gewählt ist, werde zudem von seinen Kollegen für kompetent gehalten.