Einst hat sie die Stadt und deren Bewohner geschützt. Diese Funktion hat sie schon vor langer Zeit verloren – jetzt muss sie geschützt werden, aber das kostet Geld. Die in Teilen erhaltene historische Stadtmauer der einstmals freien Reichsstadt ist eines der wichtigsten Kulturdenkmäler von Weil der Stadt und ist noch immer Teil der Stadt. Stellweise nutzte die Bürgerschaft die stabilen Mauern als Rückwände für ihre Häuser und Scheunen. So gingen Teile der Stadtmauer in privates Eigentum über, während andere der Stadt gehören. Die Kommune ist dabei, das historische Erbe, das ihr äußeres Erscheinungsbild neben den markanten Türmen wesentlich prägt, mit großem finanziellem Aufwand Stück für Stück zu sanieren. Verschiedene Fördertöpfe steuern Zuschüsse bei.
Diesen Anspruch auf Unterstützung haben auch Privatleute, denen Teile der Stadtmauer gehören und die sie als Bestandteile ihrer Gebäude nutzen. Die Stadtverwaltung nennt als Beispiele Häuser in der Brenzgasse und der Winkelgasse. Wie die Mauerteile in Privateigentum übergingen, lässt sich laut dem Kämmerer der Stadt, Ulrich Knoblauch, heute nicht mehr so recht nachvollziehen. Wahrscheinlich seien sie vor rund 200 Jahren an die dort lebenden Bewohner verkauft worden. Es gebe einen zehn Jahre alten Masterplan für die Stadtmauer, aus dem aber nicht hervorgehe, wo die privaten Anteile seien. Fest steht, dass derjenige, dem das Mauerstück gehört, für den Unterhalt des Denkmals aufkommen muss, erläuterte Knoblauch vor Kurzem dem Gemeinderat.
Denkmale sind teuer im Unterhalt
Anlass, das Thema auf die Tagesordnung des Gremiums zu nehmen, war ein Angebot eines privaten Eigentümers, sein Mauerstück an die Stadt abzugeben, allerdings für einen fünfstelligen Betrag, so Ulrich Knoblauch. Deswegen holte die Verwaltung jetzt die generelle Zustimmung des Gremiums dafür ein, „im Privateigentum befindliche Anteile der Stadtmauer auf Antrag der Grundstückseigentümer in das städtische Eigentum zu übernehmen“, sofern diese von den angrenzenden Gebäuden ohne Schwierigkeiten abgegrenzt werden können. Geld bezahlt die Stadt für die reine Mauerfläche nicht, höchstens für darüber hinausgehende Grundstücksflächen.
Kein Geld für private Mauerteile
In der Vergangenheit seien der Stadt öfters Mauerstücke zum Kauf angeboten worden. Man habe stets die Verpflichtung gesehen, dieses „überaus wichtige Kulturdenkmal“, so Ulrich Knoblauch, zu übernehmen. Weil mit dem Eigentum an der Mauer auch die Verpflichtung zum Erhalt dieses Denkmals verbunden ist, hat die Stadt sie nur unentgeltlich übernommen, erklärte der Kämmerer. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. Das hat jetzt der Gemeinderat nahezu einstimmig – bei zwei Enthaltungen – bestätigt.