Teure Luftfahrt Turbulenzen bei Flugpreisen

Flüge von Stuttgart nach Mallorca sind seit März wieder möglich. Foto: /7aktuell

Die Fluggesellschaften wollen so schnell wie möglich zur Normalität zurück – und auch zu normalen Preisen. Verbraucher müssen daher vergleichen.

Frankfurt - Lufthansa-Chef Carsten Spohr scheint selbst ein ewig überrascht zu sein. Schon 84 Prozent aller Ziele, die Europas größte Fluggesellschaft vor der Coronakrise im Angebot hatte, fliegen der Kranich und seine Geschwister aus Österreich, der Schweiz und Belgien schon wieder an. Und wenn – in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit – die US-Regierung europäischen Bürgern auch wieder die Einreise erlaubt, dann sollte sich auch der transatlantische Flugverkehr schnell wieder erholen, meint Spohr.

 

Reisende müssen sich auf die Rückkehr zur Realität einstellen

Sein Optimismus stützt sich auf die jüngsten Buchungszahlen, die nicht nur bei der Lufthansa, sondern auch bei den Konkurrenten deutlich angezogen haben, als die ersten Lockerungen bei den Reisebeschränkungen in Kraft getreten sind. Zum Ende des Sommers rechnet der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Jens Bischof, wieder mit einem „fast normalen“ Reisegeschäft. Allen Airline-Chefs wäre es durchaus recht, wenn der Sommer in diesem Jahr sich weit bis in den Herbst ziehen würde. „Wir sind darauf eingestellt“, betont etwa der Reiseriese Tui.

Einstellen auf die Rückkehr zur Normalität müssen sich auch die Reisenden. Nachdem die ersten Reiseveranstalter bereits angedeutet haben, dass sie ihre großzügigen Storno- und Umbuchungsbedingungen nicht ewig fortführen werden, ziehen nun auch die Linienfluggesellschaften nach. Man könne immer noch alle Tarife problemlos umbuchen, versichert Marcus Frank, Preisstratege der Lufthansa. Wer allerdings die günstigsten Tarife bucht, muss jetzt wieder eine Umbuchungsgebühr zahlen.

Langfristige Buchungen werden immer seltener

Und weitere Kosten und Einschränkungen bei der Planung könnten hinzukommen, wenn keine weiteren Rückschläge mehr kommen. „Wir müssen unsere Preise heute viel flexibler planen als früher“, erläutert Frank. Bis März vergangenen Jahres habe man die Preise für jeden Flug und jede Strecke anhand von historischen Daten festlegen können. „Jetzt gibt es keine Historie mehr“, sagt Frank. Die Kunden würden viel kurzfristiger entscheiden. Früher habe man die Nachfrage einteilen können in die Kunden, die bis zu einem Jahr im Voraus gebucht haben, weil dies ihr jährlicher Urlaub war oder der traditionelle Weihnachtsbesuch bei Verwandten. Dann kamen die Buchungen hinzu, die zwischen 30 und 90 Tagen vorab festlagen, und darunter war ein Anteil an kurzfristigen Buchungen. Heute könne man froh sein, wenn sechs Wochen im Voraus eine Buchung feststehe, damit man überhaupt die Größe der Maschinen entsprechend planen könne. Aber das sei leider nicht oft der Fall. Man müsse heute einfach flexibel sein, was früher eher automatisch ging, werde heute fast nur noch manuell erledigt. Für jeden Einzelfall prüfen die Lufthansa-Experten die Auslastung und entscheiden dann über die jeweiligen Preise und das passende Flugzeug. So kann es schon mal sein, dass bei starker Nachfrage ein Jumbo, ein Großraumflugzeug für die Langstrecke, nach Mallorca fliegt – so geschehen im Juli.

Experten: Das Preisniveau wird sich nicht wesentlich erhöhen

Genauso flexibel müssen die Passagiere sein. Da die Preise bei steigender Nachfrage schnell steigen, muss man am besten täglich die Preise vergleichen, wie das Vergleichsportal Check 24 rät. In nur einer Woche sind zum Beispiel Anfang Juli die Preise nach Mallorca um 20 Prozent gestiegen, die nach Griechenland sogar um 40 Prozent – aktuell sieht es umgekehrt aus, weil Mallorca wieder zum Hochinzidenzgebiet geworden ist und Griechenland mit den Flammen kämpft.

Langfristig aber werde sich das Niveau der Flugpreise nicht wesentlich erhöhen, meinen Experten. Der Wettbewerb in der Branche sei nach wie vor hart, einige Anbieter würden zwar wegen der Krise vom Markt verschwinden, doch nach wie vor ist die angebotene Kapazität höher als die Nachfrage. Den Iren Michael O’Leary schreckt die Pandemie nicht ab: Trotz eines Rekordverlusts von knapp einer Milliarde Euro will Europas größter Billigflieger und Dumpinganbieter Ryanair die Flotte noch stärker aufstocken : 210 statt bisher 135 neue Boeing 737 Max sind nun geordert, 200 Millionen Passagiere will Ryanair schon bald pro Jahr befördern.

Preisvergleiche zwischen Bahn und Flug sind schwierig

Umweltschützer werden das nicht gerne hören – sie hoffen, dass durch die Pandemie die Verkehrswende beschleunigt wird. Leider haben die politischen Maßnahmen zu wenig gebracht, meint Alexander Kaas-Elias, Sprecher für sozial verträgliche Mobilitätswende beim Verkehrsclub für Deutschland (VCD). Selbst bei Verbindungen, auf denen die Bahn Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgebaut habe wie zwischen Berlin und München, sei zwar die Passagierzahl bei der Bahn gestiegen, aber eben auch in der Luft. Ein Preisvergleich zwischen Flug und Bahn sei ohnehin schwierig, weil sich die Preise von Tag zu Tag ändern können, sagt Bastian Kettner, der Sprecher für Bahnverkehr des VCD. Durch die Neubaustrecken zwischen Mannheim und Stuttgart sowie zwischen Erfurt und Leipzig sei aber die Attraktivität der Schienenverbindung zwischen Stuttgart und Berlin gestiegen – ob dies wirklich angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Bahn oder Flugzeug? Ein Streckenvergleich von Berlin nach Stuttgart

Lufthansa
Das Flugzeug schlägt auf der Strecke von über 600 Kilometern zwischen Berlin und Stuttgart andere Verkehrsmittel zeitlich um Längen. Eine gute Stunde dauert der Flug mit der Lufthansa beziehungsweise deren Tochter Eurowings. Dafür muss man aber für den einfachen Flug mindestens 176 Euro für ein Ticket in der Economy-Klasse auf den Tisch legen.

Deutsche Bahn
Bei der Deutschen Bahn (DB) lohnt es sich, möglichst frühzeitig zu buchen. Dann kann man zwischen dem Super-Sparpreis, dem Sparpreis und dem Flexpreis wählen. Zu dem für alle drei Anbieter ausgewählten Termin am kommenden Freitag liegt der Super-Sparpreis bei 109,90 Euro, ist aber nicht stornierbar. Flexibilität kostet 50 Euro mehr.

Flixtrain
Der private Anbieter ist vom Preis her auch der günstigste: Nur 64,99 Euro kostet die Fahrt vom Berliner Hauptbahnhof zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Abfahrt ist, ähnlich wie bei der DB, im Beispiel um 15.24 Uhr, Ankunft um 21.19 Uhr. Flixtrain bietet allerdings deutlich weniger Verbindungen an als die Konkurrenz von DB und Lufthansa.

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