Teure Sanierung in Gerlingen Das Stadtmuseum erhitzt die Gemüter

Die Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes spaltet die Gemüter. Foto: Simon Granville

Der Gerlinger Gemeinderat verabschiedet eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Kultureinrichtung. Die Vorzugsvariante würde 8,7 Millionen Euro kosten.

Auch das einst reiche Gerlingen ist nicht mehr auf Rosen gebettet. Bestes Beispiel: die Sanierung des Stadtmuseums. Seit Jahren geplant, dann in Teilen wieder verworfen und zurückgestellt, will das Projekt partout nicht recht vorankommen. Inzwischen ist die Stadt dazu übergegangen, ohne gesicherte Finanzierung zu planen.

 

Das Sanierungsvorhaben Stadtmuseum eine fast unendliche Geschichte zu nennen, dürfte nicht übertrieben sein. Schon vor zehn Jahren hat der Gemeinderat die Sanierung des Alten Schulhauses, in dem seit 1986 das Museum der Stadt untergebracht ist, angemahnt. Schon damals war klar: Die Haustechnik ist marode, das Gebäude nicht barrierefrei und der Raumbedarf des Museums groß.

Auf große Pläne folgt die Machbarkeitsstudie

In Zeiten gefüllter Kassen waren das keine unüberwindbare Hürden: Ganz in der Tradition des sprichwörtlichen Gerlinger Standards dachten Stadt und Gemeinderat deshalb erst einmal üppig: Ein zweistöckiger neuer Erweiterungsbau für rund 1,1 Millionen Euro sollte die Platznot lindern und zugleich Ausweichflächen für die Sanierung des Hauptgebäudes liefern.

In der Folge wurde geplant, untersucht – und letztlich das meiste wieder verworfen: Spätestens 2021, der Stadtsäckel hatte sich merklich geleert, waren die Neubaupläne Geschichte, und damit auch die Gesamtsanierung in weite Ferne gerückt.

Geht nichts mehr voran, hilft meist eine Machbarkeitsstudie, die der Gemeinderat 2022 dann auch prompt in Auftrag gegeben hatte. Das Ergebnis der Studie, die das Stuttgarter Architekturbüro Coast durchgeführt hat, wurde nun am Mittwoch im Gemeinderat präsentiert.

Die teure Variante Numero Fünf

Sechs mögliche Umbauvarianten hatten die Architekten mitgebracht. Eine davon, Variante 5, hatten Stadt und Planer zur Vorzugsvariante erklärt: Nach dieser würden die Besucher das Museum künftig von Nordosten über einen neu gestalteten Vorplatz und einen kleinen Foyeranbau betreten. Der Vorteil: Durch die Auslagerung des Empfangsbereichs aus dem eigentliche Gebäude könnte der Mehrzweckraum im Erdgeschoss künftig uneingeschränkt genutzt werden. Ein verglaster Aufzug am Foyerbau würde die verschiedenen Stockwerke barrierefrei erschließen. Rund 200 000 Euro mehr als die anderen untersuchten Umbau- und Sanierungsvarianten würde die Variante 5 wohl kosten. Die Sanierung des Gebäudeensembles aus Altem Schulhaus, dem sogenannten Wohnhaus, Hof, Scheune und Remise würde geschätzte rund 8,7 Millionen Euro kosten.

Ein Batzen Geld. Wie Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) im Gemeinderat deshalb betont, sei mit der zu beschließenden Festlegung auf eine Variante weder ein Projekt- noch ein Baubeschluss verbunden. „Es handelt sich vielmehr um eine Zielplanung“, so Oestringer. Soll heißen: Was von dem betreffenden Entwurf tatsächlich umgesetzt wird und wann, soll erst im Zuge künftiger Haushaltsberatungen entschieden werden.

Gleichwohl üben Teile der Grünen und die Jungen Gerlinger massive Kritik sowohl an der Vorzugsvariante als auch am Plan der Stadt, in einem ersten Schritt die Sanierung der Scheune und des Hofbereichs vorzuziehen und erst danach das Hauptgebäude in Angriff zu nehmen. Die Stadt argumentiert, dass nur durch Auslagerung in den Scheunenbau der Museumsbetrieb aufrecht erhalten werden könne, wenn das Alte Schulhaus saniert würde. Zudem fehle, wie Oestringer erklärt, der Stadt zum jetzigen Zeitpunkt das Geld für die Modernisierung des Haupthauses. Die schlägt allein mit rund fünf Millionen Euro zu Buche.

Björn Maier (Grüne) warnt vor einem Worst-Case-Szenario: „Was ist, wenn wir nach dem ersten Bauabschnitt feststellen, dass kein Geld für das Hauptgebäude da ist?“, fragt der Stadtrat. Er plädierte dafür, das gesamte Projekt zurückzustellen, bis die Finanzierung der Sanierung des Museums gesichert ist.

Mehrheit des Gemeinderats steht hinter der Sanierung

Manuel Reichert von den Jungen Gerlingern (JG) wirft Stadt und Gemeinderat vor, dass der Beschluss für das 8,7 Millionen Euro teure Projekt den Beteuerungen zur Haushaltkonsolidierung nicht entspreche. Auch dass die Wahl nun auf die teuerste der untersuchten Varianten falle, kritisierte der Stadtrat scharf. Die JG-Vorsitzende, Judith Stürmer, nannte es gar „unredlich“, ein Zielbild zu beschließen, von dem ungewiss sei, „ob und wann wir die finanziellen Mittel haben, es umzusetzen.“

Trotz der massiven Kritik sprach sich der Gemeinderat am Ende mehrheitlich dafür aus, auf Grundlage der Vorzugsvariante die weiteren Planungen voranzutreiben. Mit den Baumaßnahmen im Hofbereich, die dem Anschluss des Ensembles an das Fernwärmenetz dienen, will die Stadt 2025 beginnen. Gerlingen erwartet für das Gesamtprojekt Fördermittel in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro.

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