Teure Sparmaßnahme Kein Heißwasser im Böblinger Landratsamt

Das Landratsamt Böblingen hat seinen Mitarbeitern das Warmwasser abgedreht – vorübergehend. Foto: imago/McPhoto

Um Geld zu sparen, schaltete das Landratsamt Böblingen das warme Wasser ab. Jetzt muss es wegen Beschwerden Heißwasser-Boiler nachrüsten – aufwendig und teuer.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Wenn etwas zu heiß gewaschen wird, dann geht manchmal etwas ein. Beim Landratsamt Böblingen war es jüngst genau andersherum. Es wurde zu kalt gewaschen, und dann ging etwas ein – nämlich Beschwerden in der Personalversammlung. Im gesamten Haus konnte man sich nur mit Kaltwasser die Hände waschen. Nach so manchem Außentermin ein echtes Problem.

 

Doch von vorne: Als im Februar 2022 der Ukraine-Krieg begann, bangte ganz Deutschland um seine Energieversorgung. Fraglich war, ob das russische Gas über den restlichen Winter reichen wurde, und überall wurden Möglichkeiten gesucht, Energie zu sparen. Von der Bundesregierung wurde sogar eine Verordnung erschaffen, mit einem Namen, der so lang ist, dass es einem zumindest beim Abtippen schon so richtig warm wird: Die Kurzfristenergieversorungssicherungsmaßnahmenverordnung, kurz Ensikumav, die so ein bisschen nach Sikomatic – wie der gute alte Schnellkochtopf – klingt, wo ja auch ordentlich Dampf entsteht.

Auch im Landratsamt wäscht eine Hand die andere. Foto: picture alliance / dpa-tmn

Fast überflüssig zu sagen, dass im Schwabenland, wo man spart, das Landratsamt Böblingen mit gutem Beispiel voranging. Den Kriegswinter vor Augen beschloss das Amt, die Mitarbeiter sollten nach dem Toilettengang nur noch mit kaltem Wasser die Hände reinigen und schaltete das warme Wasser ab. Und weil man im Landratsamt nicht nur spart, sondern die Sachen gleich richtig macht, wurde die zentrale Warmwasserversorgung komplett außer Betrieb gesetzt. Bei Toilettenanlagen in jedem Stock und mehreren Gebäuden sei da einiges zusammen gekommen, sagte ein Mitarbeiter.

Der Krieg dauerte an und auch in Böblingen blieben die Dinge im Fluss beziehungsweise Abfluss. Manche Mitarbeiter mochten sich vielleicht an den warmen Händedruck erinnern, der dankbaren Bürgern gespendet wurde, andere mochten gedacht haben, dass die Mitarbeiter-Familie in Landratsamt keine jener Familien sei wie die Addams Family im Kino, zu deren Mitgliedern ein eiskaltes Händchen gehört.

Der Unmut staute sich

Jedoch staute sich monatelang der Unmut über das kalte Wasser an, bis eine Woge der Empörung über die Köpfe des Personals schwappte, und das ausgerechnet bei einer Personalversammlung, berichtete der Mitarbeiter weiter. Eiskaltes Wasser sei weder recht noch billig – wilder Zorn brannte auf: Manche mögen es eben heiß. Wobei, wie jener Insider sagte, die Mehrheit der Mitarbeiter durchaus mit dem kalten Wasser klar kam. „Warmduscher“ war noch die gelindeste Bezeichnung der mehrheitlich hartgesottenen Mitarbeiter an der Aktenfront für ihre eher zartbesaiteten Kollegen.

Doch die Führung des Landratsamtes ist keine, die ihre Mitarbeiter im Regen stehen lässt, sei es nun ein kalter oder ein warmer Guss. Noch auf der Personalversammlung wurde Abhilfe versprochen. Es sollte pro Toilette zumindest an einem Waschbecken wieder warmes Wasser geben. Dummerweise war aber die zentrale Wasseraufbereitung inzwischen abgebaut und hier nicht viel zu holen. Da half nur eines, es mussten Elektroboiler her. Das sind die Dinger, die man in den 90er-Jahren auf den Schrott geworfen hatte, weil sie zu viel Strom brauchten.

Kein Strom aus der Steckdose

Im Landratsamt lag aber der Fall anders, da hätten manche Boiler überhaupt keinen Strom aus den Steckdosen gezogen. Denn nach genauer Prüfung der Örtlichkeit in den gewissen Örtchen stellten die Techniker fest, dass es auf manchen Toiletten keine Steckdosen gab. Jetzt lief dem Amtsschimmel wirklich das Wasser heiß und kalt den Buckel runter, aber das Landratsamt, wo man weder halbe Sachen macht noch Geld verschwendet, wusste sich zu helfen.

Wie das Landratsamt offiziell schreibt: „Mussten verschiedentlich noch Steckdosen zur Elektrizitätsversorgung der Durchlauferhitzer nachgerüstet werden. Die Arbeiten wurden in den letzten Wochen schrittweise umgesetzt und werden in Bälde abgeschlossen sein.“

Die 45 Durchlauferhitzer samt Installation kosteten alles zusammen rund 50 000 Euro, „ein Heidengeld“ schimpften viele Menschen im Amt, das waren die mit dem Ausdruck „Warmduscher“ für ihre Kollegen. Doch wie man hört, ist die Belegschaft wieder versöhnt, denn auch im Böblinger Landratsamt wäscht eine Hand die andere. Und demnächst ist auch das Wasser wieder heiß, damit keine Beschwerden mehr einlaufen.

Behörden mit Plan

Ensikumav
Diese Bundesverordnung mit dem Namen Kurzfristenergieversorungssicherungsmaßnahmenverordnung trat unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs am 1. September 2022 in Kraft und galt bis 28. Februar 2023.

Personalversammlung
Das Forum, in dem der Personalrat einer Behörde mit den Angestellten ins Gespräch kommt, nennt man Personalversammlung.

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