Teurer Ausbau Ehrgeizige Ziele für die Schönbuchbahn
200 Millionen hat der Ausbau gekostet: Deshalb und aufgrund vieler Verzögerungen startet der neue Nexio vorbelastet in den Betrieb, schreibt Jan-Philipp Schlecht.
200 Millionen hat der Ausbau gekostet: Deshalb und aufgrund vieler Verzögerungen startet der neue Nexio vorbelastet in den Betrieb, schreibt Jan-Philipp Schlecht.
Wenn im kommenden Jahr aller Voraussicht nach der Festakt zu 30 Jahren (reaktivierter!) Schönbuchbahn begangen wird, wie wird der Rückblick ausfallen? Grundsätzlich positiv, wenngleich die vergangenen fünf Jahre eher eine Geschichte der herben Rückschläge waren. Doch eins nach dem anderen. Wie erfolgreich die Bahn seit der Wiederaufnahme des Betriebs anno 1996 ist, zeigt ein Blick in die nackten Zahlen. Schon am ersten Betriebstag, dem 2. Dezember 1996, steigen schon 3740 Menschen in die Regio-Shuttles. Das waren bereits eineinhalb mal so viele, wie prognostiziert.
Auf den zuvor ausschließlich verkehrenden Buslinien pendelten im Schnitt täglich 2000 Fahrgäste – man ging von einem Niveau in dieser Größenordnung aus. Und die Erfolgsgeschichte ging weiter. Die Bahn wurde dermaßen gut angenommen, dass man schon bald Züge nachbestellen musste, um dem Passagieraufkommen gerecht zu werden. Zur Jahrtausendwende zählte der Zweckverband bereits 5500 Pendler täglich. Die Shuttles waren zu Stoßzeiten überfüllt.
Es ging in diesem Tempo weiter, sodass man an Werktagen im Jahr 2012 bereits die Marke von 10 000 Fahrgästen überschritt, im Schnitt aufs Jahr waren es ebenfalls beachtliche 8000. Im Zweckverband zog man diese Linie weiter und kam zu dem Schluss, dass die Bahn ausgebaut werden müsse – auf Basis der damaligen Zahlen folgerichtig. Gerechnet wurde mit einem weiteren Anstieg des Passagieraufkommens auf 14 000 Fahrten pro Tag im Jahr 2025.
Dieses Jahr schreiben wir jetzt. Nach der Inbetriebnahme der neuen E-Züge ist es daher Zeit für eine Zwischenbilanz. Immerhin sind ja rund 200 Millionen Euro in den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke samt neuer Nexio-Züge geflossen. Davon entfallen rund 130 Millionen auf die Erneuerung der Infrastruktur und etwa 70 auf die Züge. Beides kam verspätet: Aufgrund eines Planungsfehlers waren 80 der 457 neuen Oberleitungsmasten erst einmal falsch dimensioniert – und unbrauchbar. Das kostete zusätzliche Millionen und zusätzliche Zeit.
Weitaus erheblicher war indes die Verzögerung der Züge aus Spanien, die im ursprünglichen Plan zeitgleich mit der elektrifizierten und verbreiterten Strecke an den Start hätten gehen sollen. Stattdessen bremsten Unstimmigkeiten zwischen Ingenieuren und Genehmigungsbehörden den Nexio empfindlich aus: Weitere happige Mehrkosten und Verzögerungen entstanden; zweimal musste die Jungfernfahrt verschoben werden. Jetzt rollt der Nexio – endlich. Und die Diesel-Triebwägen haben endgültig ausgedient. Allerdings haben sich die Fahrgastzahlen auf der Bahn bei Weitem nicht so rapide nach oben entwickelt, wie einst angenommen.
Von den prognostizierten 14 000 im Jahresschnitt ist man – laut Statistik – noch weit entfernt. Nach einem deutlichen Coronaknick um 2020 erholten sie sich zwar wieder auf zuletzt 7650 im Jahr 2023. Doch der Zweckverband geht davon aus, dass es im vergangenen Jahr im Schnitt 8000 Passagiere waren. Also so viel wie vor dem Beginn des zweigleisigen und elektrifizierten Ausbaus. Bis also die Zielmarke der 14 000 erreicht ist, die die enorme Investition auch rechtfertigt, muss die Bahn noch deutlich mehr Magnetwirkung entfalten.
Dabei kann helfen, dass die Züge nun angenehm leise dahinsurren, der Innenraum klimatisiert ist – und es sogar USB-Auflader gibt. Einzig der penetrante Warnton beim Öffnen und Schließen der Zugtüren stieß vielen Eröffnungsgästen auf. Das sollte sich beheben lassen. Und: Vier der zwölf Nexios verfügen über Fahrgastzähler. Bald wird man also genau wissen, wie gut die die 200 Millionen Euro investiert sind.