Teures Wohnen Die freie Wahl des Studienplatzes ist längst eingeschränkt
Viele Studierende geben mehr als die Hälfte des Geldes im Monat fürs Wohnen aus. Die Koalition muss deshalb zwei Dinge tun, kommentiert Tobias Peter.
Viele Studierende geben mehr als die Hälfte des Geldes im Monat fürs Wohnen aus. Die Koalition muss deshalb zwei Dinge tun, kommentiert Tobias Peter.
Es gibt eine himmelschreiende Ungerechtigkeit im deutschen Bildungssystem. Für diejenigen, die aus ärmeren Familien kommen oder deren Eltern nicht studiert haben, ist es besonders schwer, es auf die Hochschule zu schaffen. Für alle, denen es gelingt, kommt – angesichts des angespannten Wohnungsmarktes vielerorts – eine weitere Ungerechtigkeit obendrauf. Das Wohnen ist in vielen Unistädten mittlerweile so teuer, dass die freie Studienplatzwahl dadurch faktisch eingeschränkt ist.
Die Zahlen des Statischen Bundesamtes sprechen eine eindeutige Sprache. Studierende mit einem eigenen Haushalt geben im Schnitt mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten aus – mehr als 53 Prozent. Bei denjenigen, die in einer WG leben, ist es etwas weniger – aber die Belastung ist immer noch sehr hoch. Es ist, in einem Wort, dramatisch.
Es gibt sicherlich kein Recht darauf, in einer großen oder gar „hippen“ Stadt zu studieren. Nur: Gesellschaftlich ist es nicht besonders wünschenswert, eine Studierendengeneration zu produzieren, von denen viele bis Mitte 20 im Hotel Mama leben – weil sie aus Kostengründen in der Heimat studieren. Die Chance, an der besten Universität für das eigene Fach zu studieren, sollte von den eigenen Fähigkeiten abhängen, nicht vom Geldbeutel der Eltern. Das Studium zu finanzieren, bringt viele Eltern aus der Mittelschicht in Schwierigkeiten, auch wenn die Kinder arbeiten.
Was die Wohnungsnot angeht, hilft nur: Bauen! Bauen! Bauen! Der Staat muss möglichst viel Geld für Wohnheime in die Hand nehmen. Und die von der Koalition in Aussicht gestellte Bafög-Reform muss kommen. Mit ihr käme es endlich regelmäßig zu Bafög-Erhöhungen – und nicht einfach nur immer mal wieder, wenn es der Politik gerade passt.