Nach dem Tod von König Bhumibol Ein Jahr Staatstrauer in Thailand

Thailands König Bhumibol ist gestorben. Foto: POOL
Thailands König Bhumibol ist gestorben. Foto: POOL

Er wurde wie ein Gottkönig verehrt: Thailands König Bhumibol galt als Garant der Stabilität im Land. Sein Tod dürfte enorme politische Umwälzungen mit sich bringen.

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Bangkok - Nach dem Tod des seit 70 Jahren regierenden Königs Bhumibol Adulyadej hat die Militärregierung in Thailand ein Jahr Staatstrauer angeordnet. Der Monarch starb am Donnerstag nach jahrelangem Krankenhausaufenthalt in Bangkok im Alter von 88 Jahren. „Die blühende Regentschaft des Königs ist zuende“, sagte der Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha in einer Fernsehansprache. „Er hat das Leben aller auf das Tiefste berührt, wir schulden ihm große Dankbarkeit.“

Kronprinz Vajiralongkorn solle neuer König werden, sagte Prayut. Er nannte ihn nicht beim Namen, sondern bezog sich lediglich auf den „1972 ernannten Thronfolger“ – das ist Vajiralongkorn (64). Der ist bei weitem nicht so beliebt, wie sein Vater es war. Theoretisch wäre auch eine Thronfolge etwa durch die unverheiratete Tochter Sirindhorn (61) möglich gewesen.

Im Land zeigte sich sofort beispiellose Trauer. Vor dem Krankenhaus saßen seit dem frühen Morgen schon Tausende Menschen betend auf den Straßen. Viele hielten große Porträts des hoch verehrten Königs in den Händen. Die Sorge um ihren Monarchen ließ viele hemmungslos weinen. Die „Bangkok Post“ legte ihr Online-Layout in schwarz-weiß auf.

Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden sollen 30 Tage auf halbmast wehen. Das ordnete Paryut an. In dieser Zeit sollen keine Feiern oder Festlichkeiten organisiert werden. Er empfahl Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ein Jahr schwarz zu tragen.

Der Palast hat enormen politischen Einfluss

Bhumibol hatte zwar auf dem Papier vorwiegend repräsentative Aufgaben, doch hatten Palast und Kronrat hinter den Kulissen enormen politischen Einfluss. Keine Regierung konnte sich ohne das Wohlwollen des Königs lange halten. Der jüngste Militärputsch fand im Mai 2014 statt.

Der König war seit mehr als 70 Jahren im Amt und damit der am längsten amtierende Monarch der Welt. Er wurde wie ein Gottkönig verehrt. Er verbrachte die letzten Jahre überwiegend im Sirijaj-Krankenhaus in der Hauptstadt Bangkok. Dort wird auch seine schwerkranke Frau Sirikit behandelt.

Das buddhistische Königreich in Südostasien mit fast 70 Millionen Einwohnern dürfte vor großen politischen Umwälzungen stehen. Die rund 30 Millionen Touristen, die jedes Jahr kommen, sollen davon aber unberührt bleiben, wie die Behörden versichern.

Kronprinz Maha Vajiralongkorn (64) ist bei weitem nicht so beliebt wie sein Vater es war. Vajiralongkorn verbringt viel Zeit in München, weil sein jüngster Sohn Dipangkorn Rasmijoti (11) in Bayern zur Schule geht. Von der Mutter hat der Kronprinz sich 2014 scheiden lassen. Er hat sieben ältere Kinder mit zwei weiteren Ex-Frauen.

Thailand hat strikte Gesetze gegen Majestätsbeleidigung

Das Land hat strikte Gesetze gegen Majestätsbeleidigung. Sie schützen den König, seine Frau und den Kronprinzen vor jeder Kritik. Selbst harmlos klingende Kommentare können zu Anzeigen führen. Die Gesetze werden seit Jahren ausgenutzt, um politische Gegner zu diskreditieren. Die Gesetze haben einen Diskurs darüber, wie das Land sich nach dem Ableben des Königs weiterentwickeln will, unterbunden. Die Militärregierung hat sich mit einer im August durchgesetzten Verfassung andauernden Einfluss gesichert.

Thailands Gesellschaft ist seit mehr als zehn Jahren politisch tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die so genannten Gelbhemden. Sie geben sich als Monarchietreue, die die alte Ordnung, in der wenige einflussreiche Familien die Geschicke des Landes bestimmten, aufrecht erhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen die Rothemden, unterstützt vor allem von der ärmeren Bevölkerung, die mehr Mitsprache und eine Politik zur Forderung der Armen fordern.

Beide Seiten werfen sich maßlose Korruption vor. Mit Demonstrationen und Blockadeaktionen haben beide Lager die jeweils andere Regierung immer wieder unter Druck gesetzt und deren Sturz herbeigeführt.




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