The Boss Hoss im Gespräch „Eins meiner ersten Konzerte war Stray Cats im LKA“

Für Saloon-Randale sind Sascha Vollmer (r.) und Alec Völkel (links) von The BossHoss längst zu cowboyschlau. Ein Gespräch über den elaborierten Landhaus-Style Foto: JENS SCHMIDT/Jens Schmidt Berlin

Country ist heute en vogue. Daran sind The BossHoss nicht ganz unschuldig. Musikalisch sind sich die Herren einig: doch bei dem Thema Kartoffelsalat geht die Meinung auseinander.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Buletten, Barbecue und Bonanza – The BossHoss stammen aus Heidenheim und Berlin. Ein Gespräch über die Renaissance von Country, den Geschmack ihrer Kindheit und Barbecue.

 

Alec Völkel, Sie wuchsen in Ostberlin auf, und Sie, Sascha Vollmer, stammen aus Heidenheim. Frage an beide: Wie schmeckte Ihre Kindheit?

Sascha Vollmer Meine Mutter ist eine hervorragende Köchin, und ich kam viele Jahre in den Genuss der schwäbischen Küche. Und ich genieße es immer noch, wenn ich zu Besuch bin und Muttern kocht. Ich liebe Spätzle, und auch Sauerbraten ist für mich ein typisches schwäbisches Gericht. Ich weiß nicht mal, wo er eigentlich herkommt, aber das war immer ein Highlight: Sauerbraten mit Spätzle oder Hefeknöpfle. Eine Art Knödel, der in Scheiben geschnitten wird.

Alec Völkel: Ich kann meine Kindheitserinnerungen nicht auf ein Gericht reduzieren. Zu Hause gab es Kartoffeln, Mischgemüse, Schnitzel, Buletten und Rouladen, in der Schule so mittelmäßiges deutsches Standardessen. Insofern schmeckt meine Kindheit nach Kartoffeln und Soße.

SV Und meine natürlich auch nach Kartoffelsalat. Nach schwäbischem Kartoffelsalat mit Essig und Öl.

In unserer Modestrecke posieren die Herren von The BossHoss grandios als zeitgemäße Countrymänner /Jens Schmidt Berlin

AV Also dem, der falsch gemacht wird. Der Berliner isst den Kartoffelsalat bekanntlich mit Mayonnaise, dazu eine dicke Bulette. Ein Traum.

SV Auch wenn wir sonst vieles gemeinsam haben, werden wir uns hier nicht einig. Neben Liebe und Musik ist Essen meine größte Leidenschaft. Deshalb haben wir auch gemeinsam Barbecue-Bücher gemacht.

Wobei in Ihrer Teenagerzeit Musik wahrscheinlich eine größere Rolle spielte als Essen.

SV Klar, die Musik war ein Hobby und eine Leidenschaft zugleich. Von Kindesbeinen an waren wir musikalisch unterwegs und haben uns ausprobiert. Was war Ihr erster prägender Konzertbesuch?

AV Das war bei mir ein Zufall, als ich zehn oder elf war. Wir konnten zu DDR-Zeiten ja nicht groß reisen und trafen uns im Urlaub mit meiner West-Tante in Ungarn. Das war im Kalten Krieg ja quasi neutrales Gelände. Auf dem riesigen Platz hinter unserem Budapester Hotel wurde an einem Tag eine Bühne aufgebaut, abends spielten Iron Maiden. Ich saß den ganzen Nachmittag und Abend auf dem Balkon, und es hat mich völlig umgehauen. Ab da war für mich klar: Es gibt nichts Geileres, als ein Konzert zu geben. Ab diesem Moment war ich Metalfan.

SV Im Alter von 15 bis ungefähr 20 Jahren war ich in der Rockabilly-Szene unterwegs. Mit meiner ersten Heidenheimer Band haben wir uns zu Lokalmatadoren hochgespielt. Ich selbst habe verdammt viele Konzerte besucht, welches das erste war, kann ich nicht sagen. Eins der ersten großen waren jedenfalls die Stray Cats im LKA Stuttgart. Und Sheryl Crow an selber Stelle.

Einmal Metal, einmal Rockabilly. Als Sie sich 2004 trafen, was verband Sie da musikalisch?

AV Ich war damals Grafiker bei einer Agentur, wir machten aber beide Musik – und wir verstanden uns sofort gut. Wir fingen einfach an, bei Sascha auf dem Dachboden einen Song zu machen. Ohne Vorgabe, ohne musikalische Ausrichtung.

SV Nach Feierabend gingen wir oft ein Bierchen trinken. Und immer wieder verlagerten wir das Bier dann in mein Studio auf den Dachboden. Die Idee, Country zu machen, war uns am Tresen gekommen. Es war zuerst einfach nur ein Schenkelklopfer: Wie könnte ein Song von Britney Spears, Eminem oder Outkast auf Country klingen? Das war der Anfang.

Freut es Sie, dass Country mit Künstlerinnen wie Beyoncé, die eben ein Countryalbum veröffentlicht hat, im Mainstream angekommen ist?

AV Natürlich ist es für uns ganz cool, dass Country heute ein bisschen mehr en vogue ist. Das Genre hatte in Deutschland immer ein gewisses Geschmäckle, man hielt es für ein bisschen piefig, provinziell, amerikanisch prollig. Für Landei-Mucke.

SV Eine coole Ausnahme war Johnny Cash mit seinen letzten Alben. Die hat niemand mit Rednecks in Beziehung gebracht.

AV Heute können wir behaupten: Wir haben euch ja gleich gesagt, dass Country cool ist.

In unserer Modestrecke posieren Sie grandios als zeitgemäße Countrymänner. Ist Nashville ein Sehnsuchtsort für Sie? Prägt Sie der Lifestyle?

SV Es ist auch schon wieder neun Jahre her, dass wir zuletzt dort waren. Wir haben in Nashville Musik gemacht, uns inspirieren lassen, Songwriter getroffen. Es ist eine beeindruckende Stadt.

AV Allgemein sind die Südstaaten der USA eine Inspiration für uns. Der Süden steht für eine ganz eigene Imagewelt. Dazu gehört natürlich dieser ganze American Lifestyle, die Muscle-Cars-Kultur der Siebziger, der Rock ’n’ Roll, dieses Cowboy-Ding und eben auch American Barbecue. Das ist ja eine Steilvorlage für uns: Cowboys am Grill.

BossHoss und Grillen, das bedeutet heute wohl eher Gemüse als Fleisch, oder?

AV Die Zeiten haben sich zu Recht gewandelt. Barbecue ist Grillen, und gegrillt wird auch Gemüse. Wir haben Veganer in der Band, unsere Frauen essen kein Fleisch. Uns selbst ist Qualität wichtig, vor allem auch, was das Thema Tierwohl angeht. Das gehört heute zwingend dazu.

SV Es geht uns um gutes Essen. Das muss nicht immer mit Fleisch zu tun haben.

Info

The BossHoss
Tbestehen derzeit zwar aus sieben Musikern, gegründet wurde die Band 2004 in Berlin allerdings von Alec Völkel und Sascha Vollmer, beide heute 52 Jahre alt. Aus dem Spaß, Pophits im Country-und-Western-Gewand zu interpretieren, wurde bald ein ernsthaftes Geschäftsmodell. Zwei ihrer Alben standen auf Nummer eins der deutschen Charts, bis heute haben sie um die 2,8 Millionen Tonträger verkauft. Im Südwest Verlag haben Völkel und Vollmer zwei Grillkochbücher veröffentlicht. Im kommenden Jahr feiern The BossHoss ihr 20. Charts-Jubiläum.

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