The Cure in der Schleyerhalle Hallo und farewell

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)
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„Hello again“ sagt Robert Smith eingangs, er grüßt damit nicht Howard Carpendale, sondern vermutlich diejenigen, die beim letzten Cure-Konzert in der Schleyerhalle auch schon dabei waren. Es werden viele gewesen sein, denn der Altersdurchschnitt in der Halle bewegt sich – so eng gefasst sieht man das bei Konzerten selten – zwischen fünfundvierzig und fünfzig Jahren; alle Besucher scheinen in verblüffender Eintracht mit der gleichen Musik groß geworden zu sein. Der letzte Auftritt in Stuttgart ist sechzehn Jahre her, das erste der nun insgesamt sechs Schleyerhallenkonzerte hingegen fand 1987 statt, was eigentlich alles sagt über den Ruhm dieser Zeitläufte überdauernden britischen Spitzenband, welche die größte Stuttgarter Halle ausverkauft, obwohl ihr letztes Album acht Jahre alt ist.

„Why Can’t I Be You?“ war übrigens auch das letzte Lied, das vor knapp dreißig Jahren in der Schleyerhalle gespielt wurde. Am Bass agierte damals wie heute Simon Gallup, das neben dem Robert Smith einzig verbliebene Langzeit-Bandmitglied. Ihm zu Ehren, scheint’s, ist der Bass am Sonntag besonders kräftig ausgesteuert, und Gallup macht weidlich Gebrauch von der ihm gewährten Freiheit. Aufgekratzt hüpft er wie ein Flummi über die Bühne, sehr dominant ist sein Spiel. Er drückt den Songs seinen Stempel auf, energisch fast bis zur Schmerzgrenze, die beinahe bei „Disintegration“ erreicht wird, dem letzten Song vor der „Zugabe“.

In der Ruhe liegt die Kraft

Der Bandkopf Robert Smith hingegen ist ein Stoiker, aber ein sympathischer. Kaum verlässt er seinen Platz am Mikro, fast alle Songs interpretiert der noch immer hervorragende Gitarrist originalgetreu. Vor dem finalen Sechserschlag entschuldigt er sich knapp für seine seiner Ansicht nach an diesem Abend schwächelnde Singstimme, kurz hört man sie bei „Lovecats“ und „Let’s Go To Bed“ ein wenig holpern – ansonsten wäre das unbemerkt geblieben. Richtig weit vom Original entfernt spielen sie nur „Boys Don’t Cry“ mit Smith an der Akustikgitarre – gewiss eine der charmantesten Varianten, die man von diesem 38 Jahre alten Song jemals gehört hat. Doch auch der Rest des Retromarathons überzeugt ungemein, egal ob man nun „Friday I’m In Love“ über alle Maßen mag oder einen anderen Lieblingssong hat. Eine wunderbare Zeitreise mit Songs von zehn der dreizehn Alben hat die Band zusammengestellt, bestens aufeinander eingespielt bringen auch die drei Mitmusiker von Gallup und Smith (darunter David Bowies früherer Gitarrist Reeves Gabrels) alles fein auf die Bühne.

Ein zu Recht hochzufriedenes Publikum entlässt Robert Smith schließlich aus seiner gar nicht mehr so düsteren Gedankenwelt in die dunkle Stuttgarter Nacht. „See You Again“, ruft er zum Abschied. Jederzeit gerne, in wie vielen Jahren auch immer.




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