Mit dunklen Tönen durchzieht der Sänger Eric Bazilian das melancholische Liebeslied „The Boys of Summer“. In der Coverversion des Titels, mit dem Don Henley von den Eagles und Mike Campbell 1984 die internationalen Hitparaden stürmten, kommt die düstere Seite der verlorenen Leidenschaft noch stärker zum Tragen als im Original. Das liegt an den leisen Klangfäden, die der Musiker in sein Arrangement webt. Mit seinen 69 Jahren mag die Stimme des Frontmanns der Band aus Philadelphia etwas von ihrer charakteristischen Kraft eingebüßt haben. Die Fans auf der Esslinger Burg waren dennoch begeistert von der Ausstrahlung der Musiker, die nach 42 Jahren eine faszinierende Mischung aus Rock, Folk und Indie-Pop zelebrieren.
Bei ihrem fast zweistündigen Auftritt überzeugte der drahtige Frontmann Eric Bazilian gerade mit der Gelassenheit, die wohl das Alter mit sich bringt. Zwar ist etwas vom überschäumenden Temperament seiner Jugendjahre auf der Strecke geblieben. Doch dafür schürft der Musiker mit seiner Band noch mehr als in früheren Jahren in die Tiefe. Beherzt griff er nicht nur zur Gitarre. Der Amerikaner entlockte auch der Mandoline faszinierende Töne.
Der Melodica Neues entlockt
Keyboarder Rob Hyman, der zweite Kopf der Band, wagte gar mit dem vermeintlich drögen Schulinstrument Melodica Neues. Und auch dem Akkordeon gewann er faszinierende Melodien ab. Ins Deutsche übersetzt bedeutet „Hooter“ Hupe. Mit dem monotonen Signal haben die hoch differenzierten Kompositionen der Band allerdings nur oberflächlich zu tun. Das vielseitige Instrumentarium verleiht der progressiven Rockmusik Tiefenschärfe.
Solche Klangvielfalt begeisterte die zahlreichen Fans, die sich beim Burgkonzert an ihre Jugend zurückerinnert fühlten. „Dazu haben wir damals in der Schule immer getanzt, weißt Du noch?“, raunte eine Zuhörerin bei der Liebeshymne „And We Danced“ ihrem heutigen Ehemann zu. Das klang richtig verliebt.
Gegen den Strich gebürstet
Ihre philosophischen Texte bürsten The Hooters gewaltig gegen den Strich. Mit druckvollen Gitarrenriffs überzeugt das Gitarren-Trio mit Eric Bazilian, Bassist Fran Smith und John Lilley besonders im Hit „Satellite“ aus dem Jahr 1985. Beißende Kritik an der Geldgier der jungen Generation und ihrem kapitalistischen Irrglauben lässt sich aus dieser Komposition ebenso herauslesen wie zauberhafte Poesie und Lebensmut: „Spring in den Fluss und lerne zu schwimmen“ – mit diesem Satz aus dem Titel haben The Hooters Mitte der 1980er-Jahre nicht allein junge Menschen bestärkt, ihr Leben trotz aller Widrigkeiten beherzt in die Hand zu nehmen. Der Sound hebt sich wohltuend vom eindimensionalen Trend seiner damaligen Zeit ab. Das rhythmisch starke Spiel mit einer Fülle von Instrumenten katapultierte den Song „Satellite“ gar in eine neue Klanggalaxie. Beim Konzert auf der Burg schwangen zur aufwendigen Lichtshow mehr 1000 Hände unter dem Nachthimmel. Die Band aus Philadelphia versteht es auch nach 42 Bühnenjahren noch immer, ihr Publikum mitzureißen.
Dass die Band aus dem US-Staat Pennsylvania einen engen Bezug zu Deutschland hat, war nicht nur an den deutschen Moderationspassagen zu spüren, die Bazilian immer wieder einstreute. Seine Aussprache klingt richtig gut. Verblüfft war manch einer, als der redegewandte Frontmann gar mit der E-Gitarre Johann Sebastian Bachs „Sonate in G-Moll“ in die Sphären des Rock übertrug: „Bach hat die Grundlage gelegt, dass wir Musik verstehen.“ Dann überraschte er das Publikum mit einem weinseligen deutschen Text. Die elektronisch überdrehte Volksweise sorgte auf der Wiese im Burghof für erfrischende Lacher. Ihre großen Erfolge feierten The Hooters in Deutschland und in Schweden. „Wir kommen immer wieder gerne hierher zurück“, rief Bazilian ins Mikro, der mit seiner Band 1993 beim Kultursommer schon einmal in der Reichsstadt aufgetreten ist.
Zusammenarbeit mit Cindy Lauper
Allein in Nostalgie zu schwelgen, das käme für Eric Bazilian und Rob Hyman aber nicht in Frage. Die zwei Altmeister haben mit der jungen Sängerin Cindy Lauper gearbeitet und mit ihr etwa den Hit „Time after Time“ zum Welterfolg gemacht. Ihre unbändige Lust, Rockmusik immer wieder neu zu denken und zu entwickeln, ließ das Publikum in Esslingen während des Konzerts immer wieder ausgelassen unter dem Abendhimmel tanzen.
Mit dem Auftritt der kanadischen Band Saga begann das zweite Burgkonzert. Melodiebetonter Rock ist das Markenzeichen der bekannten Band, die 1981 mit dem Titel „Wind me up“ einen internationalen Hit landete. Mit einer atemberaubenden Show zeigte der Sänger Michael Sadler, dass die Band allen Trennungsgerüchten zum Trotz noch immer bestens eingespielt ist und noch sehr viel vorhat. Ihr gelungener Auftritt war alles andere als musikalisches Vorgeplänkel. Als die Musiker für den Hauptakt des Abends Platz machten, war im Publikum enttäuschtes Raunen zu hören.
Bilanz der Burgkonzerte
Zufrieden
Mehr Zuschauer hätte sich Arnulf Woock vom Veranstalter Music Circus für das Doppelkonzert mit der kanadischen Band Saga und The Hooters aus den USA gewünscht. Mit 2500 Gästen auf der Burg war er an dem Hochsommerabend aber dennoch zufrieden. „Es ist so schön, dass wieder Konzerte stattfinden dürfen. Dennoch sind die Besucher zögerlich.“
Ausverkauft
Am Samstag war das Konzert der Mittelalter-Rocker In Extremo mit 4500 Besuchern dagegen ausverkauft. Zwei Mal hatte ihr Auftritt abgesagt werden müssen, jetzt strömten die Fans auf die Burg. Da war es auf dem Platz vor der Burg und vor den Ständen gut voll.