Stadtkind Stuttgart

The Second Look Project von Daniel Trautwein Auf den zweiten Blick

Von Tanja Simoncev 

Im Rahmen seiner Bachelorarbeit hat Daniel Trautwein "The Second Look Project" ins Leben gerufen - ein Projekt, das Menschen mit Stigmata eine Plattform bieten soll, ihre Geschichte zu erzählen. Der Fotograf hofft damit auch, die Gesellschaft für mehr Nächstenliebe zu öffnen. 

Für den Stuttgarter Fotografen Daniel Trautwein ist The Second Look Project eine Herzensangelegenheit.  Foto: Porträt von Daniel by Fabian Gehring 4 Bilder
Für den Stuttgarter Fotografen Daniel Trautwein ist "The Second Look Project" eine Herzensangelegenheit. Foto: Porträt von Daniel by Fabian Gehring

Stuttgart - Es ist mehr als nur eine Bachelorarbeit, ein Projekt, das ihm am Herzen liegt: "The Second Look Project" schwebte Daniel Trautwein schon lange vor. Während seinem Studium an der Hochschule der Medien hatte sich der 26-Jährige immer mehr in die künstlerische und auch soziale Richtung entwickelt, privat wurde die analoge Fotografie zu seinem ständigen Begleiter. Da lag es nahe, dass der Stuttgarter, der leidenschaftlich gern Skateboard fährt und auch ab und zu hinter der Bar vom Zwölfzehn arbeitet, nun zum Ende seines Studiums hin keine klassische Bachelorarbeit abliefern würde. "Lieber etwas machen, worauf ich richtig Bock habe", lautete seine Devise.

Verständnis statt Ausgrenzung

Doch was ist "The Second Look Projekt" genau? "In erster Linie ist es ein Fotografie-Projekt", erklärt Daniel. Sein Stilmittel dabei sei die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie. "Ich porträtiere also verschiedene Menschen zunächst einmal mit der Kamera - Menschen, die mit Stigmata zu kämpfen haben wie z.B. Obdachlose, Aidskranke, Spielsüchtige usw., die von der Gesellschft schnell in eine Kiste gesteckt werden. Es sind Personen, über die man sich nicht groß Gedanken machen will", erklärt Daniel. Durch das Skaten habe der 26-Jährige oft mit Obdachlosen zu tun und sei immer cool mit ihnen gewesen. "Wenn du an Spots skatest, wo die Jungs halt auch abhängen, kommst du schnell ins Gespräch. Bei den meisten Leuten aber, die einen Obdachlosen sehen, hört nach der Feststellung "'Ah, das ist ein Obdachloser" der Gedankengang auf." Den Fotografen stört diese abwertende Haltung, Ausgrenzung und Reduzierung auf das Offensichtliche. Da werde dann einfach nicht bzw. zu selten überlegt: "Was ist das für ein Mensch, hat er vielleicht mal ein normales Leben gehabt?" Dabei sei den meisten schon geholfen, wenn man sich einfach mal ganz unvoreingenommen nach ihrem Wohlbefinden erkündigt. 

Analoge Fotografie und Storytelling

Daniel hat nun extra für das Projekt eine Website kreiert. "Ich will kein Weltverbesserer sein, sondern diesen Menschen einfach eine Plattform bieten, wo sie sich mal äußern können", sagt er bescheiden. Die erste Story ist seit gestern online, sie ist von und mit Emanuell, der bei Trottwar arbeitet. "Was ich so über ihn erfahren habe und womit er cool ist, wurde schließlich veröffentlicht. Am Ende hast du eine Story über eine Person, die mit Bildern untermalt ist." Und natürlich soll "The Second Look Project" auch zum Nachdenken anregen. "Einfach mal ein paar Gedanken weiterdenken." Vielleicht wird das Projekt auch dazu beitragen, die Gesellschaft zu sensibilisieren, sie wieder zu öffnen für Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis. Es würde Daniel zumindest sehr freuen.

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